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Vorarlberg: Bei Suchtbekämpfung top - bei Nichtraucherschutz ein Flop

Vorarlberg Vorzeigeregion bei der Suchtbekämpfung, so die Stiftung Maria Ebene.
Vorarlberg Vorzeigeregion bei der Suchtbekämpfung, so die Stiftung Maria Ebene. ©Symbolbild/bilderbox.de
Götzis - Die Stiftung Maria Ebene präsentierte am Mittwoch in Götzis ihren Jahresbericht für 2012. Zentrale Botschaft: Vorarlberg entwickle sich zur Vorzeigeregion in der Suchtbekämpfung. Kritische Töne schlug Reinhard Haller, Chefarzt des Krankenhauses Maria Ebene, zum Thema Nichtraucherschutz an.
Neue Hilfe für starke Raucher
Prenn zu neuen Süchten
Haller zu Sucht-Problematik

Präsident Josef Fink strich vor allem die interne Vielfalt der Siftung heraus, die neben dem Krankenhaus auch die Therapiestationen Carina und Lukasfeld, die Beratungsstellen Clean und die Präventionsstelle Supro umfasst. Damit werden sämtliche Aspekte der Suchtbehandlung unter einem Dach vereint: Prävention, Beratung, Ambulanz, stationäre Behandlung im Krankenhaus und selbst Wohngemeinschaften von suchtkranken Menschen.

Haller: “Sucht ist heilbar”

Chefarzt Reinhard Haller spricht in diesem Zusammenhanf von einer “Vorzeigeregion” Vorarlberg: “Die Therapieformen umfassen die ganze Vielfalt moderner Medizin und Psychotherapie, womit der ganzheitlichen Betrachtung des krank gewordenen Menschen Rechnung getragen wird – denn Sucht ist eine Krankheit, die heilbar ist.”

An die 30.000 Interventionen an mehr als 19.000 Patienten habe man im Jahr 2012 vorgenommen, rechnet Verwaltungsdirektor Günter Amann vor. Allein das Krankenhaus Maria Ebene behandelte 947 Personen ambulant, weitere 628 stationär. Dafür waren insgesamt 135 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den verschiedenen Unterorganisationen der Stiftung beschäftigt. Das Jahresbudget beläuft sich auf 10,4 Millionen Euro.

Kritik an schwachem Nichtraucherschutz

Haller sparte bei dieser Gelegenheit nicht mit Kritik am österreichischen Umgang mit der Raucherproblematik. Geradezu “schändlich” sei es, was hierzulande aufgeführt werde. Österreich sei gemeinsam mit Griechenland Schlusslicht in der europäischen Union, was konkrete Maßnahmen gegen den hohen Raucheranteil in der Bevölkerung betreffe. Nicht einmal das Niveau der südlichen Mitgliedstaaten wie Italien und Spanien habe man erreicht.

Über 500 tote Raucher jedes Jahr im Ländle

Das lasche Raucherschutzgesetz stehe sinnbildlich für den Mangel an politischem Willen. Dabei verkürze das Rauchen die Lebensdauer im Schnitt um sechseinhalb Jahre. Und: Allein in Vorarlberg sterben jedes Jahr 500-600 Menschen an den Folgen des Rauchens, rechnet Haller vor. Bei sogenannten “harten” Drogen liege die Zahl bei zehn bis 20 Toten im Jahr, die Zahl der Alkoholtoten belaufe sich auf 120-150 jährlich. Schon vor der Pressekonferenz hatte das Krankenhaus Maria Ebene für Aufmerksamkeit gesorgt mit der Ankündigung, zukünftig eine Rauchentwöhnungsstation anbieten zu wollen.

Neue Süchte auf dem Vormarsch

Neben den klassischen Süchten nach bestimmten legalen und illegalen Substanzen hat die Stiftung aber auch immer häufiger mit “neuen” Süchten zu tun. Konkret nennt Haller hier die “Spiel-, Internet- und Kaufsucht”. Dabei gehe es weniger um die Entwöhnung von bestimmten Substanzen. Sondern vielmehr darum, den Menschen wieder beizubringen, “Herr im eigenen Haus zu werden”, d.h. mit ihren Süchten umzugehen.

Besonders innovative Wege geht dabei die Werkstatt für Suchtprophylaxe (Supro) unter der Leitung von Andreas Prenn. Vor vier Jahren hat man dort das Projekt “Gateway- Abenteuer neue Medien” auf Schiene gebracht. Sinn und Zweck des Programms ist es, Eltern und Pädagogen Werkzeuge in die Hand zu geben, um einen gemäßigteren Umgang mit neuen Medien zu befördern. Hoch erfeut zeigte sich Prenn auch über den Erfolg des Präventionsprojektes KENNiDI: “In 76 von 96 Vorarlberger Gemeinden wurden Maßnahmen durchgeführt und damit 95% der Bevölkerung Vorarlbergs erreicht.”  (MST)

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