Leerstehende Wohnungen: Private Vermieter fürchten Aufwand und Risiken

Private Mieter fürchten oft den Aufwand, weiß Markus Hagen von der Eigentümervereinigung.
Private Mieter fürchten oft den Aufwand, weiß Markus Hagen von der Eigentümervereinigung. ©Bilderbox, VOL.AT/Stiplovsek
Bregenz. Bis zu 10.000 Wohnungen stehen in Vorarlberg leer, schätzt die Vorarlberger Landesregierung. Mit einem Pilotprojekt will man diese Wohnungen nun wieder auf den Markt bringen. Schuld an der aktuellen Situation ist aus Sicht der Eigentümervereinigung das nicht zu Vorarlberg passende Mietrecht.

Wie viele Wohnungen in Vorarlberg derzeit leerstehen, kann man nur vermuten. Das Land Vorarlberg schätzt den Leerstand im Ländle auf 7.000 bis 10.000 Wohnungen und will nun mit einem Pilotprojekt dagegen vorgehen. Warum diese Wohnungen derzeit nicht an Mieter vergeben werden, ist für die Eigentümervereinigung auf der Hand: Der Respekt privater Vermieter vor dem komplizierten Mietrecht.

Wiener Mietrecht für Vorarlberger Markt

“Das Mietrecht sendet das falsche Signal”, ist der Vorstand der Eigentümervereinigung-Vorstand und Rechtsanwalt Markus Hagen überzeugt. Es wäre nicht nur veraltet, sondern auch für den Vorarlberger Markt völlig unpassend. Denn eigentlich sei das österreichische Mietrecht ein Wiener Mietrecht, erklärt Hagen – gemacht für große Mietzinshäuser von professionellen Vermietern. In Vorarlberg gäbe es jedoch vor allem Kleinvermieter, die einmal alle paar Jahre eine einzelne Wohnung vermieten – die man sich über die Jahre erarbeitet hat oder im eigenen Haus eingerichtet hat.

Wohnungseigner fühlen sich allein gelassen

Diese würden sich angesichts des aktuellen Mietrechts allein gelassen fühlen. “Die Leute werden allein gelassen und überlegen sich, ob sie sich das antun sollen”, erklärt Hagen. Denn eine Vermietung bedeute für viele vor allem viel Aufwand. So brauche es eine Betriebskostenabrechnung, Behördengänge und Instandhaltungsarbeiten. So würden viele lieber auf die zusätzliche Einnahmequelle verzichten, da sie den Aufwand für nicht gerechtfertigt erachten. Hinzu kommen die Ängste der Vermieter, aufgrund mangelhafter Mietverträge Probleme zu bekommen. So greife der Mieterschutz bereits voll, wenn die Mietdauer im Mietvertrag nur um einen Tag falsch eingetragen ist – und erstreckt sich auch auf Kinder und Kindeskinder des Mieters. “Es ist ein Drama, wenn man den Mieter nicht mehr aus dem eigenen Haus kriegt”, fasst Hagen die Angst vieler Wohnungseigentümer zusammen.

Mietnomaden: Mehr Furcht als Realität

Mietnomaden im engeren Sinne gäbe es in Vorarlberg glücklicherweise keine. Dies sei mehr eine Furcht als Realität, beschwichtigt Hagen. “Doch wenn ich so jemanden in der Wohnung hätte, würde mich das Mietrecht im Stich lassen.” Natürlich brauche es einen Mieterschutz, daran bestehe keine Frage. Auch sei das Verhältnis zwischen Eigentümer und Mieter in Vorarlberg grundsätzlich gut. Dennoch hofft Hagen auf eine Liberalisierung und Vereinfachung des Mietrechts.

Pilotprojekt als win-win-win-Situation

Große Hoffnungen hat man bei der Eigentümervereinigung vom mitinitierten Pilotprojekt. Die Mieter würden von einem größeren Angebot profitieren, was sich auch bei den Mietpreisen bemerkbar machen könnte. Das Land könnte auf bereits bestehenden Bestand zurückgreifen und müsste nicht mehr so stark neuen Wohnraum schaffen. Und die privaten Vermieter würden einen Ansprechpartner gewinnen, der auch den Aufwand auf sich nimmt – wofür die beteiligten Vermieter auf einen Teil der Miete verzichten sollten. Hagen denkt hier an bis zu 20 Prozent des Richtpreises. “Auch die Eigentümer sollten einen Beitrag leisten”, fordert Hagen vom eigenen Klientel eine soziale Ausrichtung ein.

Gemeinden fordern Ausweitung des Pilotprojekts

Bereits vor fünf Jahren sei man mit einer ähnlichen Idee an die Politik herangetreten. Aufgrund fehlender Brisanz sei dies jedoch im Sande verlaufen. Nun sei die Politik jedoch offen für das Projekt – was sich für Hagen auch bei der Nachfrage in den Gemeinden zeigt. So wurde bereits eine Ausweitung des Pilotprojekts gefordert, bevor dessen Ausgestaltung beschlossen ist. “Lustenau hat bereits eine gute Vorarbeit geleistet”, bezeugt Hagen. So habe man dort bereits ein recht gutes Bild, welche Wohnungen ohne Mieter seien und auch wo diese liegen. Die Vogewosi will in Dornbirn jedoch erst einmal testen, ob das Konzept funktioniert und in welchem Umfang.

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