Die Alarmzeichen erkennen

Wolfurt - Bluthochdruck und Schlaganfall waren die Themen beim ersten Mini Med-Abend im Wolfurter Cubus.
Hoher Blutdruck als Volkskrankheit

1,5 Millionen Hypertoniker gibt es in Österreich: Nur der Hälfte davon ist ihre Erkrankung bekannt, zwei Drittel davon werden regelmäßig behandelt. Mit diesen erschreckenden Zahlen begann Primar Dr. Heinz Drexel, der vor seinem Vortrag noch die Ehrung zum beliebtesten Vorarlberger Referenten im Rahmen des Mini Med Studiums entgegennahm, den Abend. „Bluthochdruck ist tatsächlich die Volkskrankheit Nummer eins in Österreich – sie werden nichts finden, das 1,5 Milli-onen Patienten betrifft!“

Das Schlimme dabei: Die Krankheit wird häufig falsch behandelt. Folgeerkrankungen von Hypertonie sind Schlaganfall, Herz- und Nierenversagen oder die Schaufensterkrankheit – primäres Thema des Abends war der Schlaganfall. Der Primar erklärte die Mechanismen, die vom hohen Blutdruck zum Schlaganfall führen.

Verschiedene Mess-Ergebnisse

Und natürlich auch, wie man den Blutdruck überhaupt misst: „In der Praxis beim Arzt werden die Werte oft durch Nervosität und andere Umstände verfälscht, die Selbstmessung oder eine automatische 24-Stunden-Messung bringen die zuverlässigsten Werte.“

Die nicht medikamentöse Behandlung von Hochdruck kann durch eine Reduktion von Alkohol und Kochsalz, körperliche Aktivität, diätetische Maßnahmen (Ernährung) und Gewichtsabnahme erfolgen. Bei den Medikamenten gibt es ganz klare Empfehlungen. Startmedikamente sind Calciumantagonisten, ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB), ältere Präparate sind Betablocker oder Diuretika (harntreibende Mittel), die vor allem in Kombinationen gut funktionieren. Für Drexel ist dabei wichtig: „Je weniger Tabletten ich bekomme, desto verlässlicher nehme ich sie.“

Individuelle Therapien

Jeder Mensch spricht anders auf die Änderung der Lebensumstände an – jeder muss für sich selbst herausfinden, was das Beste für ihn ist. Genau das gleiche gilt für die Medikamente: Der Primar erklärte anhand von drei Patientenbeispielen, warum eine maßgeschneiderte, individuelle Behandlung wichtig ist. Dr. Philipp Werner betonte, dass der Schlaganfall jeden überall treffen kann, sogar Kinder. Ältere Menschen sind mehr betroffen – dennoch wissen gerade sie oft am wenigsten über den Ernstfall.

Symptome des Schlaganfalls

Vor allem die „transitorische ischämische Attacke“ (TIA), das sogenannte „Schlägle“, die nach 24 Stunden schon wieder abgeklungen ist, wird unterschätzt: „Oft dauert so ein Anfall sogar nur ein paar Sekunden – und wird deshalb nicht zur Kenntnis genommen.“ Der Oberarzt erklärte die Risikofaktoren für einen Schlaganfall, bevor er zum Wichtigsten kam: Dem Erkennen! „Wenn die Beschwerden plötzlich auftreten oder aus dem Schlaf heraus, beim Aufwachen, kann dies ein Alarmzeichen sein.“

Die Symptome eines Schlaganfalls müssen sofort erkannt werden, damit eine schnelle Behandlung in die Wege geleitet werden kann. Dies sind halbseitige Lähmungen oder Gefühlsstörungen, herabhängende Mundwinkel, Sprach-, Sprech- und Sehstörungen, die Unfähigkeit, Gesprochenes zu verstehen sowie Schwindel mit Gangunsicherheit. Werner stellte klar: „Ein Schlaganfall ist ein Notfall – von Minute zu Minute sterben Gehirnzellen ab. Man muss möglichst schnell in ein Spital kommen.“

Die primäre Schlaganfall-Therapie (Blut-Lyse) kann nur in den ersten viereinhalb Stunden gemacht werden, und sie ist nur im Krankenhaus möglich. Das Fazit des Oberarztes: „Praktisch jeder sollte im Falle eines Falles richtig und schnell handeln können. Besonders Freunde und Angehörige von Risikopatienten.“ (VN/am)

 

Fragen aus dem Publikum

Wie hoch ist das Risiko für eine Arterienblutung im Hirn bei einer Lyse?

