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Enge Netze und später Laichfischfang: Kritik an Fischerei am Bodensee

Bregenz. Die Bodenseefischerei kämpft seit Jahren mit zurückgehenden Fangzahlen. Die Fischer am See seien daran jedoch nicht ganz unschuldig, ist Berufsfischer Norbert Helbok überzeugt. Auch war der Laichfang beim Gangfisch heuer nicht zufriedenstellend.

Bereits seit Jahren kämpfen die Bodenseefischer mit rückläufigen Fangzahlen. 2015 war mit 261 Tonnen Ertrag für die 106 Berufsfischer am Obersee das schlechteste Jahr seit 1917. Gerade bei den beiden wirtschaftlich wichtigsten Fischen, dem Bodenseefelchen und Barsch, gingen die Zahlen stark zurück. Beim Seesaibling gingen die Fänge um über 70 Prozent zurück.

Hinzu kommt heuer ein durchmischter Laichfischfang für die Fischbrutanstalt in Hard. Durch Probefänge wird die Laichzeit bestimmter Fischarten bestimmt, um deren Laich gezielt abfischen zu können. Dieser wird im Fischereizentrum für die Aufzucht der wirtschaftlich relevanten Tiere abgeliefert. Beim Blaufeilchen erreichte man heuer mit 1.800 Liter Laich ein Vier-Jahres-Hoch. Beim Gangfisch, ebenfalls eine Feilchenart, jedoch nur 200 Liter.

Magere Ausbeute bei Gangfischen

Berufsfischer Norbert Helbok, der das Bilgeriareal in der Bregenzer Bucht bewirtschaftet, sieht hier eine Fehleinschätzung der Verantwortlichen. Nikolaus Schlotzko, Leiter des Fachbereichs Fischerei beim Land Vorarlberg, erklärt dies mit einem sehr heterogenen Ergebnis der Probebefischung. Während Ende November in der Bregenzer Bucht bereits ein unerwartet früher Höhepunkt der Laichtätigkeit zu erkennen war, gab es am Westufer des Sees kaum laichende Felchen.

Das Internationale Gremium der Bodenseefischereikommission (IBKF) hatte sich daher entschlossen, zuerst die Blaufelchen zu befischen – mit dem bekannt guten Ergebnis. Die Laichzeit der Gangfische war heuer jedoch ungewöhnlich früh, was die schlechte Fangquote erklärt. Üblicherweise dauere diese mehrere Wochen bis in den Jänner hinein. Als Konsequenz bedeutet dies jedoch einen ungewöhnlich schwachen Jahrgang an Gangfischen in der Brutanstalt – und damit wahrscheinlich einen weiteren Rückgang der Gangfisch-Fangzahlen in den kommenden Jahren.

Kritik an den Maschenweiten

Helbok sieht hier nicht zuletzt auch eine Mitschuld seiner Fischerkollegen. Die erlaubte Maschenweite der Netze von 28 Millimeter sei zu eng. Mit ihnen würde man auch Jungfische fangen, die sich noch nie fortpflanzen konnten. Für kurzfristig bessere Fangquoten bedeute dies langfristig weniger Nachwuchs. Tatsächlich kommen je nach Fischart andere Netze zur Verwendung, mit 28 Millimeter sind die Barschnetze die engsten erlauben Maschenweiten am Bodensee.

Die Netzweiten werden seit 1893 durch die IBKF beschlossen. Geschehen würde dies auf Basis eine umfangreiche Beobachtung des Fischbestandes. “Im Mittelpunkt steht dort die Nachhaltigkeit, dass heißt die Fische erst dann zu fangen, wenn sie zumindest einmal, besser noch zweimal abgelaicht haben”, verteidigt Schlotzko die erlaubten Maschenweiten.

Futterkonkurrent Stichling

Der Rückgang an Nutzfischen wie die Felchen sind aber vielseitig: Durch die Abwasserreinigung geht der Nährstoffgehalt im Bodensee zurück, auch Vögel wie der Komoran setzen den Fischen zu. Gleichzeitig gibt es ein immer erfolgreicher werdenden Futterkonkurrenten, der zugewanderte und wirtschaftlich unbrauchbar Stichling. Dieser macht bereits an die 80 Prozent des Fischbestandes aus, wird aber bislang noch kaum von den anderen Bodenseefischen bejagt.

Der grenzenlose See

Hinzu kommen Interessenskonflikte der Bodenseefischer und Wassersportlern und Bootsfahrern, die die Situation erschweren. Hinzu kommt ein Unikum am Bodensee, an dem Helbok zu nagen hat: Nach der von Deutschland und Österreich vertretenen Haldentheorie erstreckt sich das Staatsgebiet nur auf die Teile des Sees, die nicht tiefer als 25 Meter sind. Der “Hohe See” ist damit Allgemeingut, das Kondominium. Damit liegen jedoch Teile des Bilgerireviers in internationalen Gewässern – wo jeder fischen darf, nicht nur der Revierpächter Helbok.

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