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Wilderer: Psychiater Haller sieht "Kampf gegen Obrigkeit als Motiv"

Verhalten nach Polizeikontrolle kein Amoklauf: Vorgehen nach "abrufbereitem Plan".
Verhalten nach Polizeikontrolle kein Amoklauf: Vorgehen nach "abrufbereitem Plan". ©APA, VMH
Nicht die Jagdlust, sondern den Kampf gegen die Obrigkeit hat Gerichtspsychiater Reinhard Haller im Fall des 55-jährigen mutmaßlichen Wilderers als leitendes Motiv konstatiert.
Polizei fand verbrannte Leiche
Der Liveticker zum Nachlesen
Angehörige werden betreut
RK-Vizepräsident erschüttert
Polizeieinsatz wird evaluiert
Bundesheer-Panzer rollen an
Fahrzeuge gezielt beschossen
Das Großaufgebot der Polizei
Große Geiselnahmen in Österreich
Gefahrenjob Polizist
Schwarzer Tag für Polizei

Im Gespräch mit der APA beschrieb Haller den Mann aber nicht als “gespaltene Persönlichkeit, sondern als eine, die sich nach außen hin angepasst präsentiert, während das innere, ‘wahre Ich’ einen stark aggressiven Menschen ausmacht”. Diese Doppelrolle symbolisiere sich auch in den beiden Tätigkeiten als Jäger und Wilderer.

Kampf, “wer der Bessere ist”

Für Haller ist dies daher trotz seiner jahrzehntelangen Berufspraxis ein erstaunlicher Fall. Seiner Hypothese nach führte der Niederösterreicher, der beim Polizeieinsatz ein Blutbad angerichtet hat, einen Kampf mit den Behörden, bei dem es darum ging, “wer der Bessere ist.” Das würde zumindest sein Vorgehen erklären, bei dem er den erlegten Hirschen stets nur das Geweih abnahm und den Rest liegen ließ. Dieses unwaidmännische Verhalten sollte seine Kontrahenten kränken und entwürdigen. Zudem müsse der Mann zumindest dissoziale Züge aufweisen, auch wenn natürlich keine Diagnose erfolgen konnte.

“Er hat es wie im Film gemacht”

Die innere Haltung des Wilderers, dessen Leiche in der Nacht auf Mittwoch auf seinem Anwesen gefunden worden ist, habe bei diesem durch seine Aggressionen für eine ständige Anspannung, eine “permanente Kampfsituation” gesorgt. Sein Verhalten, nachdem er in die Polizeikontrolle kam, sah Haller nicht als Amoklauf. “Ich werde mich freischießen”, wäre in etwa der Ansatz des 55-Jährigen gewesen. “Er hat es wie im Film gemacht”, sagte der Gerichtspsychiater, der von einem bereits vorhandenen, “abrufbereiten Plan” sprach.

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wilderer450 ©Foto: APA/ Repro Paul Plutsch

 

Das mutmaßliche Ende des 55-Jährigen, “der sich wie ein verletzter Bär in seine Höhle zurückzog”, sei ebenfalls symbolhaft und ein “Ausdruck dafür, dass er die Niederlage nicht hinnehmen wird”. Mit seiner Verbrennung wollte er sicherstellen, dass man seinem toten Körper nicht habhaft wird, sagte Haller der APA. Das Töten des Hundes geschah laut Haller auch deswegen, damit dieser nicht dem “Feind” überlassen werden musste.

Wilderer starb durch Kopfschuss

Der 55-jährige Alois H., der in Niederösterreich bei einem Polizeieinsatz wegen Wilderei ein Blutbad angerichtet hat, ist durch einen Kopfschuss gestorben. “Wir gehen derzeit davon aus, dass es Selbstmord war”, sagte die Leiterin der Staatsanwaltschaft St. Pölten, Michaela Schnell, der APA. Im Haus des Mannes wurde ein umfangreiches Waffenarsenal entdeckt.

Der Leichnam des 55-jährigen Alois H. ist unterdessen laut Schnell von dessen Angehörigen identifiziert worden. Die noch ausstehende Obduktion soll die Identität des Mannes endgültig klären.

Umfangreiches Waffenarsenal

Im Keller des 55-Jährigen wurde ein “umfangreiches Waffenarsenal im dreistelligen Bereich” sichergestellt, sagte der stellvertretende Kommandant der Cobra, Walter Weninger, in einem ORF-Interview. Im Zuge des Einsatzes habe der Mann von “vielen Waffen” Gebrauch gemacht”, so Weninger. Zu deren genauer Zahl machte die Leiterin der Staatsanwaltschaft keine Angaben. Überprüft wird ihren Angaben zufolge deren Herkunft, “da im Raum steht, dass nicht alle legal erworben wurden.” Auch mehrere gestohlene Kennzeichen wurden gefunden.

