AA

"Suizid auf Rezept": Das sind die Zahlen für Vorarlberg

Sterbeverfügung: Patientenanwalt Alexander Wolf liefert Zahlen aus Vorarlberg und kritisiert das Gesetz.
Sterbeverfügung: Patientenanwalt Alexander Wolf liefert Zahlen aus Vorarlberg und kritisiert das Gesetz.
Joachim Mangard (VOL.AT) joachim.mangard@russmedia.com
Mit 1. Jänner 2022 trat das Sterbeverfügungsgesetz in Kraft. VOL.AT hat die Zahlen für Vorarlberg und warum es von Patientenanwalt Alexander Wolf heftige Kritik am Gesetz gibt.

Aus gesetzlichen und datenschutzrechtlichen Gründen würden in Sachen Sterbeverfügung und "assistierter Suizid" keinen bundesländerspezifischen Daten öffentlich gemacht, hieß es aus dem Gesundheitsministerium.

So ist die Situation in Vorarlberg

Fündig wurde VOL.AT dann bei Patientenanwalt Alexander Wolf, der im umfangreichen Interview Einblick in die Situation in Vorarlberg gibt.

Patientenanwalt Alexander Wolf liefert Daten für Vorarlberg

VOL.AT: Wie viele Anträge auf Sterbeverfügung wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Jänner 2022 in Vorarlberg eingebracht? Wie viele Personen erhielten dann eine Verfügung?

Alexander Wolf: Man muss unterscheiden, wie viele Personen sich erkundigt haben und wie viele Sterbeverfügung errichtet wurden. Im Jahr 2022 haben sich 15 Personen über die Sterbeverfügung an sich erkundigt, im Jahr 2023 bereits 11 Personen.

Im Jahr 2022 wurden seitens der Patientenanwaltschaft 3 Sterbeverfügungen errichtet, im Jahr 2023 ebenso 3 Verfügungen, wobei bei diesen zuletzt genannten Verfügungen die Vorarbeiten Ende 2022 erbracht wurden.

Patientenanwalt Alexander Wolf. ©handout/Wolf

VOL.AT: Und in welchem Alter waren diese Personen, welchem Geschlecht waren sie zuzuordnen?

Alexander Wolf: Die Personen sind zwischen 45 und 60 Jahre alt, Männer und Frauen sind gleichermaßen involviert.

VOL.AT: Welche Personen, Einrichtungen oder Organe sind in die Umsetzung der lebensbeendenden Maßnahmen involviert?

Alexander Wolf: Bei der Errichtung der Sterbeverfügung benötigt es zwei Ärzte und entweder einen Notar oder die Patientenanwaltschaft. Andere Einrichtungen sind grundsätzlich nicht mit der Umsetzung der Sterbeverfügung betraut.

VOL.AT: Wie viele Ärzte sind in Vorarlberg befugt, eine Sterbeverfügung auszustellen?

Alexander Wolf: Die Frage lautet, wie viele Ärzte in Vorarlberg befugt sind, eine Aufklärung im Zusammenhang mit der Sterbeverfügung zu machen. Grundsätzlich kann ich diesbezüglich mitteilen, dass jeder Arzt, der zur eigenständigen Berufsausübung berechtigt ist, auch diese Aufklärung durchführen kann. Es bleibt aber eine Gewissensentscheidung, wer die Aufklärung anbietet (dies ist bei den Notaren und bei der PA ebenso).

Im VOL.AT-Interview spricht Wolf ausführlich über das umstrittene Thema. ©handout/Wolf

VOL.AT: Wie steht es um die Abgabe der lebensbeendenden Präparate, welche Apotheken sind dazu befugt?

Alexander Wolf: Grundsätzlich ist auch jede Apotheke dazu befugt, wobei ich ausdrücklich sowohl bei den Apotheken, Juristen als auch bei den Ärzten festhalten darf, dass niemand gezwungen werden kann, einerseits die ärztliche Aufklärung zu machen, die Verfügung zu errichten und andererseits auch das Präparat auszuhändigen. Welche konkrete Apotheke dies macht, kann man bei der Vorarlberger Apothekerkammer erfragen.

VOL.AT:Wie stehen Sie persönlich zum umstrittenen Gesetz? 

Alexander Wolf: Ich darf ihnen diesbezüglich mitteilen, dass die Patientenanwaltschaft sich entschlossen hat, die Sterbeverfügung zu errichten. Es geht hier nicht um meine persönliche Meinung, sondern dass die Institution dies anbietet.

VOL.AT: Abschließend: Wie verläuft die Zusammenarbeit der handelnden Personen u.a. auch mit den Palliativeinrichtungen, psychiatrischen Anlaufstellen oder anderen Einrichtungen?

Alexander Wolf: Ich kann Ihnen nur mitteilen, dass die Zusammenarbeit mit den Ärzten, die die ärztliche Aufklärung machen, sehr gut ist. Mit anderen Einrichtungen (Palliativeinrichtungen, psychiatrischen Anlaufstellen) haben wir diesbezüglich keinen Kontakt.

Patientenanwalt für Evaluierung: "Offene Fragen in Durchsetzung"

Außerdem sieht der Jurist viele Fragezeichen, wenn es um die Durchsetzung der lebensbeendenden Maßnahmen geht. "Das Ableben per se ist mit dem Präparat der Person selbst überlassen. Dabei besteht auch nicht die Pflicht, jemanden darüber zu informieren. Wenn die Person einen Hilfesteller auserkoren hat, kann dieser zumindest den Todesbeschauer über den assistierten Suizid in Kenntnis setzen. Ansonsten wird dieser auch nicht automatisch im Totenschein vermerkt", informiert Wolf.

Todesqualen? Leiche könnte wochenlang in Wohnung liegen

Außerdem bestehe die Möglichkeit, dass der Leichnam eines Menschen, der beispielsweise keine Angehörigen hat, wochenlang in der eigenen Wohnung liegen bleibe. Oder wenn das Präparat nicht wirke, im schlimmsten Falle Todesqualen zu erleiden hätte. "Wir fordern deswegen eine dringend nötige Evaluierung des Gesetzes, da noch viele offenen Fragen in der Durchführung zu wenig bedacht wurden", schließt der Vorarlberger Patientenanwalt.

(VOL.AT)

Selbsthilfe-Banner
home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • "Suizid auf Rezept": Das sind die Zahlen für Vorarlberg