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Warum junge Wälderinnen heute gerne Juppe tragen

Die Juppenwerkstatt freut, dass immer mehr Junge – darunter Marisa und Sophie – Tracht tragen.
Die Juppenwerkstatt freut, dass immer mehr Junge – darunter Marisa und Sophie – Tracht tragen. ©VOL.AT/Mayer, Canva Por
Mirjam Mayer (VOL.AT) mirjam.mayer@russmedia.com
Schon seit 20 Jahren gibt es die Juppenwerkstatt in Riefensberg. Was sollte man über die Juppe wissen und was verbinden junge Wälderinnen damit?

Wie hat sich die Bregenzerwälder Tracht, die Juppe, entwickelt? Was sollte man über sie wissen? Und wie stehen junge Bregenzerwälderinnen zu ihr? Zum 20. Jubiläum der Juppenwerkstatt Riefensberg traf VOL.AT die Obfrau und die Leiterin zum ausführlichen Interview und sprach mit zwei jungen Bregenzerwälderinnen (14 und 15).

Die Juppenwerkstatt in Riefensberg. ©VOL.AT/Mayer
Obfrau Doris Kranzelbinder mit den beiden jungen Jüpplerinnen Sophie und Marisa Fink und der Leiterin Martina Mätzler. ©VOL.AT/Mayer

Eine Tracht, die nicht stehen bleibt

"Die Juppe ist seit Alter her Kleidung von Frauen im Bregenzerwald", erklärt Martina Mätzler. Sie ist seit der Eröffnung 2003 Leiterin der Juppenwerkstatt. Die Tracht sei alt und komme aus der spanischen Mode, habe sich aber immer wieder an die Zeit angepasst. "Das ist für mich ein wichtiger Faktor: Dass sie nicht stehen bleibt, sondern dass sie sich anpasst", gibt sie zu verstehen. "Dass wir die Glanzleinen-Juppe erhalten haben, ist ein ganz großer Verdienst", meint Mätzler im VOL.AT-Gespräch. Schön sei es, zu sehen, dass auch Junge die Juppe wieder tragen und sich darin wohlfühlen, erklärt sie. Neben der wichtigsten Aufgabe, der Herstellung des Juppenstoffes, pflegt und erhält der Verein die Bregenzerwälder Tracht, wie Obfrau Doris Kranzelbinder zu verstehen gibt. Auch Vermittlung und Kurse zum Juppenhandwerk (etwa Stickerei) sind wichtige Aufgaben der Werkstatt.

Eine Nahaufnahme eines Juppen-Blätz – also Stecktuches. ©VOL.AT/Mayer
Die Juppenwerkstatt stellt natürlich auch Juppenstoffe her. Diese Juppen warten aufgehängt auf die Abholung. ©VOL.AT/Mayer
Juppengürtel-Schnallen sind besonders und filigran gearbeitet. ©VOL.AT/Mayer

"Eine Wälderin hatte eigentlich drei Juppen im Schrank"

"Es gibt sechs verschiedene Typen", erklärt Kranzelbinder zur Juppe. Schwarzmieder-, Braunmieder- und Rotmiedertracht, dazu eine weiße und eine braune, sowie eine Trauerjuppe. Die Juppe kann zu verschiedenen Anlässen getragen werden. Früher habe man sie etwa ihre Mutter neben Fest- und Sonntagen auch am Werktag getragen, meint Mätzler. Was man heute kaum mehr trage, sei die braune Juppe. "Das sind noch die Marketenderinnen von Musikverein Andelsbuch", verrät sie. Die Trauer- oder Leidjuppe sei früher sehr wichtig gewesen, da man ein Jahr und einen Monat "im Leid" gewesen sei, also getrauert habe. "Eine Wälderin hatte eigentlich drei Juppen im Schrank", gibt die Leiterin zu verstehen: die Festtagsjuppe, die Sonntagsjuppe und die Leidjuppe mit schwarzen Ärmeln.

Video: Juppe früher und heute

Immer mehr Junge tragen wieder Juppe. Auch für Männer gibt es eine aktualisierte Version der passenden Tracht. ©VOL.AT/Mayer

"So wachsen sie rein"

"Es hat sich ganz viel verändert", erklärt Mätzler zur Tracht und ihren Trägern. "Die Frauen sehen auch – ich verwende jetzt einen Ausdruck, der sehr altmodisch ist – dass die Juppe Heimat ist." Man fühle sich auch heute darin wohl. Das zeige auch das Beispiel der beiden jungen Mädchen, Marisa (15) und Sophie Fink (14) aus Riefensberg. Die beiden jungen Bregenzerwälderinnen tragen seit der Volksschule eine Juppe. Zur Tracht kamen sie durch ein Projekt der Juppenwerkstatt: "In Riefensberg waren die Frauen nicht gerade trachtenbewusst", erklärt die Leiterin dazu. Daher ließ man den Volksschülerinnen Juppen machen und sie zogen sie an Fronleichnam an. So kamen auch die beiden Cousinen zur Juppe. "Das ist einfach etwas ganz Schönes, dass die jungen Mädchen Juppe trage und so wachsen sie rein", betont Mätzler.

Die beiden jungen Bregnzerwälderinnen in der Juppenwerkstatt. ©VOL.AT/Mayer
Sophie und Marisa fühlen sich in der Juppe wohl. ©VOL.AT/Mayer

Junge Wälderinnen zur Juppe

"Erinnert mich an unsere Oma"

Sie hätten sich schon beim ersten Mal in der Juppe wohlgefühlt, erklären die jungen Frauen. "Es hat mir richtig getaugt und deswegen habe ich sie jetzt wieder gerne an" meint Sophie. "Eine Juppe anzuziehen, erinnert mich immer an unsere Oma", verdeutlicht Marisa gegenüber VOL.AT. Von ihr bekamen sie und ihre Cousine die Juppe vererbt, die die 15-Jährige heute trägt. Sophie lieh sich eine Tracht von der Juppenwerkstatt aus. "Ich finde die Juppe richtig schön. Sie hat ein voll schönes Muster", so Sophie.

Die beiden zieren auch das Programm für das 20. Jubiläum der Juppenwerkstatt. ©VOL.AT/Mayer

"Für mich ist es schon etwas Besonderes, nicht so alltäglich", meint Marisa. Auch heute tragen sie die Juppe – zuletzt etwa zum Fronleichnamsfest mit Prozession in der Gemeinde. "Man muss auch sehr aufpassen, dass man nicht die Treppe runter stolpert oder so. Dass sie nicht kaputt wird", schildert Sophie. Die Tracht sie natürlich anders als normale Kleidung, aber auch ein Stück Tradition. Auch Gleichaltrige fänden die Juppe "ganz gut" Es sei toll, dass immer mehr Junge die Juppe tragen, meint Marisa.

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(VOL.AT)

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