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Als die Glocken in den Krieg zogen - Neue Schau im vorarlberg museum

"Die Glocken herunter in eiserner Zeit" im vorarlberg museum
"Die Glocken herunter in eiserner Zeit" im vorarlberg museum ©VOL.AT
Im Gedenkjahr 2018 widmet sich das vorarlberg museum mit einem multimedialen Ausstellungsprojekt im Atrium des Hauses den Glockenabnahmen im Ersten Weltkrieg.

Zahlreiche Kirchenglocken wurden damals wegen des herrschenden Rohstoffmangels abgenommen und in der Waffenindustrie eingeschmolzen. Dabei können die Besucher die bis 17. März 2019 dauernde Ausstellung auch virtuell erleben.

Bregenz. Kirchenglocken prägten und strukturierten im Kaiserreich den Alltag der Menschen, markierten traditionelle Festtage, waren Kommunikationssystem und stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl. Im Ersten Weltkrieg allerdings, als Metall in der Kriegsindustrie knapp wurde, wurde auch ihr Materialwert interessant. Weil Metallsammlungen den Bedarf nicht decken konnten, wurden in den letzten Kriegsjahren die Kirchenglocken eingezogen. 1916 erging ein Erlass, zwei Drittel des Bestandes abzuliefern. Viele Gemeinden baten in Ersuchen um den Erhalt der Glocken.

Glocken zu Waffen verarbeitet

1917 mussten jedoch alle Kirchenglocken abgegeben werden, lediglich die kleinste durfte im Turm bleiben. In einigen Gemeinden leistete die Bevölkerung Widerstand und blockierte den Zugang zu den Türmen. Rund 90 Prozent der Kirchenglocken wurden zwischen 1916 und 1918 eingeschmolzen und zu Waffen verarbeitet. Direkt nach dem Krieg wurden die Türme wieder bestückt. Die neuen Kirchenglocken schufen in den Dörfern dabei erneut einen kollektiven Moment, diesmal der Freude, so der Volkskundler Thomas Felfer, der derzeit zu dem Thema an der britischen Universität Sussex dissertiert. Der Glocken-Neuguss könne auch als Element der Suche nach einer neuen Identität gesehen werden, was man etwa anhand der die Gefallenen ehrenden “Kriegerglocken” sehen könne.

In seinem Forschungsprojekt, zu dem auch die Ausstellung zählt, untersucht er anhand der Kirchenglocken in Vorarlberg, welche Erinnerungen, Emotionen und Klangerfahrungen mit den Kirchenglocken bzw. deren Verstummen verbunden sind. In einem fünfminütigen Ausflug in den Glockenturm per Virtual-Reality-Brille soll der Besucher das auch sinnlich erfahren können. Dabei erzählt eine Glocke von ihrem Schicksal. So fand sich auf einer der abgelieferten Glocken 1916 der mit Kreide geschriebene Vers: “Draußen hear i schiaßen / ‘s Läuten tuat mi verdriaßen /Meine Buaben von der G’moan / lass i nit alloan. / I geh jetzt davon und werd’ a Kanon!”

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