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Psychiater Haller in "Vorarlberg live": "Schleich di, Virus"

Moderator Riedmann mit LH Wallner und Professor Haller
Moderator Riedmann mit LH Wallner und Professor Haller ©VOL.AT-VN.AT-Ländle-TV
LH Markus Wallner sprach bei der Premiere von "Vorarlberg live" über die Lage in den Vorarlberger Spitälern und den Twitterzwist mit Johannes Rauch. Psychiater Reinhard Haller erklärte, was in der Krise in den Köpfen der Menschen vor sich geht.

Das Bedürfnis der Menschen nach Informationen ist in Zeiten von Coronakrise, Terror-Anschlägen und Lockdowns so hoch wie nie. VOL.AT, VN.AT und Ländle-TV haben daher gemeinsam eine neue, wochentägliche Live-Sendung ins Leben gerufen. Diese hört auf den Namen "Vorarlberg live" und durfte bei ihrer Premiere Landeshauptmann Markus Wallner sowie Psychiater und Bestseller-Autor Reinhard Haller als Interview-Partner begrüßen.

Braucht es den Lockdown noch, Herr Wallner?

Die Covid-19-Zahlen in Vorarlberg sind in den letzten Tagen erfreulicherweise wieder leicht rückläufig. "Braucht es den Lockdown überhaupt noch?", fragte Gastgeber Gerold Riedmann den Landeshauptmann zu Beginn der Sendung? Der Landeshauptmann antwortete so: "Ich glaube, wenn wir ein gewisses Plateau erreicht haben, ist das an sich gut. Aber es sollte nicht passieren, dass die Zahlen wieder rapide ansteigen." Wallner stellte in der Premierensendung von "Vorarlberg live" klar: "Wir sind noch nicht drüber. Die 2. Welle ist tsunamiartig."

Ende der Woche würde die Vorarlberger Landesregierung mehr wissen, bis dorthin will der Landeshauptmann vorsichtig bleiben. Zumal sich die letzten Wochen die Todesraten vervierfacht hätten.

In dieser Situation sei es wichtig, dass alle an einem Strang ziehen und sich wieder der Gefahren vergegenwärtigen. Bei der ersten Welle im Frühling sei Angst dabei gewesen. Der Sommer dagegen sei ruhig mit wenigen Infektionsfällen verlaufen, so dass sich eine gewisse Leichtigkeit in der Bevölkerung breit gemacht habe, fasst Wallner zusammen: "Von dort weg wurde Corona grundlegend unterschätzt."

So viele Menschen wie noch nie auf der Intensivstation

Was die Situation in den Spitälern betrifft musste Wallner unerfreuliche Zahlen nennen. Aktuell seien 190 Patienten im Spital, 39 auf der Intensivstation - bis zum Abend werden es aller Wahrscheinlichkeit 40 werden. Damit sei die Zahl der Menschen auf den Vorarlberger Intensivstation "so hoch wie nie".

Ein Ende des Anstiegs ist bis auf Weiteres noch nicht in Sicht, meint Wallner. Diese Woche und nächste Woche würden die Zahlen wohl noch ansteigen, dann mutmaßlich wieder fallen. Wenn nicht, komme Vorarlberg ans Limit im Intensivbettenbereich. "Eine Intensivstation darf ja nie voll ausgelastet sein." Sonst könnten Patienten, die dringend ein Bett brauchen, vielleicht keines mehr bekommen.

Die gute Nachricht des Landeshauptmann folgte unmittelbar darauf: In der Regel verfügt das Land über 51 Intensivbetten für alle Patienten, jetzt sind es bereits 71 Intensivbetten in Vorarlberg.

In Zeiten ohne Corona seien prinzipiell 50 bis 60 Prozent der Intensivbetten belegt. Das Personal laufe schon jetzt "ziemlich am Anschlag".

Wie sieht Wallner das Krisenmanagement des Landes?

"Ist das Krisenmanagement in Teilen zusammengebrochen?", wurde LH Wallner von VN-Chefredakteur Riedmann gefragt: "Es gab Auf und Abs. Was ich nicht erwartet habe, ist, dass innerhalb weniger Wochen so ein rapider Anstieg erfolgte. Dass diese zweite Welle viel bedrohlicher ist, hat uns und halb Europa überrascht."

Seit Sommer habe man sich aber auf diese Situation intensiv vorbereitet. Nur so sei es möglich gewesen, dass man jetzt das neue Notspital in Dornbirn innerhalb weniger Tage aus dem Boden gestampft hat. "Wir versuchen mit aller Kraft, das Ruder herumzureißen."

Abseits von Corona: Hängt der Haussegen in der Regierung schief?

