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Zynismus einer Erbschaft

Dornbirn - Elke Bertsch schien Mitte des Jahres 2007 großes Glück zu widerfahren. Aus dem Nachlass ihrer Tante, die in einem Dornbirner Pflege- und Altersheim hochbetagt verschieden war, sollte sie 208.000 Euro bekommen.
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Gerne nahm sie dieses Erbe an, obwohl ihr völlig schleierhaft war, wieso ihre Tante so vermögend gewesen sein soll. Sie wusste zum damaligen Zeitpunkt nur, dass um die Verlassenschaft ihrer Tante heftig gestritten wurde. Dass sich Leute fragten, wie ihre Tante zu diesem Vermögen gekommen war. Dass unerklärlicherweise fast die gesamte Hinterlassenschaft eines kinderlosen, vermögenden Dornbirners (die VN berichteten) zur Überraschung von dessen Verwandten an ihre Tante gegangen war. Dass auch im aufgefundenen Testament der Tante unbekannte Personen als Haupterben vorgesehen waren. „Der Wert der Hinterlassenschaft belief sich auf 2,5 Millionen Euro“, macht Bertschs Anwalt Dr. Ekkehard Bechtold deutlich.

Skepsis blieb

„Ich war skeptisch, ja“, sagt die Hausfrau heute. „Aber ich hab das Erbe natürlich angenommen. Wer hätte das nicht gemacht?“ Elke Bertsch, so sagt sie, hat an ihre Tochter gedacht. „Die hätte das Geld gut gebrauchen können.“ Doch ein wenig Skepsis sei ihr immer geblieben. „Bei den ersten Berichten über Verhaftungen im Zusammenhang mit Testamentsfälschungen hab ich dann sofort gewusst, dass es mich betrifft“, erzählt Elke Bertsch. Die Bestätigung durch einen Anruf des Anwalts folgte auf dem Fuß. „Ja, auch das Testament, durch das Sie geerbt hätten, ist gefälscht“, ließ sie Dr. Bechtold wissen. Elke Bertsch hadert nach außen hin nicht mit ihrem Schicksal. „Ich hab insofern Glück, als dass ich das Geld, das ich natürlich zurückgeben muss, noch habe. Ich muss mein Leben nicht verändern.“ Ärgerlich sind natürlich die angefallenen Kosten, die sich durch die komplexe Abhandlung der gefälschten Verlassenschaft angehäuft haben. „Natürlich hoffen wir, dass die Republik für den entstandenen finanziellen Schaden haftet. Die Chancen dafür sehe ich nicht so schlecht“, sagt Anwalt Bechtold. 25.000 bis 30.000 Euro hat Elke Bertsch bereits ausgegeben.

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Eine Wut auf jene, die ihr all das eingebrockt haben, verspürt Elke Bertsch nicht. „Sicher, es ist nicht angenehm. Aber so richtig wütend? Nein, bin ich nicht. Ich hoffe nur, dass die Betrüger ihre gerechte Strafe erhalten.“ Auch an der Justiz im Allgemeinen will Bertsch nicht zweifeln. „Komisch ist nur: Ich hab‘ geglaubt, so etwas kann vielleicht in Wien oder Graz passieren. Aber nicht vor meiner Haustüre.“ *Name von der Redaktion geändert

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