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Pfarrer Trenti: "Wir müssen alle aufeinander schauen"

Seit Donnerstag Mitternacht gelten nun die Ausreisekontrollen für das Vorarlberger Leiblachtal. Die Stimmung sei zwiegespalten, wie Pfarrer Roland Trentinaglia im VOL.AT-Interview schildert.

Seit fast 36 Jahren ist Roland Trentinaglia im Leiblachtal im Pfarrverband Hörbranz, Hohenweiler und Möggers als Pfarrer und Seelsorger tätig. Er weiß genau, wie die Stimmung innerhalb seiner Gemeinden ist und welche Sorgen und Ängste die Menschen beschäftigen.

Stimmung ist zwiegespalten

"Die Stimmung ist bei manchen durchaus positiv. Sie halten die Maßnahmen durchaus für gut", beginnt Trentinaglia das Gespräch. Auf der andere Seite gäbe es aber auch kritische Stimmen. "Für viele ist es eine unheimliche Erschwernis in das restliche Land zu kommen. Wir sind ja jetzt abgeschnitten", berichtet der Seelsorger weiter. Die andere Sache sei auch, die Stimmung, die sich auf die aktuellen Corona-Fälle beziehe.

Viele verschiedene Argumente

Die einen haben laut dem Pfarrer Mitleid mit den Kindern und würden es "furchtbar" finden, dass sich ein Cluster in einem Kindergarten gebildet hat. "Und dann dreht sich das Ganze wieder um und die Menschen fragen sich, warum gibt es so viele, die diese Situation nicht ernst nehmen", so Pfarrer Trentinaglia. Wieder andere würden mit dem Begriff der Freiheit argumentieren. "Also es geht wirklich quer durch."

Kein Sonntagsgottesdienst am Wochenende

Mit Absprache der Ärzte wurde für das kommende Wochenende festgelegt, dass keine Palmsonntagsgottesdienste in den Kirchen stattfinden werden. Was als Alternative angeboten wird: ein Livestream der Messe aus Hörbranz via Youtube.

Zusammenhalt ist das einzig Wichtige

"Was wirklich wichtig ist, ist das Zusammenhalten. Es geht nicht darum, dass der erste Gedanken ist, 'Oh ich kann da nicht mehr hin - Was passiert nur mit meinen Leben' ", findet der Seelsorger klare Worte für seine Gedanken. Der erste Gedanke müsste laut Pfarrer Roland Trentinaglia der sein, dass man sich überlegt, wie man aufeinander achten kann.

"Für mich ändern diese Ausreisetests nichts"

"Ich bin seit November wieder im Home Office und bin generell, auch aufgrund von Risikopatienten in der Familie, sehr vorsichtig was Kontakte mit anderen angeht. Für mich ändert sich durch die Ausreisetests insofern eigentlich gar nichts. Trotzdem ist es komisch zu wissen, dass man sich in einem Corona-Hotspot aufhält und nicht ins Büro oder für Erledigungen nach Bregenz oder Dornbirn fahren könnte, auch wenn man das zuletzt kaum gemacht hat", schildert Heinz R. aus Lochau gegenüber VOL.AT.

"Gehen schon seit Monaten regelmäßig testen"

"Ich war auch schon in den letzten Monaten regelmäßig testen, obwohl ich die offiziellen Tests nicht für Friseur- oder Restaurantbesuche genutzt habe. Ich halte die Tests für sinnvoll, um das unmittelbare Umfeld zu schützen. Bisher gingen vermutlich die gleichen Leute zum Test, die auch sonst eher vorsichtig waren. Von dem her hilft es wahrscheinlich die Ausbreitung im Leiblachtal zu verhindern, wenn alle zum Test müssen, die aus beruflichen oder privaten Gründen 'ausreisen' müssen", führt Heinz R. weiter aus.

Kritik an offener Gastronomie im Corona-Hotspot

"Es gibt ja eigentlich nur eine Maßnahme: die Ausreisetestpflicht und die dafür notwendigen Test-Kapazität. Ich war etwas überrascht, dass gleich so 'hart' durchgegriffen wird, finde diese Maßnahme aber sinnvoll. Leider haben die Staus heute gezeigt, wie viele Personen noch täglich unterwegs sein müssen oder wollen und dass es in der Praxis nicht so einfach funktioniert. Ich denke, da ist noch nicht alles ausgeschöpft, was uns gegen die Pandemie helfen könnte, wie z.B. Home Office wo es sinnvoll möglich ist. Dass gleichzeitig z.B. die Gastronomie in einem 'Corona-Hotspot' weiter offenbleibt und nicht mit entsprechender Unterstützung vorübergehend schließt, finde ich etwas seltsam. Ich glaube daran sieht man, dass die Behörden nach einem Jahr Pandemie noch immer nicht auf solche Situationen vorbereitet sind", so Heinz R.

"Wir haben alles was wir brauchen in Lochau"

Auch Claudia aus Lochau findet klare Worte für ihre Gedanken zur aktuellen Situation. "Die aktuelle Situation in Lochau finde ich im Großen und Ganzen gut. Wir haben in Lochau alles, was man zum Leben benötigt und wenn jemand etwas außerhalb von Lochau braucht, gibt es ein sehr gut ausgebautes Testangebot, womit eine Ausreise ja möglich ist. Wenn man die Situation mit letztem Jahr in Nenzing vergleicht, finde ich, dass das Leiblachtal gut weggekommen ist. Die Maßnahmen halte ich für richtig und sehr wichtig. Ich finde es auch beeindruckend, dass diese Maßnahmen so schnell umgesetzt wurden. Ich nehme das Testen gerne in Kauf, um eine Weiterverbreitung zu verhindern."

"Ich finde die Maßnahmen nicht dramatisch"

"Die Nachricht abgeschottet zu werden, kam ziemlich überraschend. Dass so etwas im Leiblachtal oder gar in Vorarlberg passiert, konnte ich mir nie vorstellen. Die Möglichkeit sich testen zu lassen finde ich persönlich eine gute Sache, es ist super organisiert. Das Rote Kreuz leistet zu diesen besonderen Zeiten eine spitzen Arbeit und bleibt bei jeder Testung freundlich. Ich persönlich finde die Maßnahmen nicht dramatisch, da trotzdem die Möglichkeit beseht mit negativem Testergebnis aus dem Leiblachtal auszureisen. Nach diesen Maßnahmen wird man die wieder gewonnene Freiheit vermutlich mehr denn je schätzen", schildert Stefanie aus Lochau gegenüber VOL.AT.

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(VOL.AT)

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