APA
APA ©APA

Der als Wilderer verdächtigte Transportunternehmer hat am Dienstag drei Polizisten und einen Rotkreuz-Sanitäter erschossen. Davor wurde das Fahrzeug des 55-Jährigen, ein Toyota mit gestohlenen Kennzeichen, gefunden und daraufhin eine Straßensperre errichtet. Auslöser der Streifentätigkeit im Bezirk Lilienfeld waren Wildereien der vergangenen Jahre.

lilienfeld
lilienfeld ©Das Anwesen des Transportunternehmers.

Auf seiner Flucht verschanzte sich der 55-Jährige auf seinem Anwesen in Großpriel bei Melk, ein Großaufgebot von Einsatzkräften versuchte den Mann zum Aufgeben zu bringen. Bei dem Polizisten, dessen Leichnam auf dem Grundstück von Alois H. gefunden wurde, war der Todeszeitpunkt noch unklar. Dienstagabend wurde der Bauernhof gestürmt, nach einer stundenlangen Durchsuchung des verwinkelten Gebäudes wurde die verbrannte Leiche des Mannes in einem Geheimbunker im Keller entdeckt.

Insgesamt standen 135 Beamte der Cobra und 200 Exekutivkräfte 24 Stunden lang im Einsatz. Dazu kamen noch rund 70 Mitarbeiter des Roten Kreuzes. Ein Polizist, der bei dem Einsatz verletzt wurde, befand sich am Mittwoch auf dem Weg der Besserung. Der Beamte wurde von Splittern einer zerschossenen Windschutzscheibe leicht verletzt, ist aber psychisch angeschlagen.
 
(APA)

Liveticker zum Nachlesen:

Wilderer läuft Amok

Auch ein Kriseninterventionsdienst für die psychosoziale Betreuung stand rund um den Hof, in dem sich der Mann stundenlang verschanzt hielt, bereit. "Diese Mitarbeiter waren heute bereits im Einsatz um Angehörige zu betreuen", sagte Schmoll. Informiert wurden auch die umliegenden Krankenhäuser, "für den Fall des Falles dass mit einem stärkeren Patientenaufkommen zu rechnen ist", erklärte der Vizepräsident.

Das Rote Kreuz stand Dienstag in Großpriel mit insgesamt 69 Mitarbeitern im Einsatz, so Josef Schmoll, Vizepräsident des Roten Kreuzes. Dabei waren auch sieben Notärzte und die Besatzung zweier Christophorus-Notarzthubschrauber. Mit diesem Großaufgebot ist "die unmittelbare notärztliche Versorgung von 30 Verletzten sichergestellt", sagte Schmoll.

Da der Körper zur Unkenntlichkeit verkohlt sei, könne nur eine DNA-Analyse Klarheit bringen. Dies könne einige Tage dauern. Weitere Suchaktionen nach einem möglicherweise flüchtigen Täter seien nicht geplant.

Durch begleitende Ermittlungsarbeit während der laufenden Durchsuchung des weitläufigen Anwesens hatte die Polizei Kenntnis von dem Versteck erhalten. Dieses befand sich im Kellergeschoß. Wozu der Raum genutzt wurde, konnte Scherscher nicht sagen. In einem Gang ließ sich eine Wand wegdrücken wodurch man in den Geheimraum gelangte. "Die Einsatzkräfte haben die Tür geöffnet und wollten in den Raum eindringen, im Raum selbst hat es aber gebrannt", so Polizeisprecher Roland Scherscher bei einer Pressekonferenz in Melk. Das Feuer dürfte gelegt worden sein, und habe bereits längere Zeit gebrannt, als die Cobra den Geheimraum entdeckte. Der zuströmende Sauerstoff hatte die Flammen zusätzlich angefacht. Als das Feuer gelöscht wurde "konnte eine verbrannte männliche Leiche entdeckt werden", sagte Scherscher.

Insgesamt standen 135 Beamte der Cobra und 200 Exekutivkräfte im Einsatz. Das Gebäude sei von den Beamten vollständig untersucht worden, es könne davon ausgegangen werden, dass sich nichts Gefährliches mehr darin befindet. Die Durchsuchung des Anwesens war äußerst kompliziert und risikoreich. Der Täter hätte "hinter jeder Ecke lauern können".

Die stark verbrannte Leiche befindet sich laut Polizei in einem "entsprechenden Zustand". Obwohl es kaum Zweifel gibt, dass es sich dabei um den 55-Jährigen handelt, wurde dadurch die Feststellung der Identität und der Todesursache erschwert. "Wir sind froh, dass wir den Einsatz nach 24 Stunden beenden konnte", so Roland Scherscher vom Landespolizeikommando Niederösterreich.

