"Ein normales Leben ist möglich"

WANN & WO sprach mit Manfred (57). Er war einer der ersten HIV-Infizierten in Vorarlberg.
WANN & WO sprach mit Manfred (57). Er war einer der ersten HIV-Infizierten in Vorarlberg. ©WANN & WO/Martin Begle
WANN & WO sprach mit Manfred (57). Er war einer der ersten HIV-Infizierten in Vorarlberg.


Manfred ist eine stattliche Erscheinung. Groß, braungebrannt und lässig gekleidet. Wie den meisten sieht man auch ihm seine HIV-Infektion nicht an. Bereits seit 30 Jahren lebt Manfred damit. „Ich war einer der ersten, die sich im Suchtbereich damit angesteckt haben“, erzählt er. „Wir haben damals Heroin probiert.“ Vor 30 Jahren gab es allerdings nicht wie heute Automaten oder Apotheken, wo sich Konsumenten frische und sterile Spritzen holen können. „Alle haben die selbe Nadel genommen“, sagt Manfred. Einige Jahre später wird in Bludenz ein kostenfreier HIV-Test angeboten, den er macht.

„Halb Bludenz wusste es“

Das Ergebnis erfuhr er allerdings nicht als Erster: „Die Sprechstundenhilfe damals hat geplaudert. Halb Bludenz kannte mein Ergebnis vor mir.“ Das nahm ihm die Chance, sich erst einmal selbst in Ruhe mit der Diagnose auseinanderzusetzen. „Andererseits blieb es mir dadurch erspart, es allen sagen zu müssen“, sieht Manfred im Nachhinein auch eine gute Seite an der Ausplauderei. Von Anfang an ging er auch selbst offen mit seiner Infektion um. Vielleicht ein Grund dafür, wieso der heute 57-Jährige selten unter Diskriminierung leiden musste. „Ich habe so etwas kaum erlebt. Wenn, dann hat es mir allerdings auch nicht viel ausgemacht, denn wir waren ja so viele damals in Bludenz, an die dreißig Leute.“

Tolerante Partnerin

Nicht einmal in Sachen Liebe war es ein Thema: „Meine langjährige Lebenspartnerin, mit der ich kurze Zeit nach der Diagnose zusammen kam, hat fantastisch reagiert, ebenso wie ihre Eltern. Die haben mir einfach vertraut und wussten auch, dass ich da aufpasse und ihre Tochter gesund bleibt.“ Selbst heute, lange Zeit nach der Trennung, sind die beiden noch in sehr gutem Kontakt.

Freunde verloren

Viele andere Freunde verlor Manfred jedoch an HIV und in weiterer Folge auch an Aids. „Von den damals etwa dreißig Leuten aus Bludenz sind heute noch fünf übrig“, sagt er mit gesenktem Blick. Zu der Zeit, als sie sich infizierten, waren noch keine Medikamente verfügbar, welche die Viren blocken konnten. Diese kamen erst dreizehn Jahre nach Manfreds Diagnose. „Ich habe halt so lange durchgehalten, weil ich in der Lawinenverbauung gearbeitet habe und dadurch eine extrem gute Konstitution hatte.“ Dennoch musste er frühzeitig pensioniert werden – zum Glück gab es kurz darauf die Medikamente. Damit hat sich vieles verbessert. „Ein normales Leben ist möglich“, stellt Manfred klar. „Natürlich muss man auf sich achtgeben und hat auch ab und zu einen schlechten Tag – manche mehr, manche weniger – aber ich habe keine großen Einschränkungen.“

Nach wie vor reist er fast jährlich nach Mexiko und hilft auch mal für ein paar Tage einem Freund beim Holz hacken. Auf die Frage, was er jemandem raten würde, der sich heute frisch infiziert, antwortet er bestimmt: „Man muss sich klarmachen, dass das nicht das Ende ist! Mit einer guten ärztlichen und psychologischen Betreuung ist schon viel getan und die Medikamente sind sehr fortschrittlich.“

Aufklärung ist wichtig

Dennoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man auf sich aufpassen muss. „Auch wenn einem der Tod nicht mehr direkt vor Augen steht, muss man wissen, dass die Tabletten Nebenwirkungen haben.“ Ebenso hält er Aufklärung für wichtig, kursieren doch zahlreiche Mythen rund um HIV und die Ansteckung. Als große Hilfe für Betroffene empfindet Manfred die Aidshilfe Vorarlberg: „Sie sind super und sehr engagiert, lehnen sich für jeden aus dem Fenster!“

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(WANN & WO)

 

 

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