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Nach Waffenfund bei Bandidos MC: Polizei nimmt jetzt die Rocker ins Visier

©APA/BMI, EPA

Nachdem vorige Woche bei Hausdurchsuchungen in Ober- und Niederösterreich bei Mitgliedern eines Motorradclubs sowie einer ehemaligen Neonazi-Gruppe hunderte Schusswaffen im Wert von rund 1,5 Millionen Euro sichergestellt wurden, hatte Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) für Montag den Landessicherheitsrat einberufen. Danach pochte er wie Landespolizeidirektor Andreas Pilsl auf mehr Kompetenzen für die Polizei, etwa um verschlüsselte Messenger-Dienste überwachen zu können.

Polizei will mehr Kompetenzen

"Bei aller Notwendigkeit von Datenschutz, wir machen das nur nach richterlicher Anordnung", betonte Pilsl, aber es brauche mehr Kompetenzen in der Ermittlung wie das eindeutige Erkennen von IP-Adressen, "damit die Schwerkriminalität nicht an der Polizei vorbeiläuft". Stelzer kündigte für kommende Woche ein überarbeitetes 61 Punkte fassendes Handlungskonzept gegen Extremismus an, das er der Regierung vorstellen wolle. Im Rahmen der Sitzung des Landessicherheitsrats hatten die Mitglieder von den zuständigen Behörden ein umfängliches und aktuelles Informationsbild erhalten. "Lieber wurde ein so großer Zugriff gemacht, als es schlummert alles im Untergrund", sagte Stelzer.

Ermittlungen seit 2021

Bereits seit 2021 laufen die Ermittlungen - festgestellt wurden die Waffen bei einem Ableger des internationalen Motorradclubs "Bandidos". Die Auswertung der sichergestellten rund 300 Datenträger dauere noch an und die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, sagte auch Pilsl am Montag in Linz. Bei der nächsten Kriminaldienstreform sei ein eigenes Referat vorgesehen, das sich mit Rockerkriminalität beschäftige.

Militarisierung der rechtsextremen Szene

Die Militarisierung der rechtsextremen Szene stehe schon lange im Fokus der Behörden. Im Laufe der Ermittlungen wurden vier Personen festgenommen, in der Vorwoche kamen sechs weitere dazu. Alle sechs sitzen in U-Haft in der Justizanstalt Ried im Innkreis. Darunter soll sich auch der Waffenhändler befinden. Ermittelt wird unter anderem wegen Verbotsgesetz, dem Kriegsmaterial- und Waffengesetz und dem Suchtmittelgesetz. Neben Waffen und NS-Devotionalien wurden auch ein Kilogramm Kokain und fünf Kilo Cannabis festgestellt.

Neonazi-Gruppe "Objekt 21"

Unter den Festgenommenen sei auch eine "sehr hohe Führungsperson" der ehemaligen Neonazi-Gruppe "Objekt 21", deren Anführer noch eine Haftstrafe in Oberösterreich verbüßt. Es gebe Überschneidungen zwischen Rockern und Neonazis, "was alle eint, ist die kriminelle Ader", erklärte Pilsl.

Antisemitismus und Hetze

Die Festgenommenen seien bereits in der Vergangenheit durch Körperverletzungen und Erpressungen, aber auch Hetze gegen die migrantische Community und antisemitistische Aussagen aufgefallen. Einige von ihnen wurden darüber hinaus bereits nach dem Verbotsgesetz verurteilt. Alle seien österreichische Staatsbürger mittleren Alters, hatte Alois Ebner, Leiter der ermittelnden Staatsanwaltschaft Ried im Innkreis, mitgeteilt. Bislang äußerten sich die Verdächtigen "mit keinem Wort" zu den Waffenfunden, sagte Ebner. Ebenfalls hätten Ermittlungen der DSN "internationale Verstrickungen" in die Schweiz und nach Polen ergeben.

Rechte Szene in Oberösterreich

Oberösterreichs SP-Chef Michael Lindner vermisst eine fundierte Präventionsstrategie und einen Überblick über die rechtsextreme Szene in Oberösterreich. "Deswegen werden wir auch mit einer schriftlichen Anfrage an den Innenminister hier Licht ins Dunkel bringen!", kündigte er an und nannte fünf Mindestanforderungen für das oö. Handlungskonzept wie etwa die Errichtung einer Beratungsstelle zur Hilfe für von rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt bedrohte und betroffene Menschen, eine Ausstiegsberatung für Rechtsextreme, Aufklärungsarbeit an Aufklärungsarbeit an Schulen.

Waffenarsenal

Die Grünen forderten, man müsse in Oberösterreich "das Tor für den Rechtsextremismus endlich völlig verriegeln und nicht nur anlehnen". Es dürfe "keine einschlägigen Events und Veranstaltungen" und "keine sechsstelligen Geldflüsse und Aufträge an einschlägige Medien und Organisationen" mehr geben, so Klubobmann Severin Mayr und Sicherheitssprecherin Anne-Sophie Bauer. Die Rechtsextremisten lagern ihr Waffenarsenal nicht deshalb in Oberösterreich, weil in anderen Bundesländern kein Platz war", sondern weil sie hier fruchtbaren Boden vorfinden würden.

Felix Eypeltauer, Klubobmann der oberösterreichischen NEOS, betonte es sei Aufgabe der Politik, den Nährboden für Extreme so klein wie möglich zu halten und inkludierende statt exkludierender Stimmung zu machen. "ÖVP und FPÖ entscheiden sich hier nicht immer für den besten Weg", äußerte er sich in einer Presseaussendung.

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