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Vorarlberg drängt auf Ende des Ski-Lockdowns

Skifahrer können es kaum mehr erwarten
Skifahrer können es kaum mehr erwarten ©VV
Gantner: Wintertourismus muss bis Weihnachten möglich werden. "Es spielt sich mehr oder weniger alles im Freien ab." Schon allein wegen der Einheimischen gelte es die Skigebiete zu öffnen.
Gantner in Vorarlberg Live: "Wintertourismus wird stattfinden"
Wann starten die Skigebiete in die Saison?

Für Vorarlbergs Fremdenverkehrslandesrat Christian Gantner (ÖVP) muss bis Weihnachten Wintertourismus möglich werden. Gantner sieht dafür nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Gründe. Vorarlberg habe als bisher einziges Bundesland ein landesweites Konzept - den "Winterkodex Vorarlberg" - erarbeitet, mit dem das Land einen sicheren Wintertourismus zu gewährleisten gedenke. "Wir haben wichtige Vorkehrungen getroffen", betonte Gantner im APA-Interview.

"Lebendige Regionen"

Der Landesrat wies zum einen auf die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Vorarlberg hin und nannte dabei einen 15-prozentigen Anteil am Bruttoregionalprodukt sowie 15.000 Beschäftigte. In den Bergregionen sei der Fremdenverkehr eine der wenigen Einnahmequellen. Aber auch für die Stimmung in den entsprechenden Regionen sei der Tourismus immens wichtig: "Er ist Voraussetzung dafür, dass wir lebendige Regionen haben", stellte Gantner fest. Jede Infrastruktur, die für Gäste errichtet werde, stehe auch der einheimischen Bevölkerung zur Verfügung.

Schon wegen der Einheimischen

So gelte es denn auch schon allein der Einheimischen wegen, die Skigebiete zu öffnen. "85 Prozent der Aufstiegshilfen in Vorarlberg sind offene Betriebsmittel", sagte Gantner. Zudem hätten die wenigsten geschlossenen Gondeln und Bahnen eine Transportzeit von über zehn Minuten. "Es spielt sich mehr oder weniger alles im Freien ab", so der Landesrat. Wo dies nicht der Fall sein, könne man sich mit Abstandhalten, dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und guter Entlüftung helfen.

Drei-Säulen-Sicherheitskonzept

Schon im Sommer habe man sich Gedanken um ein Sicherheitskonzept für den Winter gemacht. Dieses sei - unter Einbeziehung aller Akteure - im Bewusstsein entstanden, dass Vorarlbergs Skigebiete im Fokus der (internationalen) Aufmerksamkeit stehen werde. "Der 'Winterkodex Vorarlberg' fußt auf drei Säulen: Zum einen gilt er landesweit, zum anderen setzen wir strengere Standards als der Bund. Zudem begleiten die Maßnahmen den gesamten Weg des Gastes und beginnen schon bei der Anreise", unterstrich Gantner.

Um die drei Säulen mit Leben zu erfüllen, seien einerseits Maßnahmen verordnet worden. Es gebe aber auch Selbstverpflichtungen der Branche sowie Unterstützung des Landes etwa mit der eingeführten und vom Land bezahlten Corona-Stornoversicherung. Diese Versicherung greift, wenn Urlauber vor ihrem Reiseantritt am Coronavirus erkranken oder deswegen zuhause in Quarantäne müssen.

Gantners Vorgaben an die Tourismusbetriebe

Weiters nannte der Landesrat, dass es in jedem Tourismusbetrieb ein Sicherheitskonzept und einen Corona-Beauftragten geben müsse. An diesbezüglichen Video-Schulungen hätten bereits 600 Betriebe teilgenommen. Darüber hinaus stelle das Land den Lokalitäten ein digitales Contact-Tracing-System für die Gastronomie-Gäste zur Verfügung, das die Betriebe - gratis - einsetzen könnten. Zentral sei, dem Gast nicht nur im Hotel, sondern auch im Taxi, beim Skiverleih oder auch in den Skischulen ein sicheres Umfeld bieten zu wollen, so Gantner.

Wirtschaft und Gesundheit

Mit der gewünschten Öffnung des Wintertourismus würden Wirtschaft und Gesundheit nicht gegeneinander ausgespielt. "Wir brauchen beides und sind der Meinung, dass auch beides gehen kann", sagte Gantner. Voraussetzung sei aber natürlich, dass man mit den Infektionszahlen deutlich herunter und in die Größenordnung von Deutschland komme - das mit Abstand Vorarlbergs wichtigstes Herkunftsland seiner Gäste ist. Ein guter Schritt dazu könne die Corona-Massentestung sein: Wenn die Verhältnisse ähnlich wie in Südtirol seien, "schaffen wir es mit einer einzigen Aktion, so viele Positive herauszufischen, wie wir jetzt aktuell Fälle haben".

