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Interview mit Gitarrist Slash nach Ozzy Osbourne-Konzert in Wien

Ein gutgelaunter Slash aka Saul Hudson beim Interview in Wien Ein gutgelaunter Slash aka Saul Hudson beim Interview in Wien - © APA/HERBERT PFARRHOFER
Unter seinem bürgerlichen Namen Saul Hudson kennt ihn kaum jemand – doch wer “Slash” hört, weiß zumeist gleich, von wem die Rede ist. Der Ex-Guns-N’-Roses-Gitarrist gastierte am Dienstag mit Ozzy Osbourne in Wien – und gab zu diesem Anlass auch ein Interview, in dem er den Rock’n’Roll-Lebensstil erklärte.

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Fällt der Name Slash, denkt man zwangsläufig seine typischen Insignien Hut und Sonnenbrille – und natürlich an laute Gitarren und wilde Live-Shows. Der Musiker, der auf den bürgerlichen Namen Saul Hudson hört, steht wie kaum ein anderer für das Lebensgefühl des Rock, was er vor allem mit seiner Ex-Band Guns N’ Roses kultiviert hat – inklusiver aller klischeehafter Eskapaden.

Haudegen Slash ist ruhiger geworden

Heute ist der 46-jährige gebürtige Brite ruhiger und ausgeglichener, kann musikalisch aber immer noch überzeugen, wie er mit seinem zweiten Solowerk “Apocalyptic Love” untermauert oder am Dienstagabend als Gastgitarrist für Ozzy Osbourne bewies. Dass Sex, Drugs und Rock’n’Roll nicht alles ist, erklärte er der APA bei einem Interview in Wien.

APA: Das neue Album haben Sie mit Myles Kennedy als Sänger eingespielt, nachdem Sie für “Slash” (2010) mit verschiedensten Künstlern zusammengearbeitet haben. Wie kam es dazu?

Slash: Das Projekt mit den verschiedenen Sängern war eine einmalige Sache. Ich hatte die Idee, weil ich selbst für so viele andere Künstler gespielt habe. Nun sollte es umgekehrt sein. Dabei habe ich Myles kennegelernt, ging mit ihm auf Tour und habe mir gedacht, ich sollte eine Platte mit ihm aufnehmen. Auch das nächste Album möchte ich in jedem Fall mit Myles machen. Die Chemie hat einfach vom ersten Tag an gestimmt.

Das ist Rock ‘n’ Roll

APA: Spüren Sie bei Soloalben weniger Druck?

Slash: Um Druck geht es eigentlich nicht. Ich mag es, mich einfach hinzusetzen, etwas zu machen und mich nicht mit dieser Fünf-Leute-Demokratie, die man bei einer Band hat, herumschlagen zu müssen. Natürlich gibt es den Druck von mir selbst, etwas Gutes abzuliefern. Aber ob ich bei einem Projekt alleine bin oder andere dabei sind, spielt eigentlich keine Rolle.

APA: Im Unterschied zu vielen aktuellen Rockbands versprühen Ihre Songs nach wie vor ein sehr organisches Flair…

Slash: Die IT-Revolution und der technologische Fortschritt sind verdammt großartig. Aber eine Rock’n’Roll-Band braucht den Großteil davon nicht, um aufnehmen zu können. Ich habe viele Leute beobachtet, die ein simples Konzept in ein wissenschaftliches Projekt verwandelt haben. Und die Band war nicht einmal involviert. (lacht) Bei Rock’n’Roll geht es um Energie, um das Zusammenspiel einer Band. Viele vergessen, dass man das hört, obwohl man es nicht sieht. Und so ersetzen sie die Energie durch den Komfort, auf zwei verschiedenen Kontinenten gleichzeitig aufnehmen zu können. Das ergibt zwar Musik, aber ohne Seele.

Kein Blick zurück, nur nach vorn

APA: Sie gelten für viele als Inbegriff des Rock, gleichzeitig wirken Sie so ausgeglichen wie nie zuvor. Was hat sich verändert?

Slash: Viel ist passiert in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Wenn ich heute ruhiger bin, dann ist das das Ergebnis dieser Höhen und Tiefen. Aber ich blicke eigentlich nicht zurück. Eine Zäsur gab es 2006, als ich einfach genug hatte vom ganzen Alkohol- und Drogen-Exzess. Also fokussierte ich mich ganz auf meine Musik und das Leben generell. Die vergangenen sechs Jahre waren sehr produktiv. Davon abgesehen bin ich aber immer noch derselbe.

APA: Ist der Rock’n’Roll-Lifestyle heute noch wichtig?

Slash: Dieser ganze Lebensstil und das damit verbundene Image wird nur im Kopf der Leute erzeugt. Mir passiert das ja auch, dass ich mir jemanden ansehe, der etwas anderes macht als ich, und mir etwas vorstelle. Dabei kann es sich um Schauspieler, aber auch einen Installateur handeln. Man fantasiert darüber, macht sich sein eigenes Bild. Das passiert auch bei Rock’n’Roll, die Leute lassen ihren Vorstellungen freien Lauf. Ich habe nie versucht, irgendein Image aufrechtzuerhalten. Ich weiß, dass ich für bestimmte Rock-Stereotype bekannt bin. Aber ich hatte und habe eine großartige Zeit. Das ist mein persönliches Leben, das nicht für ein irgendein Bild herhalten sollte.

Der Gittarist über Ehrungen

APA: Sie haben in Ihrer Karriere verschiedenste Auszeichnungen erhalten, wurden in einem Videospiel verewigt, mit Guns N’ Roses in die “Rock’n’Roll Hall of Fame” aufgenommen und bekommen im Juli einen Stern am “Hollywood Walk of Fame”. Welche Ehrung hat Sie am meisten überrascht, welche ist Ihnen die wichtigste?

Slash: Auszeichnung sind nicht der Grund, warum man Musik macht. Sie sind cool, obwohl ich auch ohne gut leben könnte. Aber die “Rock’n’Roll Hall of Fame” für Guns N’ Roses als Band war eine ziemlich große Sache. Ich weiß nicht, ob wir es auch verdient haben. (lacht) Der Stern am “Walk of Fame” dagegen ist sehr surreal. Seit ich in die Staaten gekommen bin, habe ich immer in Hollywood gelebt. Als ich jung war, habe ich viele verrückte Sachen dort gesehen, habe mit Steven Adler (ehemaliger Drummer bei Guns N’ Roses, Anm.) die Schule geschwänzt und wir sind am Hollywood Boulevard entlang spaziert. Wir haben Joints geschnorrt, uns die Prostituierten angesehen und sind in Shops gegangen, um Led Zeppelin-Poster zu bewundern. Aus diesen Gründen ist es etwas besonders für mich, auf diesem Boulevard mit einem Stern geehrt zu werden. Das Wichtigste für mich ist aber, auf die Bühne gehen und spielen zu können.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(apa/red)

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