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Andere Töne

Der Kapitalismus beschert die globale Heimatlosigkeit, der Konsumismus ersetzt Denken durch Essen, die Bildungsferne rückt in Riesenschritten näher, der Verlust des Gewissens begleitet die lecken Schiffe der westlichen Hochkultur. Wir sehen, gewollt ohnmächtig, im TV unserem Ertrinken zu. Wir wären nicht ohnmächtig.

Statt die Diktatur der Konzerne hier und ihren brutalen Kolonialismus dort endlich konzertierend zu brechen, statt soziale Untiefen zu beseitigen, statt Schulen zu errichten und eine Lehrermobilmachung auszurufen, statt Millionen für das Lernen aller, nicht nur der Kinder und Jugendlichen, einzusetzen, statt das Budget komplett umzukrempeln in Richtung konsequenter Massenalphabetisierung der Grundregeln menschlichen Zusammenlebens, statt ein Bildungsheer aufzustellen, um der drohenden Unbildung auch mit Erwachsenenunterrichtung entgegenzuarbeiten, begnügen sich unsere Selbstlob-Plotikeri z.B. in der Basisfrage der Integration mit einem Trüppchen Ehrenamtlicher und erkennen die kommende soziale Katastrophe nicht. Dieses Versagen ist nachhaltig. Die Mehrzahl der VolkvertreterInnen alten opportunistischen Verschlags gehören parteiintern ersetzt, bevor sie von einem radikalen Pöbel unkontrolliert hinweggeschwemmt werden.

Die Ratlosigkeit zeigt sich in Merkels und Seehofers inhaltsleer gewordenen Sommerstehsatzwiederholungen. Was ist denn “das”, was „wir schaffen“? Wer ist “wir”? Der katholische Papst fordert die (gute) Jugend auf, es “den (bösen) Erwachsenen” zu zeigen, statt umgekehrt. Der evangelisch lutherische Pastor-Präsident (D) betont beschwörend, dass “sie uns nicht zwingen werden zu hassen, wie sie hassen“. Sie, uns. Wir hassen demnach auch, aber nicht wie sie. Schwarzweiße Verkündigung in Bös und Gut. Sind das auch wir, die das schaffen?
„Es gibt zwei Sorten Ratten: die hungrigen und satten. Die satten bleiben vergnügt zu Haus. Die hungrigen aber wandern aus. Sie wandern viel tausend Meilen, ganz ohne Rasten und Weilen, gradaus in ihrem grimmigen Lauf, nicht Wind noch Wetter hält sie auf. Sie klimmen wohl über die Höhen, sie schwimmen wohl durch die Seen; gar manche ersäuft oder bricht das Genick, die lebenden lassen die toten zurück.“ (Heinrich Heine)

Die Vermischung von Religion und Politik nimmt auch im Westen zu. Das wird großzügig übersehen. Wir täten gut daran, auch das kritisch wahrzunehmen, statt nur auf Andere zu zeigefingern. Wir haben zugelassen, dass statt Staatskünstlern (Politiker) jetzt Plotikeri das Feld der Verantwortung besetzen. Die aber erweisen sich als kaum fähig, die verbindenden Instrumente der Demokratie zu nützen, dem Postkapitalismus Einhalt zu gebieten und überlassen die ängstliche Volksmenge dem Treiben professioneller Populisten.

Wir werden bestenfalls von „gutmeinenden“ Vertretern im nationalen Anzug regiert. Noch. Auch im Vorarlberger Anzug, im Bayrischen, im Schweizer. Die eben aufgetauchte Schwalbe Kern macht noch keinen Sommer. Aber immerhin eine. Das Versagen unserer Generation besteht nach wie vor im Totstellen (Karpfen), im verantwortungslosen Zusehen, im fatalistischen Warten, im Glauben, mit gefülltem Sparbüchlein dem Untergang zu entgehen. Wir sind die Sekte, die sich nur mehr selbst vermittelt.

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