Dr. Werner: Die Lysetherapie ist eine sehr starke Blutverdünnung – und hat natürlich auch Risiken. Die Nebenwirkungen, also Blutungen, sind aber ganz selten, die Gefahr ist nicht groß.

 

Der Blutdruck kann auch abhängig sein von der starken Herztätigkeit?

Dr. Drexel: Wesentlich war mir der Gedanke, dass der hohe Blutdruck das Hirn schädigt – die Nerven beeinflussen den Blutdruck an sich  nicht. Außer, man ist nervös. Der Hochdruck ist der Täter, das Hirn das Opfer – und nicht umgekehrt.

 

Was ist die Ursache für einen labilen systolischen Blutdruck ohne jede Anstrengung?

Dr. Drexel: Labil ist einmal besser als dauernd zu hoch, aber es ist trotzdem nicht ideal. Noch einmal das mit der Nervosität: Man ist ja nicht nur beim Arzt, sondern öfter nervös – da droht den Gefäßen immer eine Last. Wenn nur der obere Wert erhöht ist, ist meistens schon eine Verhärtung dabei – deshalb legen wir inzwischen mehr Wert auf den oberen Blutdruck.

 

Eine syphonartige Veränderung der Carotis – ist das gefährlich für den Blutfluss oder nicht?

Dr. Werner: Diese Schlängelungen können ein Risiko bilden, weil auch die Blutflüsse verändert werden. Dort können sich leichter Gefäßverkalkungen bilden.

 

Wie groß ist der Unterschied, wenn man zu Hause misst – also mit der Armmanschette oder am Handgelenk?

Dr. Drexel: Arm und Handgelenk ist gleich, wenn die Messung stimmt. Man sollte immer so messen, dass die Messstelle gleich hoch ist wie das Herz. Inzwischen sind alle Messgeräte, die man zu Hause hat, ungefähr gleich gut.

 

Besteht auch ein Schlaganfallrisiko bei Blutverdünnung?

Dr. Drexel: Da besteht ein Risiko für die Blutung – dafür kann man die Schlaganfälle oft verhindern.

 

Auch ein zu niedriger Blutdruck ist nicht gut. Was passiert da allenfalls, was sollte man tun?

Dr. Drexel: Wenn man ständig niedrigen Blutdruck hat, ohne Behandlung, ist das meistens kein Problem. Es ist ein bisschen fad, aber für die Gesundheit nicht schädlich. Wenn man allerdings die Blutdrucksenkung zu stark macht, dann kann das wieder ein Risiko für die Durchblutung aller Organe und letztlich auch für die des Gehirns sein. Aber Gottseidank spürt man das, da man etwa Schwindel bekommt. Wenn das passiert, sollte man die Blutdruckmedikamente reduzieren, das ist ganz wichtig.

 

Welche Rolle spielt der Schlaf für den Schlaganfall?

Dr. Werner: Der Schlaf selber ist nicht das Risiko. In der Nacht tritt der Schlaganfall meist in den frühen Morgenstunden auf. Wenn man aus dem Schlaf heraus einen Schlaganfall bekommt, muss man schnell handeln, auch wenn man nicht genau weiß, wann er passiert ist. Wir können relativ sicher herausfinden, wann es war.

 

Es gibt sehr viel verschiedene Medikamente, um den Blutdruck zu senken, die wiederum bei verschiedenen Personen verschiedene Wirkungen haben. Wie findet der Arzt das passende Präparat?

Dr. Drexel: Die einfachste Antwort: Probieren geht über Studieren – man sollte allerdings schon Medizin studiert haben. Die Calcim-Antagonisten wirken etwa bei Frauen besser als bei Männern, aber auch diese Regel hat viele Ausnahmen.

 

Warum verursachen gerade die Betablocker Potenzstörungen?

Dr. Drexel: Die wirken über das körpereigene Adrenalin. Und das macht eigentlich Gefäße weit, auch im männlichen Glied, das macht ja die Schwellung. Das ist aber bei den modernen Betablockern relativ selten.

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