Alois H. ist tot. Im Gehöft wurde ein Geheimversteck entdeckt, in dem eine verbrannte Leiche lag. Es sei davon auszugehen, dass es sich um den Täter handelt, so die Polizei

+++ Mutmaßlicher Schütze Alois H. tot +++

Unbestätigten Meldungen zufolge wurde der Täter gefasst. Unklar sei, ob tot oder lebendig.

Die Polizei hat kurzfristig eine Pressekonferenz anberaumt.

Auf dem verwinkelten Anwesen wurde Dienstagnachmittag auch die Leiche des vierten Opfers gefunden. Der Polizist, der von dem 55-Jährigen zunächst bei einem Schusswechsel bei einer Straßensperre als Geisel genommen worden war, wurde tot aus der Scheune des Gehöfts geborgen.

Keine Spur von Alois H.: In dem Haus sei es sehr ruhig, es seien keine weiteren Schüsse gefallen. Doch der 55-jährige mutmaßliche Täter wurde von den Einsatzkräften bisher nicht gefunden, so der Sprecher der Cobra gegenüber der APA.

Weitere Geiseln dürfte der Amokläufer also nicht in seiner Gewalt haben.

Der Wilderer hält sich noch immer verschanzt. Von Seiten der Cobra hieß es, es seien keine weiteren Personen gefährdet.

"Er schießt sehr schnell", so der Cobra-Sprecher des Weiteren. Zu dem Gesuchten habe man "aktuell keinen Kontakt".

Es handle sich "um ein großes Anwesen" mit einem viergeschoßigen Gebäude und Nebengebäuden, "das dauert seine Zeit", so Polay gegenüber der APA. Viele Türen seien verschlossen, die Räumlichkeiten sehr verwinkelt, dementsprechend schwierig gestaltet sich die Durchsuchung. Die Sicherheit der Beamten, die entsprechende Schutzausrüstung tragen würden, sei zu gewährleisten.

"Wir haben es mit einem sehr brutalen Menschen zu tun", begründete Detlef Polay, Sprecher des Einsatzkommandos Cobra (Eko Cobra), gegenüber dem TV-Sender "Puls 4" das behutsame Vorgehen der Kräfte.

Auch nach 23.00 Uhr gab es zunächst keine Neuigkeiten vom Ort des Geschehens, so die Exekutive. Die Durchsuchung des Bauernhofes dauerte in den Nachstunden weiter an.

Der Nervenkrieg dauert an: Seit nunmehr 15 Stunden hält der Amokläufer von Lilienfeld Österreich in Atem. Seit gut dreieinhalb Stunden durchsucht die Cobra das weitläufige Anwesen, dabei im Einsatz: zwei Schützen- und ein Pionierpanzer aus der Kaserne Melk. Die Panzerfahrzeuge wurden eingesetzt, weil sie den besten Schutz bei der Annäherung boten, betonten die Einsatzkräfte.

Die Opfer des Blutbades: Vier Menschenleben hat der Amoklauf des 55-Jährigen gefordert, die Opfer waren allesamt Familienväter: Auf Seite der Polizei starben der 38-jährige Revierinspektor Roman Baumgartner, der für die Cobra im Einsatz stand, sowie zwei Polizisten, Manfred Daurer (44) und Johann Ecker (51), die als Gruppeninspektoren im Bezirk Scheibbs tätig waren. Rotkreuz-Rettungssanitäter Johann Dorfwirth, 70 Jahre alt und 32 Jahre im Dienst, verlor ebenfalls sein Leben. (v.l.n.r.). (Foto: APA/ LPD NÖ/ RK NÖ Lilienfeld)

Ein Spezialfahrzeug des Innenministeriums beim Verlassen des gesperrten Bereiches um das Gehöft. Die Durchsuchung des Geländes dauert noch immer an. (Foto: APA)

Das bisher letzte Lebenszeichen des Verdächtigen habe es gegen 17.30 Uhr gegeben, als ein einzelner Schuss aus dem Bauernhof abgegeben worden sei, erfuhr die APA von den Einsatzkräften. Zuvor hatte der 55-jährige Mann immer wieder Schüsse aus dem Gehöft heraus abgefeuert.

Nach Angaben der Polizei führe die Cobra eine "gesicherte Durchsuchung" des weitverzweigten und verwinkelten Anwesens durch. Die Eigensicherung der Beamten gehe vor, die Aktion könne noch dauern. Derzeit seien mehrere Dutzend Polizisten unmittelbar auf dem Gelände im Einsatz.

