Mordfall Bekir C.: Prozess am Donnerstag

Feldkirch, Hittisau - Im Mordprozess gegen einen 56-jährigen Türken und seinen 18-jährigen Sohn am Landesgericht Feldkirch haben sich die Geschworenen gegen 14.00 Uhr zur Beratung zurückgezogen. Der Mann soll den 26-jährigen Liebhaber seiner Tochter erschossen haben, sein Sohn soll die Tat nicht verhindert haben. Beide bekannten sich nicht schuldig.
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Die Verteidiger sahen in ihren Plädoyers keine klare Beweislage und verlangten einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft verwies auf die den Vater belastenden Aussagen des 18-Jährigen und der Tochter des Mannes.

Der 56-Jährige erklärte vor Gericht erneut, er habe den 26-Jährigen nicht gekannt, sei zum Tatzeitpunkt nicht in der betreffenden Gegend gewesen und habe auch keine Waffe besessen. Der Sohn enthielt sich einer weiteren Aussage. Seine den Vater belastenden Angaben gegenüber der Polizei wurden verlesen, ebenso jene der Tochter, die gemeinsam mit einer Freundin von ihrer Wohnung aus einen Streit des 56-Jährigen mit dem 26-Jährigen auf dem Vorplatz beobachtet hatte. Die beiden erklärten, gesehen zu haben, wie der Vater den 26-Jährigen am Kragen packte, schlug und wegzog.

Der Mann soll den 26-Jährigen laut Anklage ins Auto gezerrt haben und mit ihm und dem Sohn auf der Rückbank in das Hochhädrich-Gebiet (Bregenzerwald) gefahren sein. Laut den Aussagen des Sohnes zwang der Vater dort den 26-Jährigen mit ihm auszusteigen und in den Wald zu gehen. Wenig später will der Sohn einen Schuss vernommen haben. Der Vater kehrte wenig später allein zurück. Nach einem Hinweis des Sohnes wurde die Tatwaffe in Krumbach (Bregenzerwald) entdeckt.

Im Beweisverfahren wurden mehrere Zeugen gehört, darunter auch eine Sachverständige, die den Revolver untersuchte. Es sei aufgrund der Spurenlage nicht mit Sicherheit zu sagen, ob der 56-Jährige einen Schuss abgab, auszuschließen sei es aber nicht. Zwischen Tatzeit und Probenentnahme habe ein zu großer Zeitraum gelegen. Ein weiterer Sachverständiger berichtete, dass ein Kontakt der Hose des Opfers mit den Sitzbezügen des Wagens des Angeklagten “sehr wahrscheinlich” sei.

Laut Gutachter Walter Rabl hat der 26-Jährige einen tödlichen Kopfschuss erlitten. Zudem wurde Material des Erstangeklagten an der Kleidung des Opfers entdeckt. Anzeichen auf eine vorangegangene körperliche Auseinandersetzung am Körper des Opfers habe man nicht gefunden.

In seinem Schlussplädoyer erklärte Staatsanwalt Wild, der Angeklagte, habe sich aus seinen eigenen Wertvorstellungen heraus “zum Richter über Leben und Tod und zum Henker” aufgespielt. In der Zusammenschau der Beweise werde der 56-Jährige klar überführt. Der Sohn habe durch die vorangegangene Freiheitsentziehung den 26-Jährigen in Gefahr gebracht und wäre daher besonders verpflichtet gewesen, die Tat zu verhindern. Nicolas Stieger, Vertreter der Opferfamilie, beklagte den Despotismus des Angeklagten, der eine Hinrichtung durchgeführt habe, weil er Schande über seine Familie gebracht gesehen habe.

Verteidiger Stephan Wirth verwies darauf, dass es keine klaren Beweise gebe. Die wenigen Anhaltspunkte gegen seinen Mandanten reichten nicht für eine Verurteilung wegen Mordes aus. Auch Germann Bertsch, Verteidiger des 18-Jährigen, verlangte einen Freispruch. “Mein Mandant hat überhaupt nichts getan”, betonte er. (APA)

 

Interview mit Stephan Wirth, Verteidiger Erstangeklagter:

 

Interview mit Nicolas Stieger, Verteidiger der Hinterbliebenen Familie:

 

Prozess läuft:

 

Startschuss für Mordfall um Bekir C.:

(VOL Live; VN)

 

 

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