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WANN & WO besuchte Simon Vetter zum Sonntags-Talk im Grünen.
WANN & WO besuchte Simon Vetter zum Sonntags-Talk im Grünen. ©W&W/Sams

„Niemand rettet die Welt, wenn er jeden Tag Bio-Schnitzel isst!“

Simon Vetter, Betreiber des Vetterhofs Lustenau, im Sonntags-Talk über Vorarlberg, seinen Beruf und unsere Gesellschaft.

Von Martin Begle/WANN & WO

Zur Person

Name: Simon Vetter
Alter/Wohnort: 34 Jahre/Lustenau
Beruf: Landwirt, Vetterhof
Ausbildung: Landwirtschaftsschule, Berufsreifeprüfung, Studium an der Technischen Universität und Universität für Bodenkultur

Wordrap

Bio: Standard

Nachhaltigkeit: Großes Wort

Vegi: Bin ich außer Haus

Rhesi: Herausforderung

Monsanto: Nicht der einzige Bösewicht

Politik: Wichtig

Lustenau: Die Perle am Alpenrhein

Regionalität: Wichtig, aber nicht genug

Das Interview

WANN & WO: Was gibt es Neues am Vetterhof?

Simon Vetter: Viel (lacht). Wir haben ein paar spannende Projekte in der Pipeline. Neu angefangen haben wir heuer, das Konzept der Gemüsekiste auf Rindfleisch auszuweiten. Zusammen mit unserem Metzger, Anton Fetz aus Andelsbuch, können wir speziellere Dinge liefern und den Leuten gleichzeitig erklären, wie man was zubereitet. So werden nicht nur die Edelteile vom Rind verwendet, sondern auch aus ,Suppenfleisch‘ kann man mit dem entsprechenden Know-how hammermäßige Grillgerichte zubereiten.

WANN & WO: Warum hast du den elterlichen Betrieb übernommen?

Simon Vetter: Für mich ist es einer der spannendsten Jobs, die ich mir vorstellen kann. Ich bin mein eigener Chef, genieße ein sehr hohes Maß an Autonomie. Natürlich ist man eingebunden, aber man kann sehr viel selbst entscheiden. Das ist eine wunderschöne Bereicherung der Arbeit.

WANN & WO: Warum ist dir Nachhaltigkeit so wichtig?

Simon Vetter: Ich bin so aufgewachsen, in einem komplett landwirtschaftlichen Umfeld. Bei uns sind die „Ökos“ ein- und ausgegangen. Investmentbanker wollte ich nie werden (lacht). Ich habe auch eine Zeit lang auf einem kommerziellen Betrieb in Kanada gearbeitet. Das waren sehr lehrreiche Monate, weil ich vieles gesehen habe, das ich nicht so machen möchte. Dort wurde schon mit gentechnisch veränderten Pflanzen gearbeitet und ich konnte miterleben, was das bedeutet.

WANN & WO: Wie hältst du das privat?

Simon Vetter: Natürlich ist das privat auch ein Thema. Unsere Generation ist mit diesen Dingen aufgewachsen. Die Leute haben mitbekommen, dass nicht immer alles so einfach ist. Das Thema ist nicht nicht Ökologie gegen Ökonomie. Wer das glaubt, hat nicht verstanden, worum es wirklich geht. Diesen Spagat muss ich jeden Tag schaffen. Wenn ich Tiere halte, nutze ich sie, aber ich bin auch bemüht, ihnen ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen. Am Ende des Tages geht es trotzdem zum Metzger.

WANN & WO: Isst du Fastfood?

Simon Vetter: Selten, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde das ich noch nie bei McDonalds war. Die Qualität der dort verwendeten Rohstoffe ist auch nicht anders, als in jedem Wirtshaus in Österreich. Meine Kritik ist eher die Nivellierung, die dadurch stattfindet. Wir hätten doch so eine geile Vielfalt an Lebensmitteln. McDonald’s Lustenau hat bei der Eröffnung auch bei uns angefragt, ob sie Gemüse bekommen können. Da wären wir dann die Öko-Clowns, die man vorne hinstellt – klassisches Greenwashing. Davon halte ich nicht viel. Es geht aber nicht darum, auf ein Unternehmen mit dem Finger zu zeigen. Der Lebensmittelbereich ist in einem radikalen Umbruch.

WANN & WO: Wie meinst du das?

Simon Vetter: Da gibt es eine total schizophrene Entwicklung: Der Kochbuchmarkt explodiert, aber die Masse kocht weniger und eintöniger als früher. Das Wichtigste ist nach wie vor die Ernährungspyramide! Da ist alles drin. Das Angebot ist aber so groß, dass es einen fast erschlägt. Bei der Gemüsekiste bedanken sich viele, dass wir ihnen einmal die Woche diese Entscheidung abnehmen. Aber niemand rettet die Welt, wenn er jeden Tag Bio-Schnitzel isst.

WANN & WO: Wie siehst du die Diskussion zu Kälbertransporten?

