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Bank mit billigen Tricks abgezockt

Ein bunter Prospekt und ein paar falsche Titel reichten, um bei einer Vorarlberger Bank fette Kredite zu bekommen. In einem neunstündigen Prozess wurde er nun zu fast zwei Jahren Haft verurteilt.

Diplomkaufmann und Direktor, Manager und Firmenchef stand auf den Visitenkarten des 51-Jährigen.

Bunte Lügenwelt
Der Firmenprospekt und seine Titel machten den 16-fach Vorbestraften zu einem neuen Menschen. Zumindest für das Bankinstitut im Unterland: Klar, der Mann mit dem windigen Parkausprojekt in Ungarn ist kreditwürdig! Die Geldgeber verzichteten auf den obligatorischen Strafregisterauszug – auch auf die Anfrage beim Kreditschutzverband. “Nicht üblich”, hieß es von den Verantwortlichen. Dass der Deutsche Staatsbürger ohne Sicherheiten gerade mal einen Monat in Österreich weilte, fiel so nicht auf. Auch dass er bereits dreieinhalb Jahre hinter Gittern saß, hätte die Kreditprüfer wohl interessiert. Schlampige Prüfung “Wir haben die Ungarnprojekte des Herrn nach dem ‘drei M-System’ geprüft”, gibt der damalige Sachbearbeiter der Bank fachkundig zu Protokoll. Das heißt: Management, Marketing und Money. Der Betrüger trat selbstbewusst auf, so wurden ihm insgesamt fünf Millionen Schilling ausgehändigt, obwohl nur eine einzige Rate zurückbezahlt wurde.

Erst nach vier Jahren übergab man den verschleppten Fall der Rechtsabteilung. Instinktiv suchte die Bank nach Sicherheiten. Natürlich hatte der Betrüger auch für diesen Fall vorgesorgt. Der eloquente Geschäftsmann, der vorgab, in Ungarn Parkhäuser bauen zu wollen, ließ die Wolfurter Freundin mitunterschreiben. Auch ihr Vater ließ sich zu einer Bürgschaft für die fünf Millionen Schilling überreden. Was sie sich da einhandelten, war den einfach strukturierten Leuten nicht im Geringsten klar.

Alle Ersparnisse
Um dem heute 51-jährigen Schwiegersohn in spe den Start zu erleichtern, trennte sich der Pensionist von Lebensversicherung und Bausparvertrag und nahm sogar selbst einen Kredit über 350.000 Schilling auf. “Dem Kind zuliebe”, wie er sich vor Gericht nach sieben Stunden Wartezeit deprimiert zurückerinnert.

20 Monate Haft
Die Freundin und deren Vater kamen mit einem blauen Auge davon. Die 42.000 Euro Privatdarlehen sind futsch. Doch für die Bankschulden müssen sie nicht gerade stehen. “Sie waren getäuscht und von der Bank zu wenig aufgeklärt worden”, so das OLG Innsbruck im Zivilverfahren. Somit blieb das Geldinstitut auf dem Außenstand von 290.000 Euro sitzen. Der Betrüger bekam 20 Monate Haft – unbedingt. Das Urteil von Richterin Ursula Koller ist noch nicht rechtskräftig. Ein weiteres Betrugs-Verfahren wartet bereits auf den Verurteilten.

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