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Jagdberg: Aufklärung nötig

So idyllisch sich das Erziehungsheim Jagdberg präsentiert, haben offenbar doch zahlreiche Zöglinge Leid erfahren.
So idyllisch sich das Erziehungsheim Jagdberg präsentiert, haben offenbar doch zahlreiche Zöglinge Leid erfahren. ©VOL.at/ Hofmeister
Bregenz (VN-tm) - Grüne schlagen Sonderkommission für Jagdberg vor – Historiker seit Oktober im Einsatz.
Landesbeamter unter Missbrauchsverdacht
SPÖ durchleuchtet Arbeit der Opferschutzstelle

Seitens der Grünen fordern Klubobmann Johannes Rauch (52) und LAbg. Katharina Wiesflecker (47) in einer Anfrage Landesrätin Greti Schmid (57) auf, dem Landtag umgehend einen Zwischenbericht der Opferschutzkommission vorzulegen. Dass sich unter den 126 Personen, die innerhalb von zwei Jahren bei der Kommission Missbrauch und Misshandlung in einer Landesinstitution beklagten, 83 auf das Landesjugendheim Jagdberg bezogen, rechtfertige den Einsatz einer Sonderkommission. Das Heim am Jagdberg wurde während der NS-Zeit von SS-Männern geleitet. Dort wurden Kinder von Regimegegnern interniert. Offenbar habe nach dem Krieg das System der Gewalt fortbestanden.

Historiker sind am Werk

Mit ihren Frage nach dem Einsatz einer Historikerkommission kommen die Grünen spät. Das Land hat bereits im Sommer die Tiroler Erziehungswissenschafterin Michaela Ralser (49) beauftragt, die Heimerziehung in Tirol und Vorarlberg gemeinsam aufzuarbeiten. Dies auch deshalb, weil nach dem Zweiten Weltkrieg über Jahrzehnte hinweg Kinder über die Landesgrenzen hinweg „verschoben“ wurden: Etwa Tiroler Buben auf den Jagdberg und Vorarlberger Mädchen nach Kramsach.

„Wir haben unsere Arbeit vor einem Monat aufgenommen“, bestätigte Ralser am Freitag auf VN-Anfrage. Zwei Mitarbeiter(innen) wurden für die Recherche jeweils halbtags angestellt. Das gesamte Projekt wird 38.066,56 Euro kosten. Tirol und Vorarlberg teilen sich den Betrag 60 zu 40 Prozent. Die VN berichteten am 19. Juli. „Derzeit sind wir im Tiroler Landesarchiv beschäftigt.“ Im Dezember wird Ralser mit ihrem Team nach Bregenz kommen. Der Leiter des Vorarlberger Landesarchivs, Univ.-Prof. Dr. Alois Niederstätter (56) dürfte bis dahin brisantes Material ausgehoben haben. „Wir haben sowohl Personalakten als auch Zöglingsakten im Archiv. Wie umfangreich das Material ist, stellen wir gerade fest.“

Ralsers Auftrag lautet, in der ersten Phase des Projektes bis 15. Juni die Quellen auszuheben. „Dann werden wir der Landesregierung für eine zweite Phase Forschungsprojekte vorschlagen.“ Die Grünen gehen davon aus, dass sich abseits der 83 bekannten weitere Betroffene – aus welchen Gründen auch immer – nicht gemeldet haben. Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch (50) sprach schon zu Jahresbeginn im VN-Interview von „ex­tremen Formen körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt“, die offenbar über Jahrzehnte keine Einzelfälle waren, sondern sich als System etabliert hatten.

Deshalb schlagen die Grünen eine Sonderkommission vor, die für eine lückenlose Aufklärung zu sorgen hat, „so wie dies in Wien nach dem Bekanntwerden ähnlicher Vorgänge am Kinderheim Wilhelminenberg geschehen ist“. Im Übrigen wäre es nach Ansicht der Grünen sinnvoll, in Anbetracht dessen, dass sich im Laufe des Jahres 2011 immer wieder neue Missbrauchsopfer bei der Opferschutzkommission gemeldet haben, das Arbeitsmandat der Kommission jedenfalls bis zum 31. Dezember 2012 zu verlängern.

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