Durchsuchung läuft: Seit ca. 18.20 Uhr führt die Cobra einen Zugriff auf dem Gehöft durch, gegen 20.00 Uhr war der Einsatz noch im Gang.

"Mich haben sie auch angeschossen. Am Bauch. Aber das ist jetzt schon egal. Die 'Burgi' (den Schäferhund des Mannes, Anm.) hab i schon daschossn, und mi werden s'a net kriegen", gab der Bekannte die Aussagen des Wilderers gegenüber der "Krone" wieder. Gegenüber dem "Kurier" erinnerte sich der Freund an die Worte: "Ich hab' die Burgi schon erlöst."

Auf die Frage des "Kurier", ob sich H. zuletzt verändert habe, antwortete dieser: "Vor ein paar Wochen hat er erstmals angefangen, darüber zu reden, dass er irgendwelche Probleme hat. Dass er so etwas wie ein zweites 'Ich' habe."



"I bin da Wilderer vom Annaberg" - Schütze beichtete Tat: Alois H. hat nach der Tat mit einem Freund telefoniert. "Es ist leider wahr", habe der 55-Jährige (im Bild; Foto: APA/ Repro Plutsch) in dem Gespräch gebeichtet, zitiert die "Kronen Zeitung" den Bekannten. "I bin nämlich der Wilderer vom Annaberg." Auch der "Kurier" sprach mit dem Freund, der H. als begeisterten Jäger bezeichnete.

Die Panzer sind mittlerweile bis zum Hof vorgefahren, die Einsatzkräfte dürften sich dazu entschieden haben, das Gebäude zu stürmen. (Foto: APA)

Seit 7.00 Uhr am Morgen hält sich Alois H. nun in seinem Hof verschanzt. Das Gebäude in Großpriel wird von Polizei und Cobra belagert. (Foto: APA)

Über die Tatwaffe, angeblich eine Langwaffe, konnte Scherscher nichts sagen. Auch, ob es sich bei dem 55-Jährigen tatsächlich um den seit Jahren gesuchten Wilderer handelt, konnte der Ermittler nicht bestätigen.

Ermittlungen laufen seit 2008: Die Polizei ermittelt seit 2008 in mindestens acht Fällen von Wilderei in Niederösterreich und der Steiermark. Im März 2011 wurde der Wilderer von einem Jäger in Bezirk Melk auf frischer Tat ertappt. Der Verdächtige attackierte den Waidmann und flüchtete zu Fuß, sein Auto wurde sichergestellt. Da der Mann jedoch gestohlene Kennzeichen verwendete, kam man ihm nicht auf die Schliche.

Wie die LPD bei der heutigen Pressekonferenz berichtete, fiel in der Nacht auf Dienstag bei Annaberg erneut ein verdächtiges Fahrzeug auf. Beamte des Landespolizeikommandos und Einsatzkräfte der Cobra legten sich daraufhin auf die Lauer.

"Unsere Gedanken und unsere innige Anteilnahme sind bei den Familien von Dorfwirth und den ebenfalls erschossenen Polizisten", so Sauer weiters. "Johann Dorfwirth hat den Spruch 'Aus Liebe zum Menschen' gelebt. Er war menschlich, menschlich bis zuletzt."

"Wir haben mit Johann Dorfwirth einen ganz besonderen Mitarbeiter verloren", sagte Rotkreuz-Präsident Willi Sauer. Er sei seit 32 Jahren in verschiedensten Positionen für das Rote Kreuz tätig gewesen, war vielfach ausgezeichneter Rettungssanitäter und Ortsstellenleiter in Annaberg. "Die Rotkreuz-Stelle in Annaberg würde ohne Johann Dorfwirth nicht existieren", hieß es in einer Aussendung der Organisation.

Rotes Kreuz trauert um Mitarbeiter: Nach dem Blutbad hat das Rote Kreuz seiner Trauer über den Verlust eines langjährigen Mitarbeiters Ausdruck verliehen. Der 70 Jahre alte Johann Dorfwirth war mit einem Rettungswagen einem verletzten Cobra-Polizisten zu Hilfe geeilt war, der von dem Wilderer zuvor angeschossen worden war. Aus dem Hinterhalt soll der 70-Jährige von Alois H. erschossen worden sein. (Foto: Rotes Kreuz)

Das Fahrzeug des Täters (Foto: APA/ BMI):

"Niederösterreich trauert um unseren Mitarbeiter. Wir wollen den Angehörigen tiefes Mitgefühl aussprechen", sagte Josef Schmoll, Vizepräsident Rotes Kreuz bei der Pressekonferenz über den 70-jährigen Rettungssanitäter, der heute sein Leben lassen musste.