Simon Vetter: Nüchtern gesagt, ist es die Folge von Spezialisierung und Globalisierung. Es ist nicht mehr das nette Kälbchen, sondern die Ware Kalb. Diese wird dorthin verkauft, wo am meisten dafür bezahlt wird. Das wird sich nicht von Heute auf Morgen lösen lassen. Was wir hier aber brauchen, sind Alternativen. Der Markt sucht händeringend nach biologisch angebautem Getreide und Gemüse aus Vorarlberg. Und für die Kälber, die es auch in Zukunft geben wird, müssen wir schauen, dass wir diese im Land vermarkten können. Dazu bedarf es aber größeren Anstrengungen als wie die Ausrufung der „Kalbsbratwurst“ als neue Vorarlberger Nationalspeise. Dennoch sind und bleiben es Nutztiere.

WANN & WO: Kannst du die Emotionalität des Themas nachvollziehen?

Simon Vetter: Ich würde mir diese Empathie wünschen, wenn es um ertrinkende Kinder im Mittelmeer geht. Das soll man nicht gegeneinander ausspielen, aber die Verhältnismäßigkeit ist nicht gegeben. Patentlösungen sind in unterschiedlichsten Bereichen naiv. Wenn keine Flüchtlinge mehr kommen, ist alles super? In Österreich hat deswegen wohl keiner auch nur ein Bier weniger getrunken. Wenn uns das schon an die Grenzen der Handlungsfähigkeit bringt, mache ich mir Sorgen, was ist, wenn mal wirklich etwas Schlimmes passiert.

WANN & WO: Wie siehst du die politische Kultur bei uns?

Simon Vetter: Momentan ist das eine mittlere Katastrophe. Man ist bereit, wegen 20 Grenzübertritten am Tag, die Grundrechte einzuschränken. Die offenen Grenzen sind doch cool. Ich bin ein großer Freund von Wettbewerb – so lange alle mit gleich langen Lanzen streiten. Ich habe bei mir am Hof Mitarbeiter aus verschiedensten Ländern. Mein Umfeld lebt da ganz offensichtlich ein ganz anderes Bild von Europa, als das manche gleichaltrige Studienabbrecher tun. Das ist ganz billiger Populismus.

WANN & WO: Wie schlägt sich das in der Tagespolitik nieder?

Simon Vetter: Da sieht man ja, was für eine Wertschätzung man sich – auch gegenseitig – gegenüber bringt. So etwas wie im Feldkircher Stadtrat brauchen wir doch nicht. Ich bilde bei mir Lehrlinge aus und erwarte da auch, dass sie einen gewissen Anstand an den Tag legen. Das kann ich mir dann aber auch von einem erwachsenen, gewählten Volksvertreter erwarten. Wir leben ja in extrem geilen Zeiten! Aber aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen werfen momentan alle die Nerven weg. Es gibt keinen besseren Fleck zum Wohnen, als hier. Im Großen und Ganzen geht es allen gut. Was ihnen fehlt, können die meisten vermutlich selbst nicht sagen. Da muss man echt mal die Kirche im Dorf lassen. Vielleicht sehe ich manche Dinge auch etwas anders, weil ich auch lange in Sierra Leone gearbeitet und gesehen habe, was wirkliche Armut ist. Hier hätten wir die besten Grundvoraussetzungen und gehen so leichtfertig damit um.

WANN & WO: Wie stehst du zu Themen wie Rhesi oder Ikea in Lustenau?

Simon Vetter: In unserem extrem dicht besiedelten Raum muss man sparsam mit Grund umgehen. Den Ballungsraum zwischen Bodensee und Feldkirch wollte glaube ich niemand, aber es ist passiert. Und unsere Generation zahlt den Preis dafür: Bauland ist unbezahlbar, Betriebsgebiete sind total chaotisch angeordnet. Darum bin ich auch Mitglied im Verein Bodenfreiheit. Es ist wichtig, dass wir den Umgang mit Grund und Boden auch zivilgesellschaftlich diskutieren und mit dieser extrem knappen Ressource schlauer umgehen.

WANN & WO: Wie ist das bei Rhesi?

Simon Vetter: Ich verliere etwa ein Viertel meines Betriebes, wenn Rhesi in dieser Form kommt. Mehr als alle Nutzungsberechtigten in Koblach zusammen. Das ist schwierig, denn einerseits lebe ich davon, andererseits wohne ich in Lustenau und kenne Leute, die den Keller voller Wasser haben, wenn es kommt. Mich verwundert aber diese Diskrepanz: Meine Standesvertretung sagt, wir sollen die Flächen so intensiv nutzen, wie es geht. Andererseits redet man von dem ultimativen Hochwasser-Öko-Paradies. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen.

WANN & WO: Kannst du überhaupt Urlaub machen?

Simon Vetter: Selbstverständlich, das ist auch sehr wichtig. Als Landwirt ist das eine der größten Herausforderungen, denn die Arbeit hört ja nicht auf. Ich habe das Glück, dass ich super Mitarbeiter habe.

WANN & WO: Gibt es Dinge, die dich auf die Palme bringen?

Simon Vetter: Die Politik hat offenbar die Fähigkeit verloren, Leute für etwas zu begeistern. Gemeinsame Ideen für Mobilität, Raumentwicklung, Wirtschaft, alles ist in einem radikalen Umbruch. Da geht es nicht darum, Sachen zu verhindern, sondern um den Willen, gemeinsam Lösungen zu finden.

(WANN&WO)

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