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Negativzinsen holen auch Vorarlbergs Unternehmen ein

Aufsplitten auf mehrere Banken wird nicht viel helfen
Aufsplitten auf mehrere Banken wird nicht viel helfen ©VOL.AT
UniCredit Bank Austria verrechnet seit 1. Mai allen Firmenkunden für Einlagen über 100.000 Euro ein Einlageverwahrentgelt - andere Vorarlberger Banken werden ab Herbst breitflächig die Negativzinsen an ihre Firmenkunden weiterverrechnen.

Von Günther Bitschnau (wpa)

"There is no free lunch" sagt eine alte Geschäftsweisheit, gemäß der auf den ersten Blick sehr günstige Annehmlichkeiten am Ende des Tages doch immer von jemandem bezahlt werden müssen.

So verhält es sich auch mit der von der Europäischen Zentralbank EZB erneut prolongierten Null- bzw. Negativzinspolitik. Während diese Politik im Geschäftsbereich für Firmen mit hohen Schulden oder Krediten beziehungsweise für die meisten hoch verschuldeten öffentlichen Haushalte die reine Freude ist, kommen für Unternehmen mit höheren Bankeinlagen jetzt auch in Vorarlberg die negativen Begleiterscheinungen der historischen Niedrigzinsen schrittweise in der Breite an. Denn auch Vorarlbergs Banken sehen sich Zug um Zug dazu veranlasst, die "Strafzinsen" für ihre zwischengeparkten Einlagen bei der EZB an Firmenkunden weiterzugeben.

UniCredit Bank Austria geht voran

Großflächig vorangegangen ist im Ländle jetzt die UniCredit Bank Austria. Denn sie verrechnet allen Firmenkunden sowie institutionellen und öffentlichen Kunden seit 1. Mai 2021 ein so bezeichnetes "Einlageverwahrentgelt" in Höhe von 0,5 Prozent pro Jahr. Die Gebühr gilt für alle Geldbeträge über 100.000 Euro. Betroffene Firmenkunden wurden in Vorarlberg via Kontoauszug vor wenigen Wochen über die Details informiert. Bei der UniCredit Bank Austria in Wien bestätigt Pressesprecherin Franziska Schenker die "Verwahrgebühr nach individueller Vereinbarung". Obwohl Firmenkunden die Information bereits schriftlich mitgeteilt bekommen haben, wollte sich Schenker nicht über das knapp gehaltene Wording der schriftlichen Stellungnahme hinausbewegen. Claus Jeschko, der Leiter des Firmenkundengeschäfts in Vorarlberg, stand für keine Stellungnahme zur Verfügung.

Aufsplitten auf mehrere Banken wird nicht viel helfen

Das zukünftige Aufsplitten der Geldbeträge auf mehrere Bankinstitute wird Vorarlbergs Firmenkunden allerdings nicht viel helfen. Denn ein Rundruf in der Bankenszene zeigt, dass spätestens ab Herbst 2021 überall mit der breitflächigen Weitergabe der "Strafzinsen" begonnen wird. Werner Böhler, Sprecher der Vorarlberger Banken, sagte im wpa-Gespräch, dass die UniCredit Bank Austria mit diesem Schritt in Vorarlberg das nachvollzogen habe, was in der Schweiz und Deutschland und auch in Ostösterreich schon viel umfangreicher der Fall sei.

"Die EZB hat signalisiert, dass die Null- und Negativzinsphase noch länger andauern wird. Darauf müssen die Banken auch in Vorarlberg reagieren", so Böhler. Bekanntlich erhalten Banken einen negativen Zins von 0,5 Prozent für das Parken ihrer überschüssigen Liquidität bei der EZB. Darunter versteht man die genannten "Strafzinsen", da die Banken für ihre Einlagen kein Geld erhalten, sondern dafür bezahlen müssen. So eine Situation sei eigentlich nie vorstellbar gewesen. "Man wird dafür bestraft, dass man Geld zur Bank bringt", sagt Böhler.

Zu viel Liquidität im Markt

Die Banken in Vorarlberg hätten das in den vergangenen Monaten noch geschluckt und die Kosten dafür getragen. Doch damit ist bald Schluss. Denn verschärfend komme derzeit hinzu, dass viel zu viel Liquidität auf den Märkten sei und die Banken nicht mehr in der Lage seien, die bei ihnen eingelegten Gelder (Festgelder, Girokonten, Sparbücher) über noch mehr Kredite wieder hinauszubringen. "Und das, obwohl alle Vorarlberger Banken in den vergangenen Jahren ein starkes Kreditwachstum verzeichneten."

Der Bankensprecher geht davon aus, dass die Ländle-Banken in den kommenden Monaten dem Beispiel der UniCredit Bank Austria folgen werden, allerdings auf eine andere Art und Weise. "Die Regionalbanken werden selektiver vorgehen und wo möglich individuelle Lösungen suchen." Man betrachte das gesamte Geschäft mit einem Kunden und nicht nur die Höhe der Einlagen.

Raiffeisen: Ab Herbst breitflächige Weitergabe

Dem pflichtet auch RLB-Vorarlberg-Vorstandsvorsitzender Wilfried Hopfner bei. "Die Banken müssen den Druck der EZB leider an unsere Firmenkunden weitergeben. Wir haben damit bei Großkunden schon begonnen, allerdings immer mit individuellen Lösungen." So werde man auch bei kleineren und mittelgroßen Kunden vorgehen, denn man wolle nicht alle Firmenkunden mit einer fixen Grenze über einen Kamm scheren. "Ich gehe davon aus, dass die Weitergabe der Negativzinsen ab dem Herbst 2021 in breiteren Unternehmenskreisen spürbar wird."

Hypo: Obergrenze für Einlagen deutlich gesenkt

Bei der Hypo Vorarlberg sagte Vorstandsmitglied Wilfried Amann, dass man die Weitergabe der Negativzinsen schon 2020 bei Großkunden eingeführt habe. Jetzt müsse man angesichts der Entwicklungen die Obergrenzen für Einlagen ohne Verrechnung von Negativzinsen immer weiter nach unten schrauben. "Die Grenze lag einmal bei 50 Millionen Euro, jetzt liegt sie zwischen einer und fünf Millionen Euro. Man sieht also, wohin die Reise geht."

Von einer pauschalen Weiterverrechnung der Negativzinsen an Firmenkunden und institutionelle oder öffentliche Kunden ab einem fixen Betrag halte man wenig. Auch die Hypo betrachte das Gesamtgeschäft mit dem jeweiligen Kunden. "Wir versuchen immer, eine Individuallösung zu finden. Auch Amann sieht den Zeitpunkt für den breiteren Rollout der Weitergabe der Negativzinsen im Herbst 2021 gekommen.

(Quelle: wirtschaftspresseagentur.com)

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