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VULB mit Vision für Bregenz: Unterirdische Straßen und Zentrumsbahnhof

Andreas Stickel und Christopher Schneeweiß haben eine Vision für Bregenz.
Andreas Stickel und Christopher Schneeweiß haben eine Vision für Bregenz. ©Vision urbanes Leben Bregenz, VOL.AT/Mayer
Andreas Stickel und Christopher Schneeweiß haben eine große Vision für Bregenz. Der Verkehr soll unterirdisch fließen und die generierte Fläche den Menschen zugutekommen.
Ritschs Vision zur Seestadt
Langfristige Stadtentwicklung
Unterirdische Bahntrasse?

VULB - "Vision urbanes Leben Bregenz", das ist eine Gruppe rund um Andreas Stickel und Christopher Schneeweiß. "Weil so viel Entwicklung in der nächsten Zeit in Bregenz passieren sollte, haben wir uns einfach nochmal Gedanken gemacht, wie sich Bregenz aus unserer Sicht in den nächsten Jahrzehnten verändern soll", erklärt Stickel die Entstehung der Vision im VOL.AT-Gespräch. "Wenn man die Straße, die jetzt die Seestadt vom Seequartier zur Seestadt und zum Hafenplatz durchschneidet, unterirdisch verlegt, dann generiert man die Flächen oberirdisch." Die Fläche könne man dann für wirtschaftliche Zwecke nutzen. Auch Fußgänger und Fahrradfahrer würden wieder Platz finden. Den "brachliegenden" Bereich in der Stadt und am Hafen könne man bespielen, ähnlich etwa dem Naschmarkt in Wien mit Lokalitäten und Bars. Die Themen, auf denen das Konzept aufbaut, beschäftigen Bregenz schon lange. Eine Untertunnelung in dieser Form sei allerdings einzigartig, so Stickel. "Es hat diese Konstellation noch nie gegeben. Dass es nämlich eine Seestadt gibt, dass man beabsichtigt einen Bahnhof abzureißen und dass es ein Seequartier gibt."

Bahnhof im Zentrum

Für das Konzept ist eines entscheidend: Der Bahnhof soll ins Zentrum. Dorthin wo er früher schon einmal war. VULB versucht hier, in Absprache mit "Mehr am See" gemeinsame Wege zu finden. "Wir möchten ihre Vision nicht zerstören", so Stickel. "Ihr Konzept funktioniert mit unserem und das ist wichtig. Wenn man über so große Dinge spricht, muss man einen Konsens finden und sich miteinander vernetzen." Wenn der neue Bahnhof wieder am gleichen Standort gebaut werde, dann bleibe auch die Straße so, wie sie jetzt sei. "Dann werden wir wohl einen Bahnhof und einen Busbahnhof kriegen. Wir werden auch Menschen in die Stadt kriegen. Das ist auch nicht das Thema – das schaffen sie auch mit ihren Gebäuden. Aber wir werden nicht diese zusammenhängende Fläche schaffen."

Finanzierung

Auch über die Finanzierung hat sich die Gruppe bereits Gedanken gemacht. "Unser wichtiges Anliegen ist das, dass es nicht eine Sache ist, die die öffentliche Hand bezahlt, sondern bei der die Bauträger aufgrund ihrer Rendite bezahlen", schildern die beiden Bregenzer ihre Vision. "Sie können Fläche generieren, sie können bauen." In Bregenz gebe es mit Rhomberg Bau und i+R hervorragende Baufirmen, Prisma in Dornbirn könne die Projekte entwickeln und Vorarlberg sei auch mit ausgezeichneten Architekten gesegnet. Die Voraussetzungen seien gegeben. Es brauche die Veränderung nach dem Motto "jetzt mehr den je". Die Konjunktur werde abnehmen, dem könne man entgegenwirken: "Wenn wir es jetzt schaffen das alles zu schnüren, dann kann man die Konjunktur beleben, weil das Bauvolumen ein ganz anderes ist", ist Andreas Stickel überzeugt.

Andreas Stickel und Christopher Schneeweiß. Bild: VOL.AT/Mayer

Menschen als Motor

"Es sollen Menschen kommen, denn der Treibstoff für jede Stadt sind die Menschen. Der Treibstoff sind nicht die Autos. Dass ein Friseur, ein Café, ein Schuhmacher funktioniert - das sind die Menschen", so Stickel. Das mache sich auch am derzeitigen Versuch, die Anton-Schneider-Straße temporär zur Fußgängerzone zu machen, bemerkbar.