Auch wenn Corona seit Monaten das alles dominierende Thema ist, brennen den Vorarlbergern noch andere Aufreger unter den Fingernägeln. Der Twitter-Post des Grünen Johannes Rauch zum Beispiel. Der postete die Produktionsbetriebe in Vorarlberg sollen im Lockdown schließen. Das wirbelte viel Staub auf. Wie reagiert Wallner mit etwas Abstand auf seinen grünen Regierungspartner?

"Wir müssen gemeinsam nach vorne schauen. Ein Twitterpost kann nicht die Regierung aus den Angeln heben. Man sollte immer erst nachdenken, bevor man twittert. Gerade als Politiker wäre es angebracht."

Postings in den Sozialen Medien gingen "halt oft schief", weswegen Wallner selbst nicht twittert.

Nachsatz in Richtung Rauch: Bevor man twittere, dass die Produktionsbetriebe schließen sollen, sollte man erst nachdenken, ob die Aussage angebracht sei. Denn ohne die Produktionsbetriebe bzw. Industrie wäre es "nicht dunkel, sondern stockdunkel" in Vorarlberg.

Haller: Zu viele Botschaften von allen Seiten

Nach dem Landeshauptmann durfte Gerold Riedmann Vorarlbergs bekanntesten Psychiater Reinhard Haller in der Sendung begrüßen. Zugeschaltet per Videotelefonie aus Feldkirch.

Auch hier gab es gleich eine Frage zu Corona, Lockdown und den letzten Wochen: "Warum haben wir uns die letzten Wochen so gehen lassen?

Haller überlegte und antwortete: "Auch ich habe Dinge anders eingeschätzt. Ich habe geglaubt, im Herbst werde eine leichte Welle kommen."

Während der Sommermonate sei der Respekt vor dem Virus verloren gegangen, das habe unser Verhalten verändert. Die Menschen hätten das Virus auch deswegen nicht genügend ernst genommen haben, weil zu viele Botschaften von allen Seiten gekommen sind. Von leichter Grippe bis tödlicher Seuche war im Zusammenhang mit dem Coronavirus die Rede. Medizinische Daten hätten sich außerdem nicht als haltbar erwiesen.
"Sodass letztlich alle überrascht worden sind."

Zusammenhalt verloren gegangen

"Die angsterregenden Zahlen vom Landeshauptmann", wie es Haller formulierte" tragen aber vielleicht dazu bei, "dass die Leute zur Besinnung kommen."

Haller kritisierte: Den Zusammenhalt - auch im politischen Bereich - wie bei der ersten Welle gebe es in Vorarlberg und Österreich nicht mehr. Haller bemängelte auch, dass nur im ersten Lockdown das Pflegepersonal gelobt, Verkäufer extra belohnt oder Balkonkonzerte vonstatten gingen. "Warum macht man das jetzt nicht mehr? Jetzt ist die Gefahr ja viel größer."

Psychische Probleme werden verstärkt

Die Euphorie vom ersten Lockdown - die gebe es jetzt nicht mehr. Das bewirke zusätzlich, dass psychische Probleme in Zeiten wie diesen verstärkt werden. Wie Depressionen, Angststörungen oder psychosomatische Leiden.

Der November sei ohnehin schon jedes Jahr die Zeit der Trauer und Depression. Neben der Covidwelle komme jetzt auch noch die Depressionswelle hinzu.

Bei den Suchterkrankungen merkte der Psychiater an, dass der Lockdown jetzt bei einigen Suchtmitteln die Versorgungswege abschneide. Alkohol sei aber nach wie vor leicht zu bekommen. "Menschen trinken vielleicht ein Viertel mehr als sonst."

Sein Rat an die Menschen: "Nerven bewahren und durchhalten - eine depressive Phase geht vorbei - und auch eine Viruswelle geht vorbei"

Seine Meinung zum Terror in Wien

Unabhängig voneinander bewertet Haller den Terroranschlag in Wien und Corona. Der Zeitpunkt war wohl ein gewisser Zufall, vermutet Haller. "Dass es zu diesem Zeitpunkt kommt, hat überhaupt kein Mensch gewusst." Es sei mit Blick auf andere Städte in Europa aber voraussehbar gewesen, dass Wien nicht von Terror verschont bleiben wird.

Und in Anlehnung an den viral gegangenen Spruch eines Wieners samt Blick auf die immerwährende Coronazeit gab Haller folgendes Bonmot zum Besten:

"Schleich di, Virus."

"Vorarlberg live" - ab jetzt täglich

"Vorarlberg Live" - Ab sofort Montag bis Freitag jeden Abend live ab 17 Uhr auf VOL.AT, VN.AT und Ländle TV - mit den wichtigsten Themen des Tages und hochkarätigen Gästen.

(Red.)

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