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Le Duigou ganz in deutscher Hand

Götzis - Die deutsche Drogeriekette Müller hat nach längerer Auseinandersetzung das Vorarlberger Beauty-Unternehmen Le Duigou zu 100 Prozent übernommen. Damit ist die Diskussion um den Chef-Posten beendet.
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14.04. Vorbericht: Machtkampf um Le Duigou entbrannt

Das Ende war absehbar, die Fronten im Gesellschafterkreis mittlerweile so verhärtet, dass sich die Rechtsvertreter der Drogeriekette Müller (51 Prozent) und André Le Duigou (49 Prozent) samt Anwalt Wilhelm Klagian am Dienstagvormittag im Verhandlungssaal 53 des Feldkircher Landesgerichts gegenüberstanden. Es ging um die Position des Geschäftsführers. Erwin Müller (78) ließ seinen Co-Geschäftsführer André Le Duigou (37) per Gesellschafterbeschluss absetzen, wie VN-Leser seit letzter Woche wissen. Le Duigou wehrte sich gerichtlich, doch das Verfahren wurde am Dienstag schon beim ersten Termin ruhend gestellt. Entgegen früheren Ankündigungen machte Drogeriekönig Müller doch von der Kaufoption, die ihm Le Duigou eingeräumt hatte, Gebrauch. Seit Mittwoch ist fix: Müller übernimmt die restlichen 49 Prozent am Handelsunternehmen Le Duigou (gegründet 1973). Der Kaufpreis, festgelegt von einem Wirtschaftsprüfer, sei angemessen, hört man. Es wurde Stillschweigen über die Höhe der Zahlungen vereinbart.

“Kein Le-Duigou-Niveau”

“Die Streitigkeiten haben alle damit zu tun, dass das geplante Müller-Konzept kein Le-Duigou-Niveau hat”, sagt André Le Duigou. Es seien qualitative Rückschritte, die mit der Unternehmensphilosophie, “so wie ich sie verstehe, nichts mehr zu tun haben”. Wer nun aber glaubt, dass mit der Übernahme durch Müller alle Konflikte aus der Welt geräumt seien, scheint sich zu irren. “Damit zieht sich Müller für den Moment aus der Affäre”, sagt André Le Duigou. Man habe Müller den Kauf der restlichen Anteile angeboten, um weiteren Schaden vom Unternehmen und den 80 Mitarbeitern abzuhalten. Es klingt aber durchaus so, als dass es die Götzner Parfumiersfamilie nicht lange ertragen möchte, einem Unternehmen den eigenen Familiennamen zu geben, das einem nicht (mehr) gehört.
Die Sache mit dem Namen zumindest könnte sich durchaus kurzfristig ändern. In der Götzner Stammfiliale tragen die Mitarbeiterinnen seit Kurzem “Müller”-Namensschilder – es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis weitere Änderungen anstehen.

Lager leergeräumt

Wie es mit den Vorarlberger Filialen konkret weitergeht? Was der neue Alleineigentümer zu tun gedenkt? Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sagen Müller-Gesandte, es bleibe alles so, wie es sei. Ganz kann das nicht stimmen, denn am Mittwoch in der Früh wurde das Le-Duigou-Lager am Götzner Sonderberg leergeräumt, Waren im Wert von 600.000 Euro umgeschichtet.

Offiziell hält sich das Unternehmen bedeckt, in der Müller-Zentrale will man den VN „weder schriftlich noch mündlich“ Auskunft erteilen. André Le Duigou sagt unumwunden: “Es ist eine sehr schwierige Situation, weil unter meiner Verantwortung die Unternehmenskooperation so eklatant gescheitert ist. Das habe ich zu vertreten. Vor der Familie, vor den Mitarbeitern und den Kunden.” Auf die Nachfrage, ob Parfum für die Le Duigous nun Geschichte sei, sagt er: “Nein, definitiv nicht.” Man werde das “zu gegebener Zeit” konkretisieren.

“Bisher alles eingehalten”

Bei Le Duigou, wo man bisher keinen Betriebsrat hatte, ist seit einigen Wochen die Gewerkschaft aktiv. Bisher liefen die Vorbereitungen für eine Betriebsratswahl, nächste Woche wird ein Betriebsrat installiert, bestätigt Bernhard Heinzle, Geschäftsführer der GPA Vorarlberg: “Uns geht es darum, dass das Arbeitsrecht eingehalten wird. Wir konnten mit dem neuen Eigentümer Herrn Müller telefonieren, er hat uns zugesichert, dass alle Bestimmungen eingehalten werden.” Mit dem Betriebsrat könnten die offenbar bevorstehenden Veränderungen besser begleitet werden, so Heinzle.

“Nicht immer zimperlich”

Man kenne Müller, betont der Gewerkschafter: “Die GPA kennt die Drogeriekette aus anderen Bundesländern – der Umgang mit Mitarbeitern ist nicht immer zimperlich. Bis jetzt hat sich Herr Müller in Vorarlberg aber absolut vorschriftgemäß verhalten”, sagt Heinzle. Bisher seien auch keine Kündigungspläne bekannt. Man unterstütze die 80 Mitarbeiter, falls Probleme auftreten, so Heinzle. (VN)

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