"Die Unternehmer machen es wirklich sehr gut, aber es fehlen die Leute", hält Stickel fest. Bregenz habe sich in den letzten 30 Jahren im Vergleich zu anderen Städten, zum Beispiel Dornbirn, nicht wirklich viel weiterentwickelt was die Einwohnerzahl angehe. Ziel wäre es daher, mehr Menschen in die Stadt zu bringen. "Wenn wir wieder 2000 bis 3000 Menschen mehr in die Stadt hereinbringen, dann ist das einmal schon eine 'körige' Anzahl von Personen, die das ganze Leben – das Stadtleben – verändern können." Es solle ein gutes Maß an Zuwanderung passieren, auch im Sinne der Wohnbauten, die auf der generierten Fläche realisiert werden könnten. Durch einen Mix aus sozialem und exklusivem Wohnbau könnten sich auch wieder mehr junge Menschen in Bregenz ansiedeln.

Attraktives Areal für Bauträger

"Wir haben uns nicht nur Gedanken darüber gemacht, dass die Straße wegkommt, sondern wir haben uns auch Gedanken darüber gemacht, wie der Städtebau funktioniert", konstatiert Stickel gegenüber VOL.AT. "Wir haben festgestellt, dass es einige Hochhäuser in Bregenz gibt." Um die Bahnhofstraße und Montfortstraße nicht "komplett kaputtzumachen" - wie die VULB-Initiatoren es beschreiben - versuchen sie in ihrer Vision Tiefpunkte zu setzen. "Wir machen niedrigere Gebäude und dann machen wir Hochpunkte, sodass es immer Durchsichten gibt." Die Hochpunkte brauche es für die Finanzierung: "Denn in die Höhe zu bauen, das ist das, was sich rechnet." Der Standort des Bahnhofes sei aufgrund seiner Fläche eines der attraktivsten Areale für Bauträger. Wenn der Bahnhof ins Zentrum verlegt werde, könne man dort Einkaufszonen und Arkadengänge anlegen. Unter dem ersten Gebäude des Bahnhofes soll laut Vision der Busbahnhof passieren. "Wenn der Bus unterm Gebäude ist, dann kann ich drüber die Fläche nutzen – etwa für Hotels und Geschäftsflächen."

Die Visualisierung der Vision für Bregenz. Bild: Vison urbanes Leben Bregenz

Einfachere Planung ohne Straßen

Die Planung und Umsetzung ihrer Vision werde ohne Straße einfacher. "Städteplaner und Architekten tun sich wesentlich leichter, eine Stadt neu zu entwerfen oder die Bedürfnisse der Menschheit einfließen zu lassen, wenn sie sich nicht um die Rahmenbedingungen einer Straßenführung Gedanken machen müssen", so Stickel. Ohne die Straße könne man in größeren Radien denken. Denken, was der Mensch brauche. Genaue Definitionen und Pläne für Gestaltung und Nutzung gibt es noch nicht. "Das ist ja noch nicht definiert. Das sind ja nur einmal Visionen. Und das sind unsere Ansätze", meint Andreas Stickel. "Überlegen wir uns von A nach B. Wie kann das sein? Wie schaffen wir es, den Menschen wieder die Plätze und die Flächen zurückzugeben?" Bevor man etwas tue, müsse man überlegen. Bei der Vision gehe es auch darum zu sagen: "Überlegt euch das anders."

Michael Ritsch

Ritsch als loyaler Partner

Die Gruppe zählt viele Unterstützer. Mit Michael Ritsch hat VULB einen Partner gefunden, der hilft, Gehör zu finden. Und nicht nur das: "Ritsch kapiert das Konzept und das ist das Entscheidende. Er weiß, dass es der Stadt guttut, wenn man sie größer denkt", erklären Stickel und Schneeweiß. Ritsch habe auch den Schneid und Witz, zu sagen: ,Hören wir auf mit Farben herumzudoktern, sondern fangen wir an über Inhalte zu diskutieren'. Es ist wirklich toll mit ihm zusammenzuarbeiten. Er steht wirklich hinter dem Projekt und unterstützt uns", bricht Stickel für den Bürgermeisterkandidaten einen Lanze. "Wir möchten nicht gegen den Bürgermeister wettern", stellen Schneeweiß und Stickel klar. Was Linhart mache, sei gut und recht. Sie seien unpolitisch, hätten mit Ritsch aber einen Unterstützer gefunden, der hinter dem Konzept stehe.

"Linhart war immer fair, aber ist nicht der richtige Partner"

Linhart sei immer fair gewesen. Er sei aber schlicht und einfach nicht der richtige Partner für das Vorhaben. In Bregenz habe sich in den vergangenen 20 Jahren wenig verändert. Was sich verändert hat, sei durch das Land vorangetrieben worden, so wie etwa das Festspielhaus. Es gehe nicht um Politik. "Es geht uns nur um das: Wir wollen eine vernünftige Stadt. Wir wollen das nochmal andenken. Wir möchten den Leuten die Stadt zurückgeben", meint Stickel. "Wir bauen nicht für uns, sondern für unsere Kinder. Wir müssen ihnen etwas Vernünftiges hinterlassen." Ob die Vision umgesetzt werde oder ganz anders ausschaue, sei nicht wichtig - nur das sich etwas verändere.

(VOL.AT)

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