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Anschnall-Moral der Österreicher mangelhaft

Anschnallen erhöht die Sicherheit signifikant
Anschnallen erhöht die Sicherheit signifikant ©APA
Das Ergebnis einer österreichweiten Erhebung der Gurtanlegequote, die der ÖAMTC im März und April dieses Jahres durchgeführt hat, stellte Autofahrern ein schlechtes Zeugnis aus: Von rund 64.400 erwachsenen Pkw-Insassen waren 10,9 Prozent nicht angeschnallt.

“Ein alarmierend hoher Wert”, so ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nose am Montag, denn Gurte können lebensrettend sein. “Man muss bedenken, dass die gesamte Sicherheitsausstattung in einem Fahrzeug nur im Zusammenspiel mit dem Gurt ihre volle Wirkung entfalten kann”, erklärte Nose. Die Erhebung fand überwiegend in den Landeshauptstädten statt.

Laut Statistik Austria trugen 338 der zwischen 2012 und 2016 bei Verkehrsunfällen getöteten Pkw-Insassen keinen Sicherheitsgurt. Das entsprach rund einem Drittel aller in Pkw getöteten Personen. “Neun Prozent aller im Pkw gesicherten Personen trugen im Zuge eines Unfalles schwere bis tödliche Verletzungen davon. Bei ungesicherten Personen waren es 30 Prozent”, wies Nose auf das signifikant höhere Verletzungsrisiko ohne Gurt hin.

Vor allem männliche Fahrzeuginsassen sind Gurtenmuffel. So trugen von den rund 38.000 im Rahmen der Erhebung beobachteten Männern 12,3 Prozent keinen Gurt, bei den Frauen waren es 8,6 Prozent. Dieses Verhältnis decke sich auch mit den Daten aus der Unfallstatistik”, betonte der ÖAMTC-Verkehrstechniker. Im Bundesländer-Vergleich zeigten die Erhebungsdaten, dass vor allem in Vorarlberg (2,1 Prozent) und Salzburg (5,4 Prozent) vergleichsweise selten auf den Sicherheitsgurt verzichtet wird. Im Gegensatz dazu sind im Burgenland (23,5 Prozent) sowie in Wien (16,1 Prozent) sehr viele Gurtenmuffel unterwegs.

Auf Rücksitzen verzichtet jeder Dritte auf das Anschnallen

Besonders auf den Rücksitzen der Fahrzeuge sei die Anschnallmoral nach wie vor sehr gering. Schnallen sich auf den Vordersitzen 9,3 Prozent der Pkw-Insassen nicht an, so waren es auf den Rücksitzen sogar 34,8 Prozent der rund 4.000 beobachteten Personen, die auf einen Gurt verzichteten. “Dabei ist der Sicherheitsgurt gerade auf den Rücksitzen nicht nur zum Selbstschutz notwendig”, erklärte der ÖAMTC-Experte. “Bei einem Unfall mit 50 km/h prallt eine 55 kg schwere Frau mit einer Wucht von rund 2,5 Tonnen gegen den Vordersitz. Jedem, der vorne sitzt, muss klar sein, dass das eine tödliche Gefahr darstellt.”

Ergebnisse aus der Unfallforschung beweisen, dass angeschnallte Personen etwa Unfälle mit Überschlägen besser überstehen. “Wer aus dem Fahrzeug geschleudert wird, hat kaum Chancen, ohne schwere oder tödliche Verletzungen davonzukommen”, erklärte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Außerdem ende ein Unfall oft nicht in einer Wiese, sondern an Bäumen und anderen harten Hindernissen. Nur der Gurt könne, im Zusammenspiel mit dem Airbag, mit einer solch starken Verzögerung des Fahrzeuges fertig werden und den Körper zurückhalten.

57 nicht angeschnallte Todesopfer

Allein im vergangenen Jahr starben nach Zahlen der Statistik Austria 57 Menschen, die im Pkw nicht angeschnallt waren, bei Unfällen. Seidenberger ist überzeugt, dass die meisten Verkehrsteilnehmer um die Wichtigkeit des Sicherheitsgurtes wissen. “Leider handeln wir aber nicht immer rational, was sich auch in der Gurtmoral widerspiegelt. Unreflektierte Gewohnheit, Stress, Unachtsamkeit oder falsche Vorbilder – es gibt genügend Ausreden, die die Menschen immer wieder auf den Gurt ‘vergessen’ lassen.”

Viele Autofahrer argumentieren auch, dass sie ohnehin nur auf ihnen gut bekannten Strecken ohne Gurt unterwegs seien. “Doch knapp zwei Drittel aller Unfälle passieren laut Statistik Austria im Ortsgebiet. Sich dort nicht anzuschnallen, ist purer Leichtsinn”, hielt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin fest. “Und gerade auf bekannten Strecken neigt man eher dazu, unvorsichtiger zu fahren, weil man meint, jeden Zentimeter zu kennen. Die Bewusstseinsbildung in punkto Sicherheitsgurt ist noch lange nicht abgeschlossen.”

(APA)

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