Tourismus bangt um Millionen Winterurlauber

Beim Vorstoß Italiens und Deutschlands, die europäischen Skigebiete coronabedingt bis in den Jänner hinein geschlossen zu halten, steht für die heimischen Touristiker viel auf dem Spiel. Vergangenen Winter beherbergten diese fast 16 Millionen Gäste. "Rund 70 Prozent der Urlauber im Winter entfallen auf den alpinen Raum, die Lifte- und Gondelregionen, sind also Skifahrer", sagte der Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Martin Stanits, zur APA.

Der Rest seien Städtetouristen oder Besucher der Thermenregionen, der allergeringste Anteil entfalle auf Geschäftsreisende, ergänzte der Branchensprecher unter Verweis auf eine entsprechende geografische Erhebung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo). In normalen Jahren steigerten sich die Buchungen der Wintersportler dem Hotelierssprecher zufolge ab Mitte November bis inklusive Februar ständig - mit einer leichten Zwischenabflachung im Jänner. "Der Februar ist der stärkste Monat", ergänzte er. Da schlugen bisher immer die Semesterferien durch.

So verteilen sich die Wintertouristen

Das Gros der Winterbuchungen kommt von den Deutschen und von den Österreichern selbst. Von den in Summe knapp 16 Millionen Österreich-Urlaubern im vergangenen Winterhalbjahr 2019/20 (November 2019 bis April 2020) reisten laut Statistik Austria 11,5 Millionen aus dem Ausland an - fast 5,2 Millionen davon aus Deutschland und über eine Million aus den Niederlanden. Weitere 4,5 Millionen kamen aus Österreich. Somit machten mehr Deutsche Urlaub in Österreich als Inländer. Diese rangierten nur auf Platz zwei. Reisewarnungen beziehungsweise die entsprechenden Quarantänebestimmungen in den Herkunftsländern würden den heimischen Tourismus ins Mark treffen, da im Durchschnitt lediglich 28 Prozent der Urlauber aus Österreich selbst stammten und fast drei Viertel aus dem Ausland. In den westlichen Bundesländern Tirol und Vorarlberg ist der Auslandsanteil sogar noch wesentlich höher.

Österreichs Gäste

Unter den ausländischen Gästen waren die Schweizer und Liechtensteiner in der vergangenen Wintersaison mit in Summe knapp einer halben Million Ankünften die drittstärkste Gruppe - mit großem Abstand zu den Deutschen und Holländern. Knapp dahinter rangierten die über 430.000 Tschechen, die 410.000 Briten und die knapp 330.000 Italiener. Ebenfalls zu den Top-10-Herkunftsnationen im Ausland zählten auf den weiteren Plätzen die Ungarn (fast 280.000), die Belgier (fast 250.000), die Polen (über 230.000) und die Amerikaner (knapp 210.000), wie aus den endgültigen Daten der Statistik Austria für die Wintersaison 2019/20 hervorgeht.

Die Coronapandemie hat das Winterhalbjahr 2019/20 bereits spürbar beeinträchtigt, da der erste Lockdown vom März/April noch in diese Periode fiel. Unter dem Strich lag die Urlauberzahl dadurch um fast ein Viertel (24 Prozent) unter dem Jahr davor.

Ministerrat am Mittwoch

Der aktuelle Winter ist im November angesichts der hohen Infektionszahlen gleich mit geschlossenen Hotels und Pisten gestartet. Wann die Beherbergungsbetriebe und die Gastronomie wieder uneingeschränkt öffnen dürfen, hoffen sie morgen, Mittwoch, im Zuge der erwarteten Ankündigungen der Bundesregierung zu erfahren. "Die Hotels brauchen mindestens eine Woche Vorlaufzeit zum Hochfahren und auch die Mitarbeiter wollen das wissen, ob sie im Dezember einen Job haben oder nicht", verdeutlichte Stanits die Dringlichkeit behördlicher Vorgaben diesbezüglich. Der Umsatzersatz, den die Betriebe im derzeitigen Lockdown erhalten, basiert auf dem November-Umsätzen des Vorjahres und endet nach derzeitiger Information am 6. Dezember, also kommenden Sonntag.

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(APA)

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