"Es ist einer der schwärzesten Tage", fügte Scherscher abschließend hinzu.

Dass sich Sprengstoff im Haus befinden würde, konnte der Ermittler nicht bestätigen, der Entminungsdienst sei als Vorsichtsmaßnahme hinzugezogen worden. Der Nahbereich um das Anwesen wurde großräumig evakuiert. (Foto: APA)

Wilderer noch immer auf Bauernhof verschanzt: Sichtlich bewegt haben die Polizei und das Rote Kreuz am Dienstag bei einer Pressekonferenz über die Vorkommnissen auf der Jagd nach dem Wilderer berichtet. Roland Scherscher vom Landespolizeikommando Niederösterreich bestätigte im Zuge dessen, dass sich der 55-Jährige noch immer in seinem Haus nahe Melk verschanzt hält. (Foto: APA; im Bild: Roland Scherscher von der LPD und Josef Schmoll vom Roten Kreuz)

Hier soll sich der Amokläufer seit Stunden verschanzt halten: (Foto: EPA)

Als Zeichen des Respekts für die Opfer und aus Mitgefühl für die Angehörigen rief der Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst die Abgeordneten zu einer Schweigeminute auf. Redner aller Fraktionen äußerten sich betroffen über das Blutvergießen in Niederösterreich.

Schweigeminute im Nationalrat: Auch der Nationalrat gedachte am Dienstag in einer Schweigeminute der ermordeten drei Polizisten und des Sanitäters. Der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer (ÖVP) unterbrach kurz die Sondersitzungs-Debatte über Korruption, um den Abgeordneten von dem "schrecklichen Vorfall" zu berichten.

Zur Lage vor Ort hieß es am späten Nachmittag: "Unverändert. Der Verdächtige wird im umstellten Gebäude vermutet. Wir gehen davon aus, dass er allein ist." Zuvor war kurz Rauch aus dem Vierkanthof gedrungen, die Ursache war zunächst unklar.

Großaufgebot der Polizei: Bilder (Quelle: APA/ EPA)

Warum der Jäger heimlich gewildert habe, erläutert ein Sprecher gegenüber der APA so: "Weil er in seinem eigenen Revier keine Hirsche hat."

Mittlerweile gilt es als belegt, dass es sich bei dem 55-Jährigen, der bisher nie polizeilich auffällig gewesen sei, um einen Wilderer handle, der seit längerem in der Gegend sein Unwesen getrieben haben soll.

Details zum Schützen: Bei dem Wilderer soll es sich um einen 55 Jahre alten Transportunternehmer aus der Ortschaft Großpriel bei Melk in Niederösterreich handeln. Alois H., laut oe24 der Name des Schützen, lebe alleine und sei Jäger, der legal mehrere Waffen, vor allem für die Jagd, besitze.

Über die genauen Hintergründe, wie das vierte Opfer zu Tode kam, wollen die Ermittler bei einer Pressekonferenz um 17.00 Uhr berichten. Dort sollen auch weitere Auskünfte erteilt werden und der Sachverhalt näher gebracht werden. Bisher hatte die Polizei nur spärliche Information weitergegeben.

Die Opfer des Amoklaufes: Zu den Erschossenen zählen drei Polizisten, davon ein Beamter der Cobra, sowie ein Sanitäter. "Unserer Gedanken sind bei den Angehörigen der Verstorbenen", so Baumschlager.

"Es ist heute Nacht zu einer unvorstellbaren Bluttat gekommen", sagte der Ermittler. Bei dem Toten handelt es sich um einen Polizisten. Damit hat der Wilderer mutmaßlich vier Menschenleben auf dem Gewissen.

"Unvorstellbare Bluttat": Sichtlich gezeichnet hat der niederösterreichische Polizeisprecher Johann Baumschlager (im Bild) bei einem kurzen Pressebriefing vor Journalisten ein viertes Opfer bei der Geiselnahme im Bezirk Lilienfeld offiziell bestätigt. (Foto: APA)

Um 17.00 Uhr wird die Polizei in Lilienfeld eine Pressekonferenz abhalten.
15:17 | Edgar Netzer

Der Wilderer hat offenbar einen vierten Menschen getötet: Die Polizei fand in dem entwendeten Streifenwagen auf dem Bauernhof des Verdächtigen in Großpriel die Leiche des vermissten Polizisten, der von dem Wilderer bei seiner Flucht als Geisel genommen worden war.
15:08 | Edgar Netzer

Einer der beiden Tatorte nahe Annaberg:
14:39 | Edgar Netzer

Das Einsatzfahrzeug der Cobra-Beamten, die den Mann festnehmen wollten. Einer von ihnen verstarb im Krankenhaus.
14:36 | Edgar Netzer

