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Messerangriffe bei Beziehungstaten: Täter handeln oft aus Angst vor Liebesentzug

Das Messer als Waffe bei Beziehungstaten beschäftigt die Experten.
Das Messer als Waffe bei Beziehungstaten beschäftigt die Experten. ©VOL.AT/Rauch/Paulitsch
Immer wieder kommt es zu Gewalttaten mit Messern, vor allem Beziehungstaten. Während Psychiater Reinhard Haller eine klare Zunahme sieht, ist man beim ifs vorsichtiger.
Gewalt gegen Frauen in Vorarlberg

Allein am Wochenende kam es wieder zu zwei Beziehungstaten, bei denen mit einem Messer zugestochen wurde. In Bürs griff eine 29-Jährige ihren Lebensgefährten mit einem Küchenmesser an und fügte ihm eine Stichwunde in der hinteren Schulter zu. In Friedrichshafen stach ein 21-Jähriger bei einer Aussprache vor einem Lokal mehrmals auf seine 16-Jährige Ex-Freundin ein. Er befindet sich in U-Haft, sie sei außer Lebensgefahr.

Reinhard Haller: Täter fürchten Liebesentzug

Mit dem Hintergrund der Frauenmorde zum Beginn des Jahres gewinnt man den Eindruck, dass gerade bei Beziehungstaten öfter zum Messer gegriffen wird. Einen Eindruck, den auch Gerichtsgutachter und Psychiater Reinhard Haller teilt. Im Telefoninterview mit VOL.AT nennt er dafür mehrere Ursachen: Einerseits sind Messer allgegenwärtig und gerade im eigenen Haushalt schnell erreichbar, andere Waffen nur schwer erhältlich.

Hinzu komme, dass man gerade bei Beziehungstaten bei einem Angriff oft die Nähe zum Opfer suche. Das Messer sei eine solche “intime” Waffe. Und gerade bei Menschen aus anderen Kulturkreisen sei der Umgang mit dem Messer alltäglicher.

Ulrike Furtenbach: Frauen für ihre Situation sensibilisiert

Ulrike Furtenbach von der Gewaltschutzstelle des ifs hofft, dass es sich eher um Ausreißer als um einen langfristigen Anstieg der Gewalt handelt. Durch die letzten Gewalteskalationen steige aber das Gefahrenbewusstsein von Personen, die ebenfalls in gewaltbelasteten Beziehungen leben.

Beide sehen jedoch ähnliche Gründe, vor allem für männliche Gewalt in Beziehungen: Rache und die Angst vor Liebesentzug durch eine Trennung. Die Täter fühlen sich verletzt und zurückgesetzt. Ansetzen müsse man hier vor allem bei potentiellen Tätern und diesen helfen, bevor die Situation eskaliert.

Beratung rund um Gewalt

Die ifs-Gewaltschutzstelle hat einen Bereitschaftsdienst, an den sich Betroffene wenden können. Dort bekommen Opfer auch kurzfristig Termine für eine Beratung. Diese unterliegt der Schweigepflicht. Die Gewaltschutzstelle des ifs ist in der Johannitergasse 6 in Feldkirch, Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 8 bis 13 Uhr sowie Montag und Donnerstag von 13 bis 16 Uhr. Telefonisch erreichbar ist sie unter +43 5 1755 535 oder gewaltschutzstelle@ifs.at

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