Der risikofreudige „Alte Lalli“

Von Joachim Mangard (Wann & Wo)
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August "Gustl" Grabher blickt auf eine Karriere als Musiker, Diskothekenbetreiber und Unternehmer zurück.
August "Gustl" Grabher blickt auf eine Karriere als Musiker, Diskothekenbetreiber und Unternehmer zurück. - © MiK
Nightlife-Urgestein Gustl Grabher eröffnete 1990 das Limo in St. Gallenkirch. Im Sonntags-Talk blickt der smarte Unternehmer zurück.

WANN & WO: Wir sitzen hier an deiner alten Wirkungsstätte. Blickst du mit Wehmut zurück?

Gustl Grabher: Die Idee entstand eigentlich spontan. Ich habe mich damals für den Kauf eines alten Hauses samt Grundstück neben der Valiserabahn entschieden. Die Einrichtung wurde eins zu eins aus traditionellen Bauten entnommen, der Boden ist 300 Jahre alt, die Stuben stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Am 20. Dezember 1990 hat das Limo dann seine Türen geöffnet – das Konzept hat eingeschlagen wie eine Bombe. An den besten Tagen hatten wir durchschnittlich 1000 Leute in der Diskothek – Sommer wie Winter. Für damalige Verhältnisse unglaublich – die Leute kamen von überall her. Irgendwann haben wir dann entschieden, dass wir unter 300 Gästen gar nicht mehr aufsperren (schmunzelt). Mit dem neuen Pächter verfolgen wir nun wieder ein ähnliches Konzept, mit dem Fokus auf ein umfassendes Unterhaltungs-Gesamtpaket.

WANN & WO: Drei Jahre wart ihr ja auch als „Kleinstes Dorf der Welt“ im Guinness Buch der Weltrekorde?

Gustl Grabher: Ursprünglich hieß die Location ja „Liebes Montafon“. Die Zulieferer benutzten auf ihren Paketen die Abkürzung „Limo“, die sich dann irgendwann eingebürgert hat. Zuerst haben wir den Gedanken verfolgt, ein klassisches Alpendorf innerhalb eines Gebäudes zu verwirklichen. Eine holländische Besucherin sprach mich dann darauf an, dass sie die Idee dieses „Kleinsten Dorf der Welt“ verzaubert hat. Ich habe dann die Macher des Guinness Buchs kontaktiert und wurde angenommen. Inzwischen haben wir auch Nachahmer auf der ganzen Welt, ich denke z.B. ans Trofana in Tirol.

WANN & WO: Mit welchen Schwierigkeiten hattest du anfangs zu kämpfen?

Gustl Grabher: Ich glaube, es gibt wenige Leute, die ein derartiges „All In“-Risko gehen würden, wie ich es damals gemacht habe. Ich hatte damals als Musiker eine kleine Agentur und habe alles auf eine Karte gesetzt. Mein Haus in Vandans habe ich um damals drei Millionen Schilling verkauft und alles ins Limo investiert. Ich habe quasi mein gesamtes Hab und Gut in ein Projekt gesteckt, wovon mir damals jeder abgeraten hat. Vor allem die Dimension hat die Leute abgeschreckt. Wenn es schief gegangen wäre, hätte ich alles verloren. Ich glaube an zwei Arten von Menschen: Fremd- und Selbstgesteuerte. Ich nehme mein Schicksal lieber selber in die Hand. Ich würde mich aber auch als chronisch risikofreudig bezeichnen.

WANN & WO: Wie hast du deine Jugend in Erinnerung, gerade auch im Bezug auf das Nachtleben?

Gustl Grabher: Man hat mich als Siebenjährigen schon versaut, als ich auf den Schrunser Heimat­abenden jodelnd aufgetreten bin (schmunzelt). Mit der Trachtengruppe habe ich dann auch viel vom Ausland gesehen, meine ersten Gagen waren Kakao und eine „Schwarzwälder“. So entstand aber auch meine Liebe zur Musik. Meine Mutter fand, wenn sie die Wäsche gemacht hat, immer Geld in meiner Kleidung. Neben meiner Kellnerlehre im Schrunser Kurhotel habe ich mir mit Auftritten in diversen Lokalen meine weiteren musikalischen Sporen verdient. Darunter litt vielleicht meine schulische Laufbahn, das konnte ich aber nachholen.

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WANN & WO: Was war dein damaliges Erfolgsrezept?

Gustl Grabher: Ein Erfolgsgeheimnis des Limo war sicherlich die Musik, wir lagen immer am Puls der Zeit. Angefangen hatte ich als Musiker bei der George Paez Band. Irgendwann wollte ich aber mein eigener Chef sein. 1980 hatte ich meinen Hit „Dr Alt Lalli“ geschrieben und meine Agentur gegründet. In der Künstlervermittlung hatte ich damals schon Künstler wie Roy Black oder Roberto Blanco nach Mallorca vermittelt, ich war also bestens vernetzt.

WANN & WO: Als Diskothekenbetreiber genießt man oft eine zweifelhaften Ruf. Wie bist du damit umgegangen?

