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©VOL.AT/Mayer, Handout/Marcus Moser

Vorarlberg: Gibt es ein Drogenproblem in den Städten?

Heroin ist im Ländle nicht mehr "In": Der Heroinkonsum in Vorarlberg ist - anders als nach den Spritzenfund am Wochenende vermutet - abnehmend.
Clean Beratungsstelle Bregenz
NEU
Benutzte Spritzen im Hafen-WC
Lokalaugenschein am Hafen
Vorarlberger Suchtbericht 2018

Am Wochenende wurden benutzte Spritzen im Hafen-WC in Bregenz gefunden, die ganz offensichtlich von Drogenkonsumenten stammen. Auf VOL.AT-Anfrage gab die Stadt Bregenz an, es sei seit rund einem Monat ein erhöhtes Drogenproblem erkennbar - nicht nur in Bregenz, sondern auch in anderen Städten. Der Suchtbericht 2018 zeigt zudem, dass Opioide in Vorarlberg als Leitdroge dominieren. Trotzdem ist der Konsum von Heroin an sich in Vorarlberg derzeit nicht zunehmend: "Ganz im Gegenteil, es ist österreichweit - auch in Vorarlberg - so, dass der Konsum von Heroin abnimmt", erklärt Wolfgang Grabher, Psychologe und Leiter der Beratungsstelle Clean im VOL.AT-Gespräch.

Weniger Einsteiger

Gerade Jugendliche würden die Droge nicht mehr als "In" ansehen. "In den 1990ern war ein regelrechter Boom von Heroin erkennbar, das geht zurück." Auch das österreichweite Drogenmonitoring lässt auf eine Stagnation des Opioidkonsums der unter 25-Jährigen schließen, was auf weniger Einsteiger hinweist. Laut dem Suchbericht für Vorarlberg aus dem Jahr 2018 liegt das geschätzte Ausmaß des risikoreichen Konsums illegaler Drogen bei 485 Personen (je 100.000 Einwohner).

Im Bregenzer Hafen-WC wurden benutzte Spritzen gefunden. Quelle: Marcus Moser

Genügend Angebote vorhanden

Der Drogenkonsum sei zwar nur schwer in den Griff zu bekommen, präventive Angebote gebe es aber genügend. Ein gutes Beispiel sei hier die Möglichkeit zum Spritzentausch. Leider würden die Angebote nicht von 100 Prozent derer genutzt, die dies auch könnten. Das hänge auch ein Stück weit mit der Stigmatisierung in der Gesellschaft zusammen. "Dass das als Krankheit gesehen werden muss, was es auch ist und nicht als Willensschwäche", verdeutlicht Wolfgang Grabher. "Wir haben hier auch sehr gute Kooperationen mit der Stadtpolizei, mit dem Büro des Bürgermeisters, aber auch mit dem Dowas und mit dem Amt Gesundheit und Soziales der Stadt Bregenz." Das Problembewusstsein sei auf jeden Fall vorhanden. Es gebe zudem immer wieder konstruktive Gespräche über mögliche Methoden und Maßnahmen.

"Kann ich so nicht bestätigen"

Auch Bernhard Amann, seines Zeichens Mitbegründer von "Ex und Hopp", dem Verein für Hilfe und Selbsthilfe für Drogenabhängige, sieht keinen deutlichen Anstieg bei Heroin: "Heroin ist im Vormarsch? Das kann ich so nicht bestätigen", erklärt Amann im VOL.AT-Interview. "Natürlich ist der Heroinkonsum nach wie vor sehr hoch, aber, dass jetzt ein markanter Anstieg zu verzeichnen ist, können wir bei Ex und Hopp und in Dornbirn nicht bestätigen." Amphetamine hingegen hätten stark zugenommen. "Bei Heroin gibt es nur dann einen Anstieg, wenn relativ viel Heroin am Markt verfügbar ist", erklärt der Politiker. Wenn das nicht der Fall sei, würden die Menschen auf Medikamente, die ähnlich wirken, ausweichen.

"Bregenz hat bisher geschlafen"

In Bregenz bemängelt Bernhard Amann nach dem Vorfall im Hafen-WC vor allem das Fehlen von Spritzenautomaten. Bregenz habe bisher "geschlafen", was das angehe. Zwar gebe es mit dem "Clean" eine Beratungsstelle und auch einen Spritzentausch beim Dowas, eine niedrigschwellige Einrichtung - vergleichbar dem Verein "Ex und Hopp" oder dem Caritascafé - sei allerdings nicht vorhanden. "Was in Bregenz fehlt wären sicher auch Rückgabebehälter." Bei öffentlichen WCs müssten entsprechende Behälter zur Spritzenentsorgung vorhanden sein. Verstärkte Polizeikontrollen, wie sie von der Stadt gefordert werden, seien der falsche Ansatz und somit abzulehnen: "Sie bringen nichts. Dadurch verlagert sich der Konsum nur."

Polizei: Kein Rückgang spürbar

Differenzierter sieht man es beim Landeskriminalamt für Vorarlberg in Bregenz. Nach wie vor gebe es in Vorarlberg einen konstant hohen Heroinkonsum. Was die Entwicklung in den vergangenen Jahren angehe, habe sich einerseits die Qualität des Heroins deutlich gebessert und gleichzeitig sei der Preis auch deutlich gesunken. "Weiters wird mittlerweile dieses ,gute' und günstige Heroin im Inland angeboten", heißt es in einem offiziellen Statement von Seiten der Polizei auf VOL.AT-Anfrage. Aktuelle Zahlen zu Anzeigen und zu Festnahmen gibt es keine. Im Jahr 2017 kam es in Vorarlberg laut dem Suchtbericht zu 1.607 Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Suchtmittelgesetz, davon 100 Anzeigen aufgrund von Heroin und Opiaten.

(Red.)

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