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Mordprozess um Studentin in Florenz: Sollecito wurde Pass entzogen

Knox und Sollecito erneut schuldig gesprochen.
Knox und Sollecito erneut schuldig gesprochen. ©AP
Dem wegen des Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher zu 25 Jahren verurteilten Italiener Raffaele Sollecito ist in der Nacht auf Freitag in einer Ortschaft zwischen Udine und Tarvis der Pass entzogen worden.
In Abwesenheit schuldig gesprochen
Fall Knox: Zweifel bleiben
Knox zu 28 Jahren Haft verurteilt
2011: Freispruch für Amanda Knox
Der "Engel mit den Eisaugen"

Sollecito wurde in eine Polizeikaserne in Udine gebracht, berichteten italienischen Medien.

Noch unklar war, ob der Italiener nach Österreich ausreisen wollte, laut Polizei war Fluchtgefahr vorhanden. Sollecito, der bei der Urteilsverkündung in Florenz nicht anwesend war, hatte am Donnerstagnachmittag bereits Friaul erreicht, offenbar war er mit einem Auto unterwegs.

Sollecito in Hotel aufgespürt

Der 29-Jährige wurde von der Polizei in der Nacht auf Freitag in einem Hotel in Venzone, 30 Kilometer von der italienisch-österreichischen Grenze entfernt, aufgespürt. Im Hotel hielt er sich mit seiner italienischen Freundin auf. Ihm wurden laut italienischen Medien Pass und Ausweis entzogen, um seine Weiterreise zu verhindern. Festgenommen wurde er jedoch nicht, berichtete ein Sprecher der Polizei in Udine.

Sollecito beteuerte im Gespräch mit einem seiner Rechtsanwälte, Luca Mauri, sein Unschuld: “Der Kampf, um meine Unschuld zu beweisen, geht weiter”. Er bleibt bis zum letztinstanzlichen Urteil frei.

In Kärnten auf Urteilsverkündung gewartet

Laut der Polizei in Udine hatte Raffaele Sollecito bereits am Donnerstag einige Stunden in Österreich verbracht. Den Polizisten erklärte er, dass er einen “touristischen Rundgang” in Kärnten unternommen hatte. Die Ermittler vermuten, dass der 29-Jährige in Österreich auf das Urteil des Berufungsgerichts in Florenz gewartet hatte.

Nachdem der Richter angekündigt hatte, dass das Urteil nicht mit einem sofortigen Haftbefehl verbunden ist, sondern lediglich mit einem Ausreiseverbot, habe sich Sollecito zur Rückfahrt nach Italien entschlossen.

Wie der Vize-Polizeichef von Udine, Massimiliano Ortolan, der APA berichtete, befindet sich Sollecito noch in der Polizeizentrale in Udine. Er warte auf die Dokumente aus Florenz, aufgrund deren ihm Pass und Ausweis entzogen werden “Er wirkt ruhig und gefasst”, sagte Ortolan. Nach Abschluss der Formalitäten wird Sollecito sehr wahrscheinlich Friaul verlassen.

Knox nennt erneuten Schuldspruch “ungerecht”

Amanda Know selbst hat mit scharfer Kritik am italienischen Justizsystem auf ihre in einem Berufungsverfahren erneute Verurteilung wegen Mordes an der Britin Meredith Kercher reagiert. “Ich bin erschrocken und traurig über dieses ungerechte Urteil”, erklärte Knox am Donnerstag in ihrer Heimatstadt Seattle, wohin sie nach ihrem vorherigen Freispruch im Jahr 2011 zurückgekehrt war.

Ein Berufungsgericht in Florenz hatte die 26-Jährige am Donnerstagabend des Mordes schuldig gesprochen und in Abwesenheit zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Nachdem sie zuvor in einem zweiten Verfahren für unschuldig erklärt worden sei, habe sie “Besseres vom italienischen Justizsystem erwartet”. Ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito wurde ebenfalls des Mordes schuldig befunden und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Angst vor Schuldspruch: Knox in den USA

Knox und Sollecito waren bereits im Jahr 2010 wegen des Mordes an Kercher im Jahr 2007 im italienischen Perugia zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Berufungsgericht sprach sie jedoch 2011 nach vier Jahren Haft frei. Der neue Prozess in Florenz war 2013 vom obersten italienischen Gericht angeordnet worden, das Widersprüche und Unzulänglichkeiten im Berufungsverfahren sah. Knox wie Sollecito haben die Tat stets bestritten. Aus Angst vor einem neuen Schuldspruch war Knox nicht nach Florenz gereist.

Nächste Runde im Fall Knox: Berufung angekündigt

In ihrer Erklärung kritisierte die US-Studentin eine “übereifrige und sture Staatsanwaltschaft” und sprach von “voreingenommenen und engstirnigen Ermittlungen”. Allen mangelnden Beweisen zum Trotz sei die Anklage nicht bereit gewesen, “Fehler zuzugeben” und habe sich stattdessen auf “unzuverlässige Zeugenaussagen und Beweismittel” gestützt. Das “Fehlurteil” sei nicht nur entsetzlich für die Verurteilten, sondern auch für “das Opfer, ihre Angehörigen und die Gesellschaft”. Die Anwälte von Knox und Sollecito haben bereits angekündigt, in Berufung gehen zu wollen.

Hintergrund: Grausamer Mord an Studentin

Die damals 21-jährige Britin Kercher war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wohnung im italienischen Perugia entdeckt worden, die sie sich mit Knox teilte. Ihre Leiche wies 47 Messerstiche auf, die Studentin war zudem vergewaltigt worden.

EPA/ Police File
EPA/ Police File ©Meredith Kercher wurde 2007 Opfer eines brutalen Mordes. Die Studentin wurde nur 21 Jahre alt. EPA/ Police File

Wegen ihres Todes im Gefängnis sitzt bereits der Drogendealer Rudy Guede aus Cote d’Ivoire, dessen DNA am Tatort gefunden wurde. Er wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt. Den Ermittlern zufolge wiesen die Stichwunden jedoch stark darauf hin, dass es mehr als einen Täter gab.

Meredith “ein wenig Gerechtigkeit widerfahren”

Der Anwalt der Familie Kercher, Francesco Maresca, äußerte sich mit zufrieden mit dem neuen Urteil. Mit ihm sei Meredith und ihrer Familie “ein wenig Gerechtigkeit widerfahren”. “Das war das Urteil, das wir wollten. Wir wussten immer, dass das erstinstanzliche Urteil gerecht und ausgewogen war”, sagte er. Die Schwester der Toten, Stephanie, sagte nach dem Verfahren, ihre Familie verlange lediglich nach “Wahrheit und Gerechtigkeit”.

(APA/red)

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