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"Wir haben immer kreiert und sind nicht auf den fahrenden Zug aufgesprungen"

Joachim Mangard (VOL.AT) joachim.mangard@russmedia.com
30 Jahre Conrad Sohm: Im W&W-Sonntagstalk spricht Gründervater Johannes Rothmeyer über die Entstehung des Prachtclubs, Einreiseprobleme für die US-Superstars Public Enemy und wieso das WANN & WO die Clubkultur ­maßgeblich mitgeprägt hat.
30 Jahre Conrad Sohm

WANN & WO: Welche Spuren haben 30 Jahre Conrad Sohm bei Hannes Rothmeyer hinterlassen?

Johannes Rothmeyer: Nachdem ich mich mit dem Ballhaus und dem Scala etabliert hatte, war ich auf der Suche nach etwas Neuem. Bei einer Sitzung hat mir Hanno Settele den Tipp gegeben, dass man hier in Dornbirn etwas nach meinen Vorstellungen machen könnte. Zwei Jahre später öffnete das Conrad Sohm dann seine Pforten.

©Thomas Wunderlich

WANN & WO: Vor welchen Herausforderungen bist du anfangs gestanden, auf welche Acts bist du besonders stolz?

Johannes Rothmeyer: Wir versuchen immer, den Zeitgeist einzufangen. Und diese Entwicklungen im Conrad Sohm abzubilden. Ich habe mich immer international orientiert und mich informiert, welche Szenerien das Geschehen in den Großstädten prägen. Ich wollte immer kreieren, und nicht auf einen fahrenden Zug aufspringen. Besonders beindruckt hat mich Bassist Stanley Clark. Er hat vor einem nahezu leeren Saal gespielt und mich aber trotzdem in meinem Weg bestärkt. Und mir Mut für das Projekt Conrad Sohm zugesprochen. Der lange Atem hat sich schlussendlich bewährt und mit Hannes Hagen habe ich einen perfekten Partner gefunden, der diese Location zu einem echten Generationen-Club gemacht hat.

WANN & WO: Gerade um den legendären Auftritt von Public Enemy ranken sich viele Mythen. Wieso war das Booking der US-Hip-Hop-Legenden so herausfordernd?

Johannes Rothmeyer: Zunächst haben wir den Rapper Flavour Flav am Tag nach dem Konzert kaum mehr wegbekommen, nach einer legendären Afterparty mit Frühstück im Martinspark, bei der die Konflikte mit dem Rest der Band dahingehend ausuferten, dass er sich von der Band getrennt hat und die Tour mit ihnen nicht mehr fortsetzen wollte.

©Thomas Wunderlich

WANN & WO: Bei der Einreise von Public Enemy in St. Margrethen kam es ja ebenfalls bereits zu Schwierigkeiten?

Johannes Rothmeyer: Allerdings. Die Band hatte einen blinden Passagier dabei. Denn ein Fan hatte sich bei ihrem Gig im Pariser Bataclan im Tourbus versteckt, ohne Papiere selbstverständlich. Deswegen wurde ihn dann am Schweizer Grenzübergang die Einreise verwehrt. Nach einer Stunde Verzögerung und einer persönlichen Intervention von mir am Zoll haben wir es aber trotzdem geschafft, die Show über die Bühne zu bringen. Neben De La Soul sicher einer der prägendsten Hip-Hop-Auftritte in meiner Zeit.

©Thomas Wunderlich

WANN & WO: Welche Spuren hat das Nachtleben bei Johannes Rothmeyer hinterlassen?

Johannes Rothmeyer: Meine gesamte Generation, die ihre Leben der Clubkultur gewidmet hat, weiß um den Tribut, den man zu zollen hat. Die Übergabe der operativen Agenden an Hannes Hagen hat mir geholfen loszulassen, da ich mit ihm einen kongenialen Partner für das Conrad Sohm gefunden habe.

WANN & WO: Welche Bedeutung hat die Junge Zeitung für die Geschichte des Conrad Sohms?

Johannes Rothmeyer: Mein guter Freund Harald Kloser, der das W&W gegründet hat, stand von Anfang medial an meiner Seite, schon zu Ballhaus- und Scala-Zeigen. Dann haben wir den Talente-Wettbewerb ins Leben gerufen, um jungen Vorarlberger Acts eine Bühne zu bieten. Damit hat das WANN & WO gemeinsam mit dem Sohm jener Jugendkultur eine Plattform gegeben, die in der Hochkultur vielleicht keinen Platz gefunden hätte. Und ist definitiv ein treuer Wegbegleiter, der auch großen Anteil an der gesamten Geschichte des Conrad Sohms und auch des Vorarlberger Nachtlebens hat.

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(WANN & WO)

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