Zwei Schützenpanzer des Bundesheers rollen zur Verstärkung des Polizeiaufgebots an, welches das Haus des Wilderers umstellt.
14:33 | Edgar Netzer

Er feuerte auch auf einen Rettungswagen, der nach den ersten Schüssen zum Hilfseinsatz ausgerückt war. Ein Sanitäter kam dabei ums Leben. Mit einem Streifenwagen und einem Polizisten als Geisel flüchtete sich der Mann auf seinen Bauernhof, wo er sich seither verschanzt hält.
14:32 | Edgar Netzer

Jetzt ist es offiziell, die Nachrichtensperre aufgehoben: Der Mann erschoss in der Nacht zwei Polizisten und verletzte zwei weitere.
14:27 | VOL Redaktion

"Das ist alles ganz tragisch", erzählt ein etwa 30 Jahre alter Anrainer, um den sich die Reporter "reißen". Großpriel sei ein "kleines Bauerndorf mit 15 Häusern". "Ich hätte mir das von ihm nie gedacht", sagt der Mann über den mutmaßlichen Wilderer.
"Es wird noch dauern", sagt ein Polizist den Medienvertretern, darunter auch einige Kollegen aus Deutschland. Genaue Informationen zum Stand der Dinge gibt es an Ort und Stelle keine. "Der Einsatz ist am Laufen", heißt es von Seiten der Beamten.
14:27 | VOL Redaktion

Schon zuvor sind immer wieder Einsatzkräfte mit Blaulicht von und zu dem Vierkanthof gefahren: vermummte Beamte des Einsatzkommandos Cobra, Angehörige des Entminungsdienstes, der Feuerwehr und des Roten Kreuzes. Letztere evakuieren älterer Menschen aus der Gefahrenzone. Nicht alle Anrainer werden durch die Straßensperre gelassen.
14:26 | VOL Redaktion

Die Straßen zum Anwesen sind gesperrt, Polizisten mit schusssicheren Westen und Sturmgewehren bewachen eine Kreuzung, rund einen Kilometer entfernt. Plötzlich rollen drei Panzer, begleitet von zahlreichen Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht, an.
Großpriel. Es nieselt. Dutzende Journalisten, Fotografen und Kameramänner warten in der Kälte auf Neuigkeiten. Plötzlich fährt der Tross aus Polizeiautos, Panzer und einem Militär-Lkw durch die Landschaft aus Maisfeldern, Wiesen und Wald.
14:04 | VOL Redaktion

Das Täterprofil habe teilweise mit jenem, das weiteren Fällen in anderen Bezirken zugrunde liegt, übereingestimmt, meinte Schacherl. Über das Motiv habe unter den betroffenen Jägern, Jagdaufsehern und Hegemeistern bis zuletzt Rätselraten geherrscht. "Manche glaubten an Rachenakte an der Jägerschaft, andere hielten eher die Lust am Töten für die Ursache", so der Bezirksjägermeister.
14:03 | VOL Redaktion

Der oder die Wilderer nahmen immer nur die Häupter der erlegten Hirsche mit. Die Kadaver ließen sie an Ort und Stelle liegen, so Schacherl. Meist dürften die Tiere vom Auto aus geschossen worden sein, meinte der Bezirksjägermeister und Hüttenwirt. "Mir ist auch aufgefallen, dass der Täter sich immer Fluchtwege auf beiden Seiten offengehalten hat. Bei Annaberg kommt er beispielsweise Richtung Mariazell oder Richtung Lilienfeld davon."
14:02 | VOL Redaktion

Was war heute passiert? "Nach mehreren Jahren Wilderei wurde in der Nacht zum 17. September 2013 ein Verdächtiger von Polizisten in einem Wald bei Annaberg angehalten", schilderte NÖ Polizeisprecher Johann Baumschlager den Auslöser einer Bluttat und mit nachfolgender Geiselnahme, die in der Nacht auf Dienstag das Land erschütterte. "Wir sind alle schwer geschockt", sagte Schacherl. "Diese Vorkommnisse sind wie aus heiterem Himmel gekommen." Denn in Lilienfeld hätten der oder die Wilderer zuletzt eine längere "Pause" eingelegt. "Im Vorjahr gab es nichts in unserem Bezirk." Es sei vermutet worden, dass der erhöhte Druck durch die Polizeifahndung und die erhöhte Aufmerksamkeit der Bevölkerung den oder die Schützen vertrieben haben könnten.
14:01 | VOL Redaktion

