Exporte könnten sich verfünffachen: Der Iran ist für Vorarlberg eine Chance

Moschig: Netzwerk vor Ort ist das Um und Auf.
Moschig: Netzwerk vor Ort ist das Um und Auf. ©dapd
Im Iran liegt für die Vorarlberger Exportwirtschaft ein "Riesenpotenzial". Im VOL.AT-Interview informieren Mag. Herbert Motter von der Wirtschaftskammer Vorarlberg und Thomas Moschig, der stellvertretende österreichische Wirtschaftsdelegierte in Teheran, über Potenziale, Chancen - und was es für einen erfolgreichen Eintritt in den iranischen Markt braucht.
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Welches Volumen hat der Handel zwischen Vorarlberg und Iran aktuell? Wo sind Potenziale, auf welches Niveau lässt sich dieser anheben? Welche Produkte werden vornehmlich exportiert?

Motter: Derzeit liegt das Exportvolumen (2014) bei 8,8 Millionen Euro. Das bedeutet ein Plus von über 25 Prozent gegenüber 2013. Allerdings lag das Volumen in den vergangenen Jahren um vieles höher. 2011 etwa wurden Waren im Wert von 26,4 Millionen Euro in den Iran exportiert. Ob dieses Volumen wieder erreicht werden kann, hängt viel von der politischen Entwicklung ab. Langfristig, wenn das Projektgeschäft anläuft, ist sogar eine Verfünffachung des gesamten Außenhandelsvolumens im Bereich des Möglichen.
Die Palette der Warenexporte reicht von Maschinen über pharmazeutische Produkte bis hin zu Konsumgütern sowie Investitionsgüter für den Industriebereich. In den letzten Jahren gewann auch der Umweltschutz, insbesondere die Wassertechnologie und Luftreinhaltung, enorm an Bedeutung. Gerade in diesen Bereichen – sowie im Infrastrukturbereich – ergeben sich für heimische Unternehmen hochinteressante Möglichkeiten.

Wo liegen die Chancen für Vorarlbergs Unternehmer – Stichwort Werkzeug- und Maschinenbau – und welche Branchen könnten am meisten profitieren?

Moschig: Stetig wachsende Urbanisierung, steigendes Verkehrsaufkommen, resultierende Umweltbelastung und Abfallproblematik haben das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und nachhaltige Stadtentwicklung im Iran gestärkt. Hier gibt es große Potenziale für Betriebe aus Vorarlberg in der Bau- und Werkzeugbranche. Faktisch ist der Iran gerade wegen seiner vergleichsweise starken industriellen Basis besonders angewiesen auf den Import von Maschinen und Halbfertigprodukten. Maschinen „Made in Austria“ sind bereits jetzt in den Top-3-Exportprodukten im Iran vertreten. Tendenz stark steigend.

Wie lassen sich die Reaktionen Vorarlbergs Unternehmer auf den Fall der Sanktionen zusammenfassen – wie groß ist das Interesse, nun im Iran verstärkt tätig zu werden?

Motter: Das Interesse der Vorarlberger Unternehmen am aktuellen Geschehen ist sehr groß. Etwa zehn Prozent der österreichischen Betriebe, die aktiv mit einem iranischen Partner vor Ort tätig sind, kommen aus Vorarlberg. Auch bei der EU-Iran Konferenz vergangene Woche in der Wirtschafskammer Österreich, haben sich einige (wenige) Firmen aus Vorarlberg auf den Weg nach Wien gemacht, um mit potenziellen Geschäftspartnern in Kontakt zu treten.

Welche Bedeutung könnte der Handel mit dem Iran in Zukunft (Stichwort „Next Eleven“) einnehmen?

Moschig: Es ist nicht so, dass der Iran in den letzten Jahren nicht von europäischen Unternehmen bearbeitet wurde. Das Importvolumen alleine aus dem EU Raum betrug im Jahr 2014 6,4 Milliarden Euro. Allerdings lag das Importvolumen des Iran aus China im gleichen Zeitraum bei knapp 20 Milliarden Euro. Durch die Sanktionen haben europäische Unternehmen in den letzten Jahren massiv an Marktanteilen vor allem an asiatische Firmen verloren. Dieser Trend würde sich bei einer Aufhebung der EU-Sanktionen bis zu einem gewissen Grad wieder umkehren. Im Iran ist aber genug Platz für Unternehmen aus aller Welt, denn in praktisch allen Bereichen gibt es Investitionsrückstau und Nachholbedarf.

Inwiefern ist der Iran für die Gründung von Niederlassungen und Joint Ventures interessant?

Moschig: Ein gutes Netzwerk vor Ort ist das Um und Auf. Den Markt zu bearbeiten, ohne im Iran gut vernetzt zu sein, ist besonders schwierig. Geschäftsreisen in den Iran zahlen sich dabei auf jeden Fall aus. Das AußenwirtschaftsCenter Teheran unterstützt Firmen gerne dabei. Die Gründung von Niederlassungen macht Sinn, da es für lokale Produktionen teils attraktive Förderungen gibt. Joint Ventures sind aufgrund der interessanten Möglichkeiten im Iran eine beliebte Unternehmensform.

Wird die Wirtschaftskammer Vorarlberg Informationsveranstaltungen für Unternehmer anbieten – beziehungsweise wird die Wirtschaftskammer Vorarlberg hier auch verstärkt informieren?

Motter: Natürlich wird der Fokus – aufgrund der aktuellen Lage – speziell auch auf den iranischen Markt gelegt. Gezielte Informationsveranstaltungen sind in Planung. Die inhaltliche Ausrichtung hängt stark von den kommenden Anfragen aus den Unternehmen ab.

Wie beurteilen Sie generell das iranische Marktumfeld?

Moschig: Die Regierung Rohani ist Mitte 2013 mit dem Anspruch angetreten, die Inflation und den Währungsverfall unter Kontrolle zu bringen und die Wirtschaft zu stabilisieren. Das ist ihr aus heutiger Sicht gelungen. Der Iran mit 77 Millionen Einwohnern ist ein interessanter Markt für die Wirtschaft und birgt großes Potenzial in doch etlichen Bereichen.
Beim Eintritt in den iranischen Markt ist man sehr von guten lokalen Partnern abhängig. Das ist in erster Linie so, da sich Behördengänge ungleich schwierig gestalten und man als ausländischer Unternehmer schwer bis gar nicht zu Genehmigungen und Lizenzen kommt. Es bedarf eines zuverlässigen, iranischen Partners, der imstande ist, die Geschicke vor Ort zu leiten.

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