Seltenes Himmelsspektakel: Blutmond der Superlative über Österreich

In der Nacht auf den 28. September schmückt ein blutroter Mond den Himmel.
In der Nacht auf den 28. September schmückt ein blutroter Mond den Himmel. ©APA
Wer in der Nacht zum kommenden Montag ganz früh aufsteht, kann eine besondere totale Mondfinsternis in der Superlative bestaunen: Die Erde wird in der Nacht auf den 28. September zudem von einem "Supervollmond" beschattet. Dabei wird der Erdtrabant aber nicht ganz finster, sondern blutrot - ein sogenannter "Blutmond" entsteht. Wetterexperten prophezeien eine gute Sicht auf das Spektakel mit Seltenheitswert.

Riesiger “Blutmond” am Himmel: Eine totale Mondfinsternis kann bald in Mitteleuropa beobachtet werden. Der Erdtrabant zeigt sich dann auch als Super-Mond. Dieser Superlativ wird immer dann vergeben, wenn er in Erdnähe steht, teilte die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA) mit.

Und er präsentiert sich zudem noch als “Blutmond”: Der rote Schimmer rührt von langwelligem Licht, das von der Erdatmosphäre in den Schattenkegel gestreut wird. Weil ein Teil des Sonnenlichts von der Erdatmosphäre gestreut wird und dennoch auf die Mondoberfläche trifft, entsteht eine rötliche bis bräunliche Färbung des Erdtrabanten. Wie genau das aussieht, lasse sich nicht genau vorhersagen und hänge stark vom aktuellen Zustand der Erdatmosphäre ab, etwa ob gerade viel oder wenig Vulkanstaub vorhanden ist, so Albert Sudy von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Seltenes Himmelsschauspiel für Nachteulen

Die Finsternis beginnt – für Astronomen, mit freiem Auge aber nicht wahrnehmbar – am Montag, 28. September, um 2.10 Uhr, sobald der Mond in den Halbschatten der Erde eintritt. Erst um 3.07 beginnt der Kernschatten der Erde kontinuierlich die Mondscheibe abzudecken, der Mond steht zu diesem Zeitpunkt im Südwesten. Zwischen 4.11 und 5.24 Uhr ist der Mond dann total verfinstert. Weil ein Teil des Sonnenlichts von der Erdatmosphäre gestreut wird und dennoch auf die Mondoberfläche trifft, entsteht eine rötliche Färbung des Erdtrabanten. Um 6.27 Uhr ist dann kein Erdschatten mehr am Mond zu erkennen.

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Mondfinsternis nur bei Vollmond, “Sofi” nur bei Neumond

Mondfinsternisse können sich prinzipiell nur bei Vollmond ereignen, wenn die Erde zwischen Sonne und Mond steht. Nur bei dieser Konstellation kann der Mond in den Schatten der Erde gelangen, was man als Mondfinsternis wahrnimmt. Sonnenfinsternisse ereignen sich dagegen stets bei Neumond.

Der “Supervollmond”: Vollmond in XXL

In diesem Jahr wird der Erdtrabant beim Vollmond im September seine geringste Entfernung zur Erde haben. Die Bahn des Mondes um die Erde hat die Form einer Ellipse und die Entfernung Erde-Mond schwankt zwischen etwa 357.000 und 407.000 Kilometer. Im Schnitt fallen fast jedes Jahr (exakt: alle 13,6 Monate) Vollmond und Erdnähe zusammen.

Für ein solches Ereignis hat sich in den vergangenen Jahren der Begriff “Supervollmond” etabliert. Seitens der WAA weist man darauf hin, dass dies kein astronomischer Begriff sei. Der Unterschied im scheinbaren Durchmesser des Mondes vom Minimum (Erdferne) bis Maximum (Erdnähe) beträgt nur etwa 14 Prozent, das entspricht der Größendifferenz Ein- und Zwei-Euro-Münze – und ist mit freiem Auge nur sehr schwer wahrnehmbar.

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Spielt das Wetter mit?

Voraussetzung für eine freie Sicht auf den Mond ist natürlich ein klarer Himmel. Und die Chancen dafür stehen für den Großteil Österreichs gut, prophezeien Wetterexperten der ZAMG sowie des Wetterdiensts Ubimet: “Das noch bis Samstag wetterbestimmende Tief zieht ab und weite Teile Mitteleuropas befinden sich ab Sonntag unter Hochdruckeinfluss”, so Teutsch-Zumtobel von Ubimet. Nur im Flachland und in einigen Tälern könnten Nebelfelder die Sicht auf das astronomische Ereignis trüben oder ganz verhindern, so die ZAMG.

Aufgrund der Feuchtigkeit in tiefen Schichten und dem Absinken der Luftmassen seien die Aussichten allerdings nicht gänzlich ungetrübt: “Besonders im östlichen Flachland und im Alpenvorland ist eine Vorhersage noch mit großen Unsicherheiten behaftet, wahrscheinlich ist es in den frühen Morgenstunden trüb.”

Besser sind die Beobachtungschancen in jedem Fall auf den Bergen, in manchen inneralpinen Tälern und wahrscheinlich auch im Süden Österreichs. “Die Temperaturen liegen um 4:00 Uhr meist im einstelligen Bereich, es empfiehlt sich also auf jeden Fall, sich warm einzupacken”, berichtet der Meteorologe.

Nächste totale Mondfinsternis erst wieder 2018

Die Finsternis ist bei gutem Wetter in ihrer vollen Länge in vielen Ländern Europas, aber auch etwa in Teilen Afrikas und Amerikas sichtbar. Wer das Ereignis verschläft, muss sich gedulden: Die nächste Mondfinsternis für Wien wird völlig unspektakulär: eine partielle Halbschattenfinsternis am 16. September 2016. Am 7. August 2017 wird teilweise eine partielle Mondfinsternis zu sehen sein. Die nächste totale Mondfinsternis wird erst wieder in drei Jahren – am 27. Juli 2018 – in Wien zu beobachten sein.

Das Interesse an Ereignissen wie einer Mondfinsternis ist groß. “Der Mond leuchtet kupferrot, das ist schon eine besondere Faszination”, meinte Voss. “So etwas kann man zwar vorausrechnen”, erklärte Weis von den Sternfreunden, “aber es fasziniert trotzdem”.

Wie eine totale Mondfinsternis entsteht

Ein totale Mondfinsternis entsteht, wenn Sonne, Erde und Mond in einer Reihe liegen, die Erde das Licht der Sonne also abhält und der Mond sich im Schatten der Erde befindet. Der Vollmond ist in dieser Nacht der Erde 356 880 Kilometern auch noch so extrem nah, dass dies Springfluten und Spannungen in der Erdkruste hervorrufen kann.

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Der sogenannte Erntevollmond

Der Vollmond im September wird auch Erntevollmond genannt, weil das helle Licht der Mondscheibe früher dazu genutzt wurde, um nach Sonnenuntergang noch die Ernte einbringen zu können. Hintergrund ist ein besonderes Phänomen: Der Vollmond geht ja immer kurz nach Sonnenuntergang auf. Im Jahresschnitt erfolgt der Mondaufgang dann Tag für Tag um etwa 50 Minuten später, nach zehn Tagen also schon acht Stunden später. Nur im Herbst verlagert sich der Mondaufgang rund um den Vollmond täglich nur um wenige Minuten, rund um den Vollmond erhellt die Mondscheibe deshalb die frühen Abendstunden.

Im vergangenen März konnte eine totale Sonnenfinsternis (“Sofi”) in Österreich und vielen anderen Ländern bestaunt werden. (red/dpa/APA)

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