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"Wir sind fassungslos" - Lehrling Qamar wird tatsächlich abgeschoben!

Entsetzen bei Schmugglar-Team um Marcel Lerch.
Entsetzen bei Schmugglar-Team um Marcel Lerch. ©VOL.AT/Rauch
Der Fall des 26-jährigen Asylwerbers Qamar Abbas, der trotz eines Lehrvertrages in einer Lustenauer Gastronomie abgeschoben werden sollte, hat unlängst viel Staub aufgewirbelt. Jetzt ist es Gewissheit: Qamar wird tatsächlich abgeschoben.
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Er arbeite zuverlässig, sei immer pünktlich und bei den Gästen beliebt. So hat der Lustenauer Gastronom Marcel Lerch vom “Schmugglar” den “Vorarlberger Nachrichten” seinen Lehrling Qamar Abbas beschrieben. Zudem spreche der 26-jährige Pakistani bereits gut Deutsch und sei gut integriert. Im Team Barons der Hard Bulls spielt Abbas Baseball. Trotzdem, nun ist es Gewissheit: Qamar muss Österreich verlassen.

“Fassungslos”

Gegen 13:35 wurde er aufgrund eines Festnahmeauftrages des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl in Hard aufgegriffen. Er wurde bereits ins Anhaltezentrum Bludenz überstellt. Das Team vom “Schmugglar” zeigt sich auf Facebook fassungslos: “Heute wurde unser Lehrling und geschätzter Kollege Qamar von der Polizei aufgegriffen und wird nach Pakistan abgeschoben. Das ist traurige Wahrheit und macht uns fassungslos.” Und weiter: “Leider hatten wir keine Gelegenheit uns bei ihm zu verabschieden drum auf diesem Wege: Lieber Qamar, wir wünschen Dir alles Gute und viel Glück auf Deiner Reise in die Ungewissheit. Hoffentlich kannst Du bei uns Erlerntes dort anwenden, wo Du in Zukunft leben musst. Wir sind Dir sehr dankbar für Deine Mitarbeit und werden Dich als Manpower und Kollegen vermissen. Dein Team Schmugglar”

Scheffknecht: “Bestürzt”

Sabine Scheffknecht von den NEOS hat sich via Aussendung zu Wort gemeldet. Sie findet klare Worte in Richtung Landeshauptmann Wallner und Integrationslandesrat Gantner: “Ich bin bestürzt und fassungslos über das Vorgehen! Offenbar blieben die Landes-ÖVP Stimmen auf Bundesebene ungehört: So eine Vorgangsweise ist weder christlich-sozial noch wirtschaftsfreundlich. Die Lippenbekenntnisse der Vorarlberger ÖVP reichen bisher nicht aus. Wallner und Integrationslandesrat Gantner sind gefordert dieses unmenschliche und wirtschaftsfeindliche Vorgehen endlich einzustellen. Damit würde auch dem Beschluss des Landtages Folge geleistet.”

“Qamar hat nichts verbrochen”

Auch ÖGB-Landesvorsitzender Norbert Loacker und SPÖ-Clubobmann Michael Ritsch kritisieren den von den Behörden gestarteten Abschiebevorgang. “Dass über Nacht unsere unbescholtenen Kollegen und Freunde von der Polizei abgeholt werden, erinnert mich an dunkelste Zeiten in der Vergangenheit. Ich bin entsetzt darüber, dass Menschen aus unserer Mitte gerissen werden, um sie zu deportieren”, so Loacker. “Qamar hat nichts verbrochen. Er hat bei uns Schutz und Hilfe gesucht. Er führt seit sechs Jahren ein rechtschaffenes Leben in Lustenau und absolviert eine Lehre, aber behandelt wird er wie ein Schwerverbrecher”, fügt Ritsch hinzu.

Die beiden haben auch bereits das Gespräch mit LH Markus Wallner gesucht. „Der Landeshauptmann unterstützt unsere Forderung, die Abschiebung zu stoppen. Er wird sich bei der Bundesregierung für den Verbleib Qamars in Vorarlberg einsetzen. Gleichzeitig sind ihm aber praktisch die Hände gebunden“, so Norbert Loacker. Das habe damit zu tun, dass das „humanitäre Bleiberecht“ seit vier Jahren in Bundeskompetenz liegt – früher habe die Landespolitik sehr wohl etwas erwirken könnne. Jetzt sei Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Zug. Er müsse unverzüglich handeln und das unmenschliche Treiben stoppen.

“Tragödie”

„Die Abschiebung eines gut integrierten Lehrlings mit aufrechter Arbeitserlaubnis ist wirtschafts- und integrationspolitischer Unsinn und für die Betroffenen menschlich eine Tragödie“, sagt der Grüne Asylsprecher Daniel Zadra. Die Abschiebung sei erfolgt, obwohl sich ein Bündnis aus Sozialpartnern, mit Ausnahme der FPÖ aller Landtagsfraktionen, der Zivilgesellschaft und des Arbeitgebers unter der Koordination des Flüchtlingskoordinators Anton Strini für einen Verbleib des Lehrlings ausgesprochen hatten. „Der schwarz-blauen Bundesregierung geht es aber offensichtlich nicht um Menschen und auch nicht um Integrationsanreize. Sie will ganz bewusst einen Spalt in unsere Gesellschaft treiben.“

1.000 Menschen unterschreiben Petition

Rechtsanwalt Stefan Karg, der Qamar Abbas vertritt, hatte unlängst beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) eine Beschwerde eingereicht und dazu eine Petition mit den Unterschriften von mehr als 1.000 Vorarlbergern vorgelegt. Alle sprachen sich für den Verbleib des jungen Pakistani aus.

Auch Landesrat Christian Gantner (ÖVP) unterstützte den Lehrling indirekt. Er bleibt bei seiner Haltung: “Asylwerber sollten das Recht haben, ihre Lehre abzuschließen.” Die heimische Wirtschaft der Asylwerber kann durch gut ausgebildete Fachkräfte stabilisiert werden und damit Fluchtursachen bekämpfen.

Video: Interview mit “Schmugglar”-Eigentümer Lerch

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