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Machtlos gegen Dauerregen? Was die Wildbach tun kann

Hangrutsche, Dauerregen und Co.: Was kann die Wildbach- und Lawinenverbauung tun?
Hangrutsche, Dauerregen und Co.: Was kann die Wildbach- und Lawinenverbauung tun? ©VOL.AT/Mayer, Canva Pro
Mirjam Mayer (VOL.AT) mirjam.mayer@russmedia.com
In Hörbranz kam es zu einem größeren Hangrutsch, auch in Hohenems und Außerbraz kam es zu Vorfällen. Wie es aktuell in Vorarlberg aussieht und wie viel "die Wildbach" unternehmen kann.
"Wir sind in der schlimmsten denkbaren Phase"
Hang in Hörbranz hört nicht auf zu rutschen

Auch knapp zweieinhalb Wochen nach dem Hangrutsch in Hörbranz gibt es keine Entwarnung. Der Hang ist immer noch in Bewegung, zwei Häuser sind mittlerweile einsturzgefährdet.

Die Wildbach- und Lawinenverbauung hat derzeit alle Hände voll zu tun. VOL.AT war mit der Wildbach- und Lawinenverbauung vor Ort in Hörbranz. Thomas Frandl, Gebietsbauleitung für Bregenz, berichtet von aktuellen Entwicklungen im Ländle.

Die Risse in diesem Haus werden immer größer. ©VOL.AT/Mayer

So ist die Lage in Hörbranz

Der Einsatz in Hörbranz sei der derzeit größte, so Frandl gegenüber VOL.AT. Seit Ende April ist die Situation hier angespannt. Es gab massive Felsgleitungen, die Rutschung setzten sich weiter nach unten fort. Auch, wenn die Bewegungen nach wie vor sehr groß seien, gebe es einen kleinen Wermutstropfen, so Frandl: "Sie haben sich von gestern auf heute in etwa halbiert. Schlecht ist, dass in der Prognose vom Niederschlag deutlicher Regen angesagt ist", verdeutlicht er. Derzeit müsse man durch Vermessung beobachten, wie sich das Ganze weiter bewege.

Frandl beim Hangrutsch in Hörbranz. ©VOL.AT/Mayer
Oberflächlihe Gräben wurden bereits gezogen. ©VOL.AT/Mayer

Wie es weitergeht

"Das Haus Matt hat mittlerweile 7,6 Meter Bewegung hinter sich. Das ist sehr beachtlich", gibt Frandl zu verstehen. Es gelte, die Entwässerung instand zu halten. Gräben wurden gezogen, um das Wasser oberflächlich einigermaßen kontrolliert wegzubekommen. "Die zweite Maßnahme ist am Fuße der Felsleitung, wo das Holz jetzt liegt, das Holz herauszunehmen", erklärt er. Wenn sich das Ganze einigermaßen beruhigt habe und es trocken sei, müsse man große tiefe Entwässerungsgräben ziehen. "Damit das Wasser praktisch nicht in die Rutschung eindringt, sondern seitlich über die Gräben abgeleitet wird", meint er im Gespräch mit VOL.AT. Infolgedessen sei geplant, dass bergseitig des Hauses ein Schutzdamm errichtet werde, damit künftig das Material aufgefangen werden könne. Auch in Außerbraz wurde ein solcher Schutz errichtet.

"Ohnmacht sicher auch dabei"

Die Bewohner der betroffenen Gebiete fühlen sich verständlicherweise oft macht- und hilflos. Auch für die Wildbach- und Lawinenverbauung ist die Situation nicht einfach: "Es ist sicher eine Dimension, wo wir alle miteinander an die Grenzen stoßen", meint Thomas Frandl. "Derzeit ist ein bisschen die Ohnmacht sicher auch dabei".

Er betont jedoch, dass man rund um die Uhr im Einsatz sei und alles in seiner Macht Stehende tue, um die Situation zu lindern. "Was wir tun können, tun wir, damit wir das Ganze etwas lindern können", gibt er zu verstehen. Wöchentlich gebe es Informationen an die Bevölkerung über die Fortschritte. Man arbeite auch in Abstimmung mit Land und Landesgeologen.

Aktuelle Bilder aus Hörbranz. Links im Bild das betroffene Wohnhaus. Die Kapelle rechts im Bild steht ebenfalls etwas schräg. ©VOL.AT/Mayer
Das Haus darf derzeit nicht betreten werden. ©VOL.AT/Mayer
Auch in der Zufahrtsstraße zeigen sich Risse. ©VOL.AT/Mayer

Wachsam bleiben und handeln

Angesichts der anhaltenden starken Regenfälle sei es wichtig, dass die Menschen vor Ort wachsam bleiben und die Situation in ihrer Umgebung beobachten. Sämtliche Gerinne und Einlaufschächte müssen frei bleiben, damit Wasser kontrolliert ablaufen kann, wie Frandl erklärt. So könne jeder einzelne etwa in Umgebung seines Wohnhauses vorsorgen. "Wenn sich Risse auftun, dass man die schnell schließt, dass kein Wasser eindringen kann", betont er. Wenn sich etwas Größeres anbahne, müsse man gleich die Einsatzkräfte und Gemeinden informieren, um schnellstmöglich handeln zu können.

Thomas Frandl im VOL.AT-Interview

Das zweite Gebäude ist ebenfalls einsturzgefährdet. ©VOL.AT/Mayer
Die "kaputte" Zufahrtsstraße wurde aufgerissen, der Asphalt entfernt. ©VOL.AT/Mayer

"Ein strenges Arbeitsprogramm"

Die Wildbach- und Lawinenverbauung sei auf sämtlichen Baustellen unterwegs, so Frandl gegenüber VOL.AT. "Wir haben ein strenges Arbeitsprogramm, das abgearbeitet werden muss Jahr für Jahr", verdeutlicht er. Wenn eine "Baustelle" wie Hörbranz außertourlich dazukomme, habe sie Priorität.

Im Auftrag der Gemeinden würden immer wieder Projekte umgesetzt. Die Rutschung in Doren beschäftige zudem immer wieder. Es gebe Bachbaustellen vom Kleinwalsertal über den Bregenzerwald bis nach Bregenz und ins Oberland "Nebenbei machen wir immer kleinere Betreuungsdienste, wo es schnell Maßnahmen braucht", meint er.

Übers Jahr gesehen gebe es im Gebietsbereich Bregenz an die 100 Baufelder. Man könne nie ausschließen, dass etwas passiere, aber die Wildbach- und Lawinenverbauung sei wie gesagt rund um die Uhr erreichbar und immer wieder präventiv unterwegs.

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(VOL.AT)

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