Seit Jahren wird im Bezirks Lilienfeld Rotwild gewildert, das Landeskriminalamt Niederösterreich richtete sogar eine Sonderkommission ein. "Die toten Hirsche lagen immer in Straßennähe, oft auf einer Wiese", berichtete Bezirksjägermeister Martin Schacherl im APA-Gespräch. Er selbst weiß von sechs gewilderten Tieren innerhalb von sechs Jahren in seinem eigenen Hegebereich, weitere Vorfälle trugen sich in Nachbarbezirken und in der Steiermark zu.
13:34 | VOL Redaktion

Der klassische Wilderer, den es in Österreich bis in die 1980er-Jahre gegeben habe, sei gänzlich anders gewesen, sagte Girtler. Meist habe es sich um Angehörige der armen Landbevölkerung gehandelt, die aus wirtschaftlicher Not und auch aus Abenteuerlust in den Wald gingen. Als Beispiel kann der Osttiroler Pius Walder gelten, dessen Tod 1982 durch den Schuss eines Jägers bis heute Stoff für Legendenbildung liefert. Für Girtler war Walder der wohl letzte Wilderer alten Schlages. Das alte "Mannbarkeitsritual" der Wilderei sei seither der Geweih-Sammelwut einzelner gewichen.
13:33 | VOL Redaktion

Der Wilderer modernen Typs interessiere sich nicht für das Fleisch der erlegten Tiere, sondern nur für Trophäen. Auch der Ehrbegriff früherer Zeiten gelte nicht mehr, glaubt der Soziologe, der sich wissenschaftlich mit der Wilderei befasst. Der "Raubschütz" bewege sich nicht mehr auf natürlichem Wege zu Fuß durch den Wald, sondern mit dem Auto, um gleich mehrere Tiere schießen zu können. Im Gegensatz zu früher seien dabei Muttertiere vor ihm nicht sicher und der Bestandsschutz gleichgültig. Und er scheue auch nicht vor Konfrontationen mit Jägern zurück.
13:32 | VOL Redaktion

Der Raub von Wildbret wird seit mehr als 1000 Jahren vom Gesetz bestraft. Doch das traditionelle Recht der Grundbesitzer auf Fleisch und Früchte ihres Waldes wird seit Beginn der Moderne gern in romantisch verklärter Literatur und Filmen angefochten, die den Wilderer nach Worten des Heimatschriftstellers Peter Rosegger zum "Freibeuter der Berge" verklären.
Der Soziologe Roland Girtler hält dieses Bild vom noblen Wilderer allerdings für veraltet, sagte er der APA. Wo früher echte Wildschütze auf der Jagd gewesen seien, gebe es heute fast nur mehr reine "Raubschütze" mit kriminellen Motiven.
13:30 | VOL Redaktion

Polizeibeamte auf dem Weg zu der Geiselnahme.
12:56 | VOL Redaktion

Nähere Details zum Tod des Rettungs-Sanitäters und der Geiselnahme: Während der Versorgung des verletzten Polizisten - noch am Tatort - durch die Rettung schoss der Mann erneut und traf den Fahrer des Rotkreuzwagens. Der zweite Cobra-Polizist wurde ebenfalls verletzt.
Der mutmaßliche Wilderer flüchtete danach zu Fuß. Einige Kilometer weiter, an einer Kreuzung der Bundesstraßen 20 und 28 in Richtung Puchenstuben, stieß der Mann auf einen Streifenwagen und feuerte wieder. Einer der Beamten, ein Polizist aus dem Bezirk Scheibbs, erlitt einen Treffer. Dessen Kollege wurde offenbar zur Geisel des Verdächtigen, der mit dem Polizeiauto zu seinem Bauernhof bei der Ortschaft Großpriel bei Melk flüchtete.
12:54 | VOL Redaktion

Rund 100 Polizisten umzingeln seit etwa 7 Uhr das Anwesen, die Umgebung wurde großräumig abgesperrt. Die Polizei bestätigte indes, dass der Verdächtige immer wieder aus dem Bauernhaus heraus Schüsse abgab. "Er ist offensichtlich schwer bewaffnet", sagte ein Sprecher. Die Polizei zog auch Angehörige des Verdächtige bei, die versuchten, ihn auf seinem Handy zu erreichen, vorerst erfolglos. "Eine Kontaktaufnahme mit dem Mann war bisher nicht möglich."
12:51 | VOL Redaktion

Bei den Verhandlungen mit dem Geiselnehmer würde es vor allem darauf ankommen, "den Mann zu überzeugen, dass er sehr wohl noch etwas zu verlieren hat." So schwierig das sei, dann hätte man einen "Schuh in der Tür", so die Fachärztin. Zusätzlich würde es natürlich notwendig sein, möglichst viel über die persönliche Situation des Mannes heraus zu finden.
12:50 | VOL Redaktion

