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Herbert Grönemeyer: "Feuchtfröhlicher Abend" in Wien

Herbert Grönemeyer wusste sein Publikum trotz Dauerregen zu begeistern. Herbert Grönemeyer wusste sein Publikum trotz Dauerregen zu begeistern. - © APA
Bei drei Stunden Dauerregen tänzelte Herbert Grönemeyer mit zeitlosen Hits durch einen von ihm als “herrlichen, feuchtfröhlichen” gefeierten Abend und nahm seine begeisterten Zuschauer mit auf hohe See.

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“Ihr kommt immer noch, wir können’s kaum fassen”: Herbert Grönemeyer und sein österreichisches Publikum verbindet auch 20 Jahre nach seinem ersten Wien-Konzert eine “wahre Freundschaft”, da ist sich der deutsche Publikumsliebling zu Beginn seines Konzerts im Ernst-Happel-Stadion sicher. Und wahre Freunde lassen sich auch von drei Stunden Dauerregen nicht beirren. Mit verspieltem Hüftkreisen, selbstironischem Grinsen und zeitlosen Hits tänzelte Grönemeyerdurch den von ihm als “herrlichen, feuchtfröhlichen” gefeierten Abend und nahm seine begeisterten Zuschauer mit auf hohe See.

Irgendwie passte der von Anfang bis Ende anhaltende Regen ja zu dem maritimen Motto, das “Hrbrt” – so der überdimensionale Schriftzug hinter der Bühne – seinem 13. Studioalbum und seiner Tour verpasst hat. Das titelgebende Werk “Schiffsverkehr” bot den Auftakt zu einer stimmigen Show, deren Herzstück die vom niederländischen Starfotografen sowie Musikvideo- und Filmregisseur Anton Corbijn gestaltete Bühne war. Und die offenbarte ihre wahre Schönheit erst im Dunkeln: An hohen Masten mit roten Positionslichtern an der Spitze hingen bewegliche Videoleinwände wie Segel, zeigten erst Grönemeyer mit Fischerhut und Fernglas und projizierten später das Live-Geschehen in Farb- und Effektspielereien.

Grönemeyer spielte Rockstar

Corbijn hatte zuvor bereits die Tour für die Mannen von U2 gestaltet. Auch Grönemeyer spielte an diesem Abend Rockstar, flitzte über den blitzförmigen, mit roten Lichtern umrandeten und hohen Laternen dekorierten Laufsteg. Inmitten von dichten Nebelschwaden und Scheinwerferlicht verlor man den 55-Jährigen schon mal aus den Augen, zu groß schien die Bühne für den kleinen Mann. Doch Grönemeyer wusste das mit Selbstironie wettzumachen, kokettierte als alternder Seemann in gestreiftem T-Shirt und schwarzem Sakko mehrmals mit seinem Äußeren. “Die Streifen machen mich breit, aber das Schwarz darüber streckt”, ließ er das Publikum wissen.

Schon nach wenigen Liedern musste die Eitelkeit in Form einer Baseballkappe und eines Regenmantels dem Schutz vor dem Wasser weichen. Der Regen machte es “Herbie” anfangs schwer, sein Publikum mitzureißen – ebenso wie die Songs vom neuen Album, die er fast vollzählig zum Besten gab und die sich augenscheinlich noch einspielen müssen. Allein das Ohrwurm-taugliche “So wie ich”, in dem Grönemeyer wiederholt mit “Keiner liebt mich so wie ich” zu einer gesunden Selbstverliebtheit aufrief, offenbarte großes Potenzial, auf künftigen Tourneen zum Mitsing-Hit zu avancieren. An diesem Abend jedoch mussten vorerst Klassiker wie “Männer”, “Was soll das”, “Alkohol” oder “Mensch” herhalten, um die durchnässte Masse zum Mittanzen und -singen zu bewegen.

Grönemeyer ließ die Hüften kreisen

Während das Publikum langsam warm wurde, zeigte sich Grönemeyer bereits in Topform, lehnte mal lässig an der Deko-Laterne, beschwor mit geballter Faust den wolkenreichen Himmel oder ließ die Hüften zu Tanz-Hymnen wie seinem offiziellen Song zur Fußball-WM 2006, “Zeit, dass sich was dreht”, kreisen. Dabei erinnerte er schnell mal an den von jeder Peinlichkeit unberührten Kerl in der Disco, der dank seines eigenwilligen Tanzstils sowohl bewundert als auch belächelt wird. Doch ein Grönemeyer kann alles. Vor allem am Klavier sitzen: Das tauchte mehrmals vorne am Steg aus dem Nichts auf und bot eine Bühne für Nachdenkliches und Berührendes – von “Stück vom Himmel” bis zu “Demo (Letzter Tag)” und Grönemeyers wohl persönlichstem Song, “Der Weg”.

Wer nicht gleich nach der ersten Zugabe nachhause ging, wurde mit einem acht Lieder umfassenden zweiten Zugabeblock samt Evergreens wie “Vollmond” und “Flugzeuge im Bauch” belohnt. Dem raunzenden “Ich hab dich lieb”, das nur in Österreich auf Grönemeyers Setlist landet, folgte das “Lied zum Abend”, “Lass es uns nicht regnen”. Unermüdlich sang der Charismatiker bis zur letzten Minute gegen den Regen an, kündigte ein “Abschlusslied” nach dem anderen an, ehe er die durchnässte Menge mit “Mambo” in die Nacht entließ. Gegen Ende bekam Grönemeyer Konkurrenz: ein kleines Feuerwerk nahe des Stadions. Der Musiker schoss mit einer Lasershow zurück. “Ich sprühe auch ein wenig, ab und an”, sagte er. Vor allem vor Energie - und die wird ihn auch mit 60 zurück auf die Wiener Bühne führen.

(APA)

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