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Die letzten Schritte mit Otti

Lingenau - Auch eine Meerjungfrau verliert irgendwann ihren Reiz. Vor allem als Tätowierung. Die "VN" berichtet, wie man eine Tätowierung wieder los wird. | Tatto-Entfernung[.pdf - 214KB] | Tattoo-"Patienten" werden stetig mehr

Verliebt bis über beide Ohren sei sie gewesen. Und ihrem Liebsten habe sie diesen Wunsch einfach nicht abschlagen können. Beate Vigl, 30, erlaubt sich eine kurze romantische Reminiszenz. „Er wollte diese Tätowierung an meinem Körper. Sagte, es sei cool. Natürlich fand ich es dann auch cool.“ Also ging sie halt, 17-jährig, mit ihrem Otti ins „Mosquito“ nach Lochau und ließ sich die Meerjungfrau auf ihren rechten Unterschenkel stechen. Und den Namen ihres Angebeteten gleich noch dazu. „Angst hatte ich. Und es tat verdammt weh. Aber . . .“

„Es muss weg“

Die Liebe ging, die Tätowierung blieb. Beate, heute dreifache Mutter und mit einem anderen Mann verheiratet, wurden Meerjungfrau und Otti an ihrem Bein unerträglich. „In Au, meiner neuen Heimat, starrten die Leute auf meine Tätowierung, an meinem Arbeitsplatz, ein Hotel, fand man sie unpassend. Schließlich fasste ich den Entschluss: Das Ding muss weg.“ Jetzt sitzt Beate mit Töchterlein Jacqueline, 11, in der Lingenauer Praxis von Dr. Marcus Kadgien, Hautarzt und Spezialist für das Entfernen von Tattoos. „Ich hab’ Jacqueline“, sagt die Mama, „bewusst mitgenommen. Sie soll nie tun, was ich getan habe. Und ich will das auch allen jungen Menschen mitteilen. Deswegen dürft ihr auch über mich schreiben.“

Die sechste Behandlung

Dr. Kadgien bittet Beate Vigl in seinen Laser-OP. Dort wirft er das große, 70.000 Euro teure Lasergerät an. „Es ist unsere sechste Behandlung. Noch ungefähr vier brauchen wir. Dann sollte man nichts mehr sehen“, erklärt der Hautspezialist.

Knacksen, pfeifen

Arzt und Patient setzen Laserbrillen auf, Dr. Kadgien schnappt sich das Laserinstrument und setzt es am Tattoo an. Es knackst und pfeift. „Der spezielle Laser sendet Impulse im Nanosekunden-Bereich. Dadurch wird das Farpigment aus der Zelle herausgesprengt und dann durch die Lymphgefäße abtransportiert.“

Im Stakkato jagt der Arzt die Laserimpulse durch Beate Vigls Haut. Langsam beginnt es nach Verbranntem zu riechen. „Der Geruch und die weißliche Verfärbung kommen von der Einsprengung von Sauerstoff durch den ultraschnellen Laserimpuls“, erklärt der Mediziner.

„Es ist ein brennender Schmerz. Aber was soll’s“, lächelt die Patientin. „Sie ist sehr tapfer. Das sind nicht alle“, lobt Dr. Kadgien die 30-Jährige. Nach zirka 25 Minuten ist die Behandlung beendet. Das Tattoo schaut jetzt aus wie eine grau-grüne Masse. „Aber es ist alles schon viel heller geworden“, erzählt Beate. Das Brennen wird sie noch einige Stunden spüren. Und dann wird das Bein auch wieder anschwellen. Wie immer. Aber „immer“ dauert mit der verblassenden Meerjungfrau samt Otti jetzt nur noch vier Behandlungssitzungen. Und dann heißt’s wirklich für immer: Arreviderci, ihr äußeren Zeichen der Teenagerliebe.

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