Gustl Grabher: Natürlich hatten wir mit vielen Anschuldigungen zu kämpfen – Drogen, Alkohol, Schlägereien. Ich kann mich noch an eine wegen dem Limo einberufene Sitzung in Schruns erinnern. Ich habe mich „undercover“ eingeschlichen, um mir das Ganze anzuhören. Als ein aufgebrachter Bürger dann schrie: „Den Grabher sollte man einsperren“ habe ich mich dann zu erkennen gegeben und ging erhobenen Hauptes von dannen. Wir waren ständig mit irgendwelchen Vorwürfen konfrontiert, meistens Anfeindungen, die fast immer unbegründet blieben. Ein Diskothekenbetreiber steht im Ansehen gleich nach einem Bordellbetreiber. In Vorarlberg ist man oft gegen alles, das kostet viel Kraft.

WANN & WO: Was würdest du als deine beste, was als deine schlechteste Eigenschaft bezeichnen?

Gustl Grabher: Ganz einfach: Ich bin einerseits unternehmungslustig und andererseits manchmal zu unternehmungslustig (schmunzelt). Eine negative und gleichzeitig positive Eigenschaft ist meine Direktheit. Deshalb wäre ich sicher kein guter Politiker geworden.

WANN & WO: Limo, Oldie-Abend: Gustl Grabher singt Frank Sinatra – welche Rolle spielt Musik in deinem Leben, damals und heute?

Gustl Grabher: Musik zu machen fiel mir immer leicht. Heute ist sie nur noch mein Hobby und dient meiner Entspannung. Wenn ich musiziere, verwandle ich mich in eine komplett andere Person und tauche in eine andere Welt ein. Inzwischen nur noch für mich privat. Wer weiß, vielleicht gibt es ja dann ein Comeback im Limo. Robert de Niro taucht ja auch öfters überraschend in seinen Lokalen auf – die Rückkehr des „Alten Lalli“ (schmunzelt).

WANN & WO: Wie unterscheidet sich die heutige Nightlife-Szene von damals?

Gustl Grabher: Ich bin vielleicht nicht mehr ganz „up to date“, besonders auffallend war aber die Veränderung in puncto Lautstärke. Damals konnten die Gäste noch miteinander reden, heute wird mehr geschrien. Außerdem hat das Smartphone die Ausgehkultur von Grund auf verändert. Früher hatte man sich im Limo verabredet und die Leute kamen aus dem ganzen Land angereist. Heute genügt eine kurze Whatsapp-Absage – die Informationswege sind wesentlich kürzer.

WANN & WO: Welche Rolle haben Frauen und die Familie in deinem Leben gespielt?

Gustl Grabher: Frauen? Ich bin inzwischen seit 46 Jahren glücklich mit meiner Frau verheiratet. Sie war praktisch von Anfang an bei mir dabei. Kennengelernt habe ich sie bei einem Auftritt in einem Genfer Jazz-Club. Sie war damals als chinesische Dolmetscherin für die UNO tätig. Es hat gefunkt und wenig später ist sie mir ins Montafon gefolgt. Es folgten drei Söhne, die mir mittlerweile auch jeweils einen Enkel geschenkt haben. Ich kann mich getrost als Familienmensch bezeichnen. Natürlich war es eine schwierige Zeit, vor allem mit drei Jungs, deren Vater das Limo betrieben hat (schmunzelt). Sie haben aber alle ihren anständigen Weg gemacht.

WANN & WO: Was war die größte Niederlage in deinem Leben?

Gustl Grabher: Mit dem heutigen Wissen hätte ich sicher vieles anders gemacht, gerade in Bezug auf diverse Anschuldigungen gegen mich und meine Person. Als Rebell war man gegenüber manch einer Institution oft unterlegen. Ansonsten würde ich nicht viel ändern. Das Risiko würde ich wieder eingehen, ich habe immer auf meine Intuition gehört. Ich hätte vielleicht mir und meiner Frau mehr Freizeit gönnen können. Das wird jetzt aber nachgeholt, ich verdanke ihr sehr viel.

WANN & WO: Stimmt es, dass du Busfahrer bestochen hast, damit sie früher abfahren und die Gäste zu dir ins Limo strömen?

Gustl Grabher: Sicherlich nicht. Eher umgekehrt, manche Busfahrer bekommen bei uns etwas zu essen und trinken, damit sie mit ihren Gästen ins Lokal kommen. Das ist aber überall Usus. Ich halte es eher wie Donald Trump gegenüber meinem neuen Pächter: „Make Limo Great Again!“

WANN & WO: Wann geht Gustl Grabher in den Ruhestand?

Gustl Grabher: Das ist für mich ein Fremdwort. Ich fühle mich top-fit. Stillstand ist Tod, ich habe bei vielen Menschen gesehen, dass sie Untätigkeit in Lethargie stürzt. Ich fühle mich einfach nach wie vor sehr unternehmungslustig. Das gebe ich auch meinen Enkeln weiter. Wenn sie mich fragen, was sie werden sollen, gibt es von mir nur eine Antwort: „Chef.“

Zur Person

Name, Alter: August „Gustl“ Grabher, 67
Familienstand: verheiratet, drei Söhne, drei Enkel
Wohnort: St. Gallenkirch
Beruf: Unternehmer, gründete 1990 die Diskothek „Limo“
Hobbys: Tennis, Reisen, Familie

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