"Big Brother" für Sauberkeit

Hittisau - In Hittisau entledigt niemand seinen Hausmüll, ohne dabei beobachtet zu werden. Jedenfalls nicht an der offiziellen Sammelstelle im Ortszentrum zwischen Gemeindeamt und Schule.

Das für den Entsorger unsichtbare elektronische Auge einer Kamera wacht unbestechlich über jede Aktivität, die sich an der hochmodernen Sammelstelle ereignet. “Gut so, dass es das gibt. Vorher warfen die Leute Rasengras in den Altkleidercontainer und Motorsägenketten in den Aluminiumbehälter. Das hat viel mehr Bürger aufgeregt als die Videokamera”, bezieht der 61-jährige Hittisauer Bürger Robert Schedler einen klaren Standpunkt.

Fix eingeplant

In der Gemeindestube erklärt Bürgermeister Konrad Schwarz bereitwillig, warum eine hochmoderne Kamera das Geschehen an der Sammelstelle einfängt. “Die Sammelstelle ist im Zentrum. Wir wollen sie sauber. Und wir haben sie jetzt sauber. Das System war im Zuge des Umbaus vom Gemeindeamt mit gleichzeitiger Einrichtung der neuen Sammelstelle von vornherein geplant. Widerstände dagegen gab es nicht.” Freilich, so räumt Schwarz ein, könne man eine Viedeoüberwachung immer auch kritisch sehen. “Bis jetzt sind wir damit jedoch gut gefahren.”

Fixiert ist die Kamera vor einem Fenster im Dachgeschoss des Gemeindeamtes. Mit freiem Blick auf die Ablagestelle. Diese ist in eine Mauer eingebaut. Der Müll fällt durch Schächte in einen Keller, wo nach Abfallart getrennte Container den Unrat auffangen.

Live und aufgezeichnet

“Einmal ertappten wir jemanden, wie er Teile eines Herdes entsorgte, ein anderes Mal wollte jemand einen drei Meter langen Drainageschlauch loswerden”, zitiert Schwarz zwei Kapitel der “Erfolgsstory” Videoüberwachung.

Gemeindesekretär Georg Bals sieht auf seinem Computer die Live-Bilder von der Sammelstelle. “Es werden immer fünf Stunden aufgezeichnet”, erklärt er. Per Klick ruft Bals auf seinem Bildschirm ein Diagramm mit roten Punkten ab. “Die roten Punkte sind die Bewegungen am Platz. Wir können jede Aktivität zurückverfolgen und die Bilder dann einspielen.” Im Dorf selber wollen einige Bürger die Überwachung nicht kommentieren. Jene, die es doch tun, outen sich als Befürworter des Systems.

VN-UMFRAGE: Wie beurteilen Hittisauer Bürger die Müll-Videoüberwachung?

“Ich finde die Videoüberwachung der Sammelstelle gut. Es gibt Leute, die zwar wissen, wo was hingehört, aber das einfach nicht tun. Ich kenne einige Abladestellen in anderen Orten, wo es gar nicht schön aussieht.” (CARMEN RITTER, 31)

“iIch halte diese Art der Kontrolle beim Entsorgen des Mülls für okay. Jetzt kann man hier nicht unbemerkt Dinge entsorgen, die nicht auf die Sammelstelle gehören. Wer anständig entsorgt, muss kein schlechtes Gewissen haben.” (CARMEN ZENGERLE, 27)

“Bei der Müllabladestelle gefilmt zu werden, finde ich absolut blöd. Dort halten sich doch viele Leute auf, die nichts mit dem Entsorgen von Müll zu tun haben. Meine Zustimmung findet diese Vorgangsweise nicht.” (LUKAS FEURSTEIN, 15)

“Grundsätzlich halte ich Maßnahmen für eine saubere Sammelstelle gut. Ob das eine Videoüberwachung sein muss, kann ich nicht beurteilen. Vor allem kleine Kommunen sollten mit so etwas vorsichtig sein.” (PETER STEURER, 58)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • "Big Brother" für Sauberkeit
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen