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Eine Stunde lang ohne Strom

Uno spiele geht auch bei weniger Licht Uno spiele geht auch bei weniger Licht - © Stiplovsek
von Iris Burtscher - Feldkirch – Earth Hour: Ab 20:30 Uhr werden heute vielerorts die Lichter ausgehen. Familie Demir aus Feldkirch hat die Earth Hour schon zu Hause ausprobiert.

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Die Sonne verschwindet hinter den Schweizer Bergen. Mit einem Handgriff legt Murat Demir den Schalter um. Die Sicherung ist raus, im Wohnzimmer der Familie ist es plötzlich zappenduster. Heute Abend schalten Tausende Gemeinden weltweit zwischen 20.30 und 21.30 Uhr die Beleuchtung auf den Straßen für die Klimaschutzaktion Earth Hour ab. Auch Privatpersonen sind aufgerufen, eine Stunde lang auf Energie zu verzichten. Die fünfköpfige Feldkircher Familie Demir hat für die VN schon vorab eine private Earth Hour veranstaltet. Eine Stunde lang gingen in dem Einfamilienhaus die Lichter aus.

Kindheitserinnerungen

„Für mich ist das kein Problem. In der Türkei hat es in meiner Kindheit oft Stromausfall gegeben“, sagt Murat, während er den Sicherungskasten wieder schließt. Aysel zündet Kerzen an und fühlt sich dabei in die Weihnachtszeit zurückversetzt: „Das fühlt sich an wie Advent.“ Normalerweise würde sich die Krankenschwester jetzt vor den Computer setzen und arbeiten. Nebenbei hält sie Weiterbildungskurse. Jetzt bleibt der Bildschirm aber dunkel. Aysel nimmt sich stattdessen Zeit für eine Runde Memory mit ihrer fünfjährigen Tochter Rana. Anschließend gibt es noch eine Gutenachtgeschichte. Für Rana ist es höchste Zeit, ins Bett zu gehen. Mit einer Kerze bewaffnet tritt Murat mit ihr den Weg in den oberen Stock an. „Selber“, sagt Rana, bevor sie in ihr Bett klettert. „Das wäre ja eine Kata­strophe, wenn das immer so wäre“, stöhnt der 12-jährige Bünjamin. Er und Bruder Sedat, ansonsten nicht immer harmonisch, sitzen nun friedlich nebeneinander auf dem Sofa im Wohnzimmer. Sie plaudern und spielen Daumenkampf, statt darüber zu streiten, wer die Fernbedienung haben darf. Aysel wundert sich nur kurz über die Harmonie bei Kerzenschein. Sedat erinnert sich an einen Sachunterrichtstest über Strom. An die Fragen kann sich der Elfjährige nicht mehr erinnern. „Aber ich hatte einen Einser“, sagt der Volksschüler stolz. Bünjamin holt die Uno-Karten hervor.

Kein heißer Tee

„Will jemand einen Tee?“, fragt Aysel in die Runde und bemerkt kurze Zeit später, dass der Wasserkocher jetzt gar nicht funktioniert. Dann eben Apfelsaft. Und Kekse. Zur Weihnachtszeit fragt sich die 33-Jährige manchmal, ob die helle Beleuchtung allerorts wirklich sein muss. „Das nimmt man mit der Zeit gar nicht mehr wahr“, meint Aysel nachdenklich. Der Abend bei Kerzenschein gefällt ihr gut. „Das ist gar nicht so schlecht. Alle sind beisammen. Sonst sitzt ein Kind am Laptop, das andere spielt am Handy.“ Auch ihr Mann sieht das so: „Durch die Technologie haben sich die Familien auch entfernt. Jeder zieht sich zurück.“ Die Stunde ist schnell um. Murat öffnet den Sicherungskasten und lässt den Strom wieder fließen. Aysel überlegt derweil, ob die Earth Hour bei den Demirs nicht öfter stattfinden sollte. „Vielleicht machen wir das jetzt jede Woche einmal. Zur Familien-Psychopflege.“

Neuseeland und Australien eröffneten Klimaaktion

Die Samoa-Inseln im Pazifik haben am Samstag den weltweiten Klimaaktionstag “Earth Hour” eingeläutet. Um 20.30 Uhr Ortszeit erloschen für eine Stunde zahlreiche Lichter. An der weltweiten Aktion beteiligen sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Städte in der ganzen Welt. Im vergangenen Jahr waren von 20.30 Uhr bis 21.30 Uhr jeweiliger Ortszeit in rund 5.250 Städten die Lichter ausgegangen. Unter anderem werden auch die Tower Bridge in London, der Tahrir-Platz in Kairo sowie das Empire State Building in New York in Dunkelheit gehüllt. In Österreich nehmen in diesem Jahr mehr als 30 Städte und Gemeinden sowie zahlreiche Unternehmen und mehrere Organisationen teil.

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