"Viele sind zwischen 30 und 60"

©VOL.AT/Paulitsch
Viele Covid-Patienten, die auf der Intensivstation landen, überleben die Infektion nicht.
Omikron, Boostern & Co.
Thema: Impfung bei Kindern

Claudia Riedlinger ist Oberärztin für Anästhesie und Intensivmedizin am LKH Bregenz und im Vorstand der Voralberger Ärztekammer. In der „Vorarlberg LIVE“-Sondersendung zum Thema Impfen beantwortet sie am Montag dringende Leserfragen.

Andreas Eisenhut fragt: Wie ist das Verhältnis Geimpfte/Ungeimpfte auf den Intensivstationen?

Claudia Riedlinger: Ich habe mich heute nochmals mit dem Intensivkoordinator, Oberarzt List vom Krankenhaus Feldkirch, kurzgeschlossen. Er sagt, über alle Intensivstationen und gerade jetzt in der vierten Welle, hatten wir 80 Prozent ungeimpfter Patienten. 20 Prozent sind geimpft, wobei hier manchmal die zweite Impfung schon etwas länger zurückliegt.

Wie hoch ist der Prozentsatz der Coronainfizierten bis 50 Jahren, die auf der Intensivstation versorgt werden müssen?

Riedlinger: Die exakten Prozentzahlen sind natürlich in der noch laufenden vierten Welle nicht zu erheben, das Auffallende in der vierten Welle ist aber: Es sind viele Patienten zwischen 30 und 60 Jahre alt und ein Teil dieser Patienten hat überhaupt keine Vorerkrankungen, braucht keine Medikamente und ist trotzdem so schwer an Covid erkrankt, dass eine Intensivbehandlung notwendig wurde.

Wer hat größere Chancen zu überleben, geimpfte oder ungeimpfte Menschen?

Riedlinger: Wir hatten zufällig zwei gleich alte Patienten, der eine war ungeimpft, der andere geimpft. Der Geimpfte mit zusätzlich schweren Vorerkrankungen konnte auf die Normalstation verlegt werden, der andere Patient ohne Vorerkrankungen ist leider an Covid verstorben.

Eine oft wiederholte Behauptung lautet: Die Intensivstationen sind nur deshalb so voll, weil lauter Patienten mit Impfschäden dort liegen würden...

Riedlinger: Nachdem wir diese Aussagen in den Medien gehört haben, haben wir sofort in Feldkirch angerufen, weil wir in Bregenz keinen Intensivpatienten hatten, der wegen einem Impfschaden auf die Intensivstation gekommen ist. Und auch das hat mir Oberarzt List heute bestätigt: In Vorarlberg ist kein Patient wegen einem Impfschaden auf der Intensivstation gelandet und musste dort behandelt werden.

Warum haben nicht alle Menschen die Chance, nach einer Intubation gesund zu werden?

Riedlinger: Das hat mit der Covid-Erkrankung an sich zu tun. Die Covid-Erkrenkung setzt Entzündungsreaktionen in der Lunge in Gang, die die Lunge zerstören und wenn dieser Prozess durch Medikamente und die vorübergehende Beatmung nicht gestoppt werden kann und es zu einem Fortschreiten dieser Zerstörung der Lunge kommt, dann kann auch nicht mehr beatmet werden.

Stefan B. möchte wissen: Ist es für Unter-30-Jährige ohne Vorerkrankung nicht gefährlicher einen Impfschaden zu bekommen, als auf der Intensivstation zu liegen?

Riedlinger: Das ergibt sich aus meiner vorherigen Antwort. Wir hatten keinen Patienten mit Impfschaden auf der Intensivstation, aber wir hatten zwei Unter-30-Jährige mit schweren Covidverläufen.

Was nehmen Sie aus Gesprächen mit den Patienten mit? Gibt es Patienten, die sagen, hätte ich mich nur impfen lassen?

Riedlinger: Ich gab durchaus Mitte-50-Jährigen Patienten, die zu mir gesagt haben, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir und meiner Familie vieles erspart durch die Impfung. Es gibt aber auch Menschen, die dann nach wie vor nicht glauben, dass es Covid ist und sagen es ist Luftnot. Aber Luftnot bekommt man nicht einfach so.

(VN/ger)

vaccination
home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • "Viele sind zwischen 30 und 60"
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.