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Weltweit Engpässe bei Babymilchpulver: Chinesen kaufen Geschäfte leer

Heimischen Produkten trauen die Chinesen nicht mehr.
Heimischen Produkten trauen die Chinesen nicht mehr. ©AP
Ausländisches Babymilchpulver ist heiß begehrt in China - und das hat drastische Folgen in Geschäften von Europa bis Australien. Regale sind leergekauft, die Nachfrage übersteigt das Angebot. Verantwortlich dafür sollen Netzwerke privater chinesischer Händler sein, die Milchersatz aufkaufen und in ihre Heimat verschicken. Aber selbst sie stoßen inzwischen an Grenzen.
Milchpulver-Skandal
Milchpulverskandal 2008
Milupa: Kein Problem in Österreich

“Es wird schwieriger, Milchpulver zu finden. Für jede Packung muss ich weiter laufen”, sagt eine Chinesin mit dem Nachnamen Shao, die irgendwo in Deutschland lebt und Babymilch über das Internet zum Verkauf anbietet. Sie gehört zu jener kleinen Armee von Geschäftsleuten, die überall in Europa an ihren Wohnorten die Bestände aufkaufen und Händler zu Rationierungen treiben.

Kein Vertrauen in heimische Produkte

Chinesische Eltern trauen den heimischen Produkten nach Skandalen um Gift in Babymilch nicht mehr über den Weg. Sie zahlen Höchstpreise für Produkte aus Europa – selbst wenn diese drei bis viermal so teuer sind wie die chinesischen. Auf der Internet-Verkaufsplattform Taobao gibt es über 4.000 Einträge für Milchpulver aus Deutschland. Hinzu kommt eine ähnliche Zahl für Babymilch aus Großbritannien, 3.000 Treffer beziehen sich auf Frankreich.

Lieferung nach China dauert einen Monat

“Ich begann damit, das Pulver an Verwandte und Freunde zu schicken”, sagt Shao, eine Hausfrau und Mutter, die nach eigenen Angaben eine “kleine Summe” mit ihrem Geschäft verdient. “Mütter bestellen normalerweise sechs bis acht Packungen auf einmal, weil die Lieferung einen Monat dauert und sie sich einen konstanten Vorrat sichern wollen.” Neben findigen Privatleuten wie Shao gibt es aber auch Unternehmer, die anscheinend in größerem Stil aktiv sind. Ein Mann namens He berichtete AFP stolz, er beschäftige zehn deutsche Angestellte.

Verseuchte Babymilch 2008

In China stillen relativ wenige Mütter ihre Kinder. Das liegt an den kurzen Mutterschaftspausen und aggressiver Werbung für Folgemilch. Der Ruf heimischer Produkte aber ist dauerhaft ruiniert. 2008 starben sechs Kinder an mit der Chemikalie Melamin verseuchter Babymilch, tausende weitere wurden geschädigt.

Aufpreise werden in Kauf genommen

“Junge chinesische Eltern nehmen internationale Marken, insbesondere die importierten Marken in Original-Verpackung, als gesünder wahr”, sagt die Analystin Vera Wang. Dafür sind sie bereit, die heftigen Aufpreise zu zahlen, die Internet-Händler verlangen. Eine 600-Gramm-Packung Aptamil des deutschen Herstellers Milupa, hierzulande für etwa zwölf Euro zu haben, kostet in China 220 Yuan (27,10 Euro).

DM rationiert Milchpulver

In den “Export-Ländern” hat die Babymilch-Knappheit bereits dazu geführt, dass Einzelhändler ungewöhnliche Maßnahmen ergreifen. So rationiert die deutsche Drogeriemarkt-Kette DM die Menge an Milchpulver, die Kunden in ihren Filialen erwerben können. Dabei gibt es nach Unternehmens-Angaben keine starren Vorgaben, weil das Phänomen nicht flächendeckend auftritt. Bei Bedarf können die Filialleiter aber tätig werden. Auch in Großbritannien und Australien beschränkten Geschäfte schon die Abgabe.

Aptamil besonders beliebt

“Seit einiger Zeit verzeichnen wir eine extrem hohe Nachfrage nach den Säuglingsnahrungen der Marke Aptamil”, sagt der DM-Geschäftsführer für den Bereich Marketing und Beschaffung, Christoph Werner. Daher habe DM entschieden, die Aptamil-Abgabemenge vorübergehend zu beschränken, bis sich die Lage wieder normalisiere.

“Ich tue es für die Mütter und Kinder”

Die drastischen Maßnahmen zeigen anscheinend bereits Wirkung, zumindest teilweise. Chinesische Händler in Deutschland berichteten AFP, sie würden ihr Geschäft stoppen, weil es zu schwierig geworden sei, Folgemilch zu kaufen. Shao jedoch lässt sich davon nicht abschrecken. “Wenn ein Supermarkt ausverkauft ist, werde ich zum nächsten weitergehen”, sagt sie. “Ich tue es für die Mütter und ihre Kinder. Ich bin selbst Mutter und weiß, wie wichtig Milchpulver ist.” (APA)

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