Auch wenn es bisher kaum Hintergründe über das Vorleben des Wilderers gibt, so lässt sein "schnellschüssiges" Verhalten gewisse Rückschlüsse auf seine Person zu. Neben der nicht vorausplanenden, heftig agierenden Persönlichkeitsstruktur, ist es weiters denkbar, dass diese heikle emotionale Ausgangslage durch Alkohol noch forciert worden sein könnte. Die Reaktion des Mannes könnte ebenso Produkt einer Abfolge von für ihn nachteilig wahrgenommenen Erlebnissen sein. Ebenso ist zusätzlich eine akute Drucksituation denkbar, die dann im Moment der Festnahme zu einer derartigen Eskalation geführt haben, erläuterte Kastner.
12:49 | VOL Redaktion

Was die Geisel betrifft, so würde es keinen großen Unterschied machen, dass diese ein Polizist sei. "Es ist bereits eine derartige Ausnahmesituation eingetreten, dass es nicht mehr wirklich ausschlaggebend ist. Man kann dem Beamten nur wünschen, dass ihm seine Ausbildung in dieser Lage zum Vorteil gereicht."
12:48 | VOL Redaktion

Grundsätzlich sind laut Kastner einige Faktoren ausschlaggebend, damit jemand einen Handlungsstil nach dem Motto "Jetzt ist eh schon alles egal" an den Tag legt. Das betonte die auch als Gutachterin tätige Expertin. Logisch nachvollziehbar seien solche Eskalationen, die es oft, wenn auch nicht in diesem Ausmaß gebe, nicht mehr.
12:47 | VOL Redaktion

Eine impulsive Persönlichkeitsstruktur könnte einer der Auslöser sein, dass ein Wilderer in Niederösterreich in der Nacht auf Dienstag derart heftig agierte. "Die erste Aggressionshandlung des Mannes war derart impulsiv, dass sie diesen Schluss zulässt", sagte Adelheid Kastner, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, im Gespräch mit der APA.
12:38 | VOL Redaktion

Der Mann hat sich auf seinem Bauernhof in Großpriel verschanzt.
12:37 | VOL Redaktion

Die Polizei bei einer Straßensperre.
12:13 | VOL Redaktion

Dass sich Kinder im Haus aufhalten, stimmt Meldungen zufolge - definitiv - nicht. Angeblich soll der Wilderer aber über ein entsprechendes Waffenarsenal im Haus verfügen wie oe24 berichtet.
12:02 | VOL Redaktion

Unbestätigt: Wie der Kurier berichtet, könnten sich auch die Kinder des Wilderers im Haus befinden. Ebenso wird von Handgranaten geschrieben. Dafür gibt es jedoch keine Bestätigung.
11:48 | VOL Redaktion

Nach Angaben des Innenministeriums hatten Polizisten den Mann nach mehreren Jahren Wilderei in der Nacht zu Dienstag in einem Wald bei Annaberg gestellt. Doch er flüchtete und schoss auf die Beamten. Dabei wurden zwei Polizisten und ein Sanitäter tödlich getroffen. Ein weiterer Polizist werde noch vermisst. Ob dieser sich in der Gewalt des Täters befinde, wollte ein Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Auch weitere Hintergründe blieben unklar.
11:33 | VOL Redaktion

Am Vormittag hatte sich der Mann weiter in dem Haus verschanzt. Die Polizei und die Spezialeinheit Cobra waren und sind an Ort und Stelle.
11:31 | VOL Redaktion

Die Polizei verfolgte den amtsbekannten Wilderer offenbar seit geraumer Zeit. Nach Hinweisen, dass der Mann in Annaberg erneut unterwegs ist, errichtete die Exekutive in der Nacht eine Straßensperre. Bei der Kontrolle eröffnete der Mann sowohl auf die Polizei als auch auf die Rettung das Feuer. Am Vormittag hatte sich der Mann weiter in dem Haus verschanzt. Das Gebiet war großräumig abgesperrt.
11:31 | VOL Redaktion

Neue Eilt-Meldung: Der Verdächtige verschanzte sich nach seiner Flucht in seinem Bauernhof in der Nähe von Melk und nahm einen Polizisten als Geisel. Das Gehöft wurde umgehend von der Cobra umstellt. Auch auf Beamte der Spezialeinheit feuerte der Verdächtige immer wieder.
10:59 | VOL Redaktion

Derzeit gibt es keine genauen Angaben zum Tathergang.
10:20 | VOL Redaktion

Wilderer läuft in Niederösterreich Amok
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