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Wie sicherer Wintertourismus in Vorarlberg möglich ist

Das MCI legt erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts vor, wie es heuer eine erfolgreiche Wintersaison werden kann.
Das MCI legt erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts vor, wie es heuer eine erfolgreiche Wintersaison werden kann. ©VN
Fünf Handlungs-Empfehlungen aus der Forschung für den Vorarlberger Tourismus.
Corona soll Skifahren keinen Abbruch tun

Aufgrund der Corona-Pandemie, steigenden Infektionszahlen, Reisebeschränkungen und anderen Hemmnissen bahnt sich eine Wintersaison mit vielen ausbleibenden Touristen an. Für ein Bundesland wie Vorarlberg, das stark von den Einnahmen aus dem Wintertourismus abhängig ist, ein großes Problem.

Was machen die Deutschen?

Angst macht allen Beteiligten vor allem, dass wegen der Reisewarnungen des Auswärtigen Amts deutsche Touristen ausbleiben könnten - die machten in Vorarlberg und Tirol zuletzt mehr als die Hälfte aller Übernachtungen aus.

Der Gesundheitsschutz der Regierung ist wichtig, geht aber zulasten der Betriebe und Angestellten im Tourismus.

Wie es gehen kann

Um den Schaden im Wintertourismus für Vorarlberg und Tirol so gering wie nur möglich zu halten, führt die Unternehmerische Hochschule MCI gerade ein einschlägiges Forschungsprojekt zum Wintertourismus in Westösterreich durch. In der ersten Phase des Projekts mit dem Namen „COVID-19 – Risikomanagement Wintersaison 2020/2021“ wurden Vertreter von Gemeinden, Tourismusverbänden und Seilbahnbetrieben befragt,
um den Status Quo in den einzelnen Destinationen zu skizzieren und lokale Potenziale, Bedürfnisse und Herausforderungen zu identifizieren. Nun liegen vom Center for Social and Health Innovation (CSHI) am MCI erste Ergebnisse vor, wie es heuer eine sichere und erfolgreiche Wintersaison werden kann.

"Um einen sicheren Wintertourismus zu gewährleisten, muss die Komplexität des COVID-19 Managements reduziert, transparent kommuniziert, einheitlich gehandelt, die Kompromissbereitschaft gefördert und attraktiv gehandelt werden", schreibt das MCI auf seiner Webseite.

Diese ersten Zwischenergebnisse wurden in fünf Handlungsempfehlungen gegossen.

Die fünf Handlungsempfehlungen

(im MCI-Originalwortlaut)

1.) Komplexität reduzieren (Keep it simple)

Wir wissen heute gut Bescheid über die betreffenden Umstände eines Infektionsgeschehens. Es muss nicht alles zum Gegenstand akribischer Kontrollen werden. Es gilt kritische Punkte, Kontexte und Situationen zu identifizieren und für diese wenigen, aber entscheidenden Hotspots einfache, aber wirksame Konzepte anzuwenden. Mit den Regeln für die Gastronomie hat die Bundesregierung hier einen ersten Schritt gesetzt.

2.) Transparent kommunizieren

Viele Akteure warten auf gesetzliche Vorgaben und klammern eine proaktive Vorgehensweise auf lokaler Ebene häufig aus. In diesem Zusammenhang wird in der Umfrage des CSHI ein Defizit an Vernetzung der Tourismusakteure benannt und die fehlende Regelung von Verantwortlichkeiten zwischen regionalen und überregionalen Akteuren kritisiert. Das Motto für die nächsten Wochen muss lauten: „Wir agieren proaktiv und vorausschauend in unserem jeweiligen Verantwortungsbereich und warten nicht bis jedes Detail durch flankierende Maßnahmen der Länder oder der Bundesregierung geregelt ist, freuen uns aber über jede abgestimmte Regelung, die Sicherheit für die Wintersaison bringt.“

3.) Einheitlich handeln

Besonders große und mittlere Skigebiete treiben die Vorbereitungen von Maßnahmen für den Wintertourismus voran. Die Erhebung des CSHI zeigt, dass dies aber nicht für alle gleichermaßen möglich ist bzw. angestrebt wird. Zugleich stecken viele Akteure viel Aufwand in Parallelaktivitäten. Hier bleibt Potential für Synergien in Bezug auf Ressourcen und Wissen noch ungenutzt. Beispielsweise könnten viele regionale Investitionen in das Contact Tracing gebündelt werden, wenn damit die flächendeckende Verankerung der Stopp-Corona-App unterstützt würde. Die schnelle Rückverfolgung von Kontakten ist eine der Herausforderungen, die es im Winter zu bewältigen gilt, um das Infektionsgeschehen möglichst niedrig zu halten. Deshalb ist eine einfache, aber effektive Registrierung erforderlich“, fasst Hubert Siller, Leiter MCI Tourismus, die Situation zusammen.

4.) Kompromissbereitschaft fördern

Es braucht die Etablierung einer glaubwürdig untermauerten Botschaft: „Sicheres Tirol, sicheres Vorarlberg, sichere Wintersaison. Die Gesundheit der Einheimischen, der Mitarbeiter/innen und der Gäste steht bei uns an erster Stelle“. Die Konkurrenz sitzt dieses Jahr nicht im Nachbartal, die Konkurrenten sind das Virus, die Reisewarnung, der Lockdown. Sicherheit ist dort gegeben wo Verdichtungen vermieden bzw. systematische Auflockerungen von Gruppen vorgenommen werden. Die Ergebnisse des CSHI zeigen allerdings, dass die Bereitschaft zur Reduktion von Auslastungen bisher nicht zur Debatte stand.

5.) Attraktivität erhalten

Die aktuelle Situation beinhaltet das Potential einen Kulturwechsel im Wintertourismus anzustoßen. Nicht alle Maßnahmen müssen der Minimierung von Infektionsgeschehen zugeordnet werden, sondern können darüber hinaus einen neuen Servicegedanken etablieren und langfristig die Qualität der Angebote im Wintertourismus erhöhen. (Stichworte: Kein Gedränge beim Anstehen, kein Warten auf Tickets da vorab Onlinebuchung möglich, virtuelles Anstehen, geregeltes Frequenz- und Platzmanagement in Gondeln und Skihütten). Darüber hinaus gilt es die Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Gesundheitswesen, den Schulen usw. im Auge zu behalten. Das Risikomanagement im Winter gilt für alle Lebensbereiche.

Phase 2

Die Zwischenergebnisse werden nun zu einem Handlungsmodell für die Wintersaison zusammengeführt, das wiederum an alle Gemeinden, Tourismusverbände und Seilbahnunternehmen in Tirol und Vorarlberg gesendet wird. Gleichzeitig sind in der zweiten Phase auch alle Betriebe eingeladen, an der Befragung zum Handlungsmodell teilzunehmen.

Lukas Kerschbaumer vom Center for Social & Health Innovation am MCI betont: "Ein von allen getragenes Risikomanagement für den Wintertourismus hilft uns auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Gesundheitswesen, den Schulen usw."

(VOL.AT)

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