AA

Klimaschutz ohne Zeigefinger

©VN/ Bernd Hofmeister
Dornbirn - Ingrid Benedikt macht sich für Umweltschutz stark – nicht nur aus Selbstlosigkeit.

Voriges Jahr nahm die Dornbirner Lehrerin Ing­rid Benedikt ein Sabbatjahr und setzte sich ein Ziel: Anstatt jedes Jahr kurz vor dem Umwelttag am 5. Juni zu bemerken, dass es viel zu spät für Aktionen ist, wollte sie diesmal etwas auf die Beine stellen. Aus einem Thementag wurde nach zahlreichen Rückmeldungen schnell eine ganze Woche. Die Umweltwoche. „Da hat sich schnell eine eigene Dynamik entwickelt, alle Vereine waren gleich begeistert“, erzählt Benedikt, die seit Langem für die Grünen in der Stadtvertretung sitzt. Die Woche war ein voller Erfolg und da das Thema nicht nur Dornbirn betrifft, wurde der Umweltverband mit ins Boot geholt. Heute startet die Aktion in ihre zweite Saison, diesmal aber nehmen Ehrenamtliche aus ganz Vorarlberg teil. Und Benedikt hat ihre Auszeit verlängert, um alles unter einen Hut zu bringen. „Die Idee allein nützt nichts. Ohne die vielen Menschen, die an der Umsetzung helfen, ginge das nicht“, weiß sie. Die Sensibilität darüber, was in der Umwelt um sie herum passiert, kam schon früh. Schuld daran war ihr Physiklehrer, der das Buch „Club of Rome“ in die Klasse mitbrachte. „Diese Prognose, dass die Ressourcen zu Ende gehen und die Apokalypse naht, das hat mich geprägt“, erinnert sie sich. Früher war sie um einiges radikaler. Während der Schulzeit gab es heftige Diskussionen mit den Eltern, von denen sie forderte, im kleinen Betrieb überall Filter einzubauen. Heute ist sie um einiges gelassener: „Mit der Zeigefingerpädagogik erreicht man gar nichts“, weiß die Lehrerin. Sie will das Thema positiv vermitteln. „Umweltschutz ist meist negativ behaftet und mit Verzicht verbunden. Dabei gewinnt man dadurch an Lebensqualität. Wenn es immer alles gibt, ist es ja nichts Besonderes mehr. Der Genuss der ersten Erdbeeren im Juni, das ist fantastisch“, schwärmt sie. Man glaubt es der energiegeladenen 53-Jährigen sofort. Da wirkt nichts aufgesetzt. Klimaschutz durch den Magen Kulinarik spielt sowieso eine besondere Rolle. „Man kann Menschen Lust auf Umweltschutz machen, wenn man es mit Essen verknüpft“, ist sie überzeugt. „Wenn man mit frischen Zutaten kocht, merkt man einfach, was drinnen ist.“ Wobei auch bei ihr nicht jeden Tag Hausmannskost auf den Tisch kommt: „Ich kaufe ja auch manchmal halbfertige Sachen und bin froh, wenn ich einmal eine Fertigpizza ins Rohr schieben kann. Das wäre ja bös gelogen, das zu leugnen.“ Ihre Tochter, die in Neuseeland wohnt, hat sie auch schon besucht. Trotz Flugzeugemissionen. Und in der Garage steht ein Auto. Aber sie benutzt es selten. Lieber fährt sie mit Zug oder Rad. „Das stresst mich nicht so. Im Auto ärgere ich mich ja sofort, wenn der vor mir bei grün nicht gleich losfährt“, gibt sie zu. Man müsse eben mit Augenmaß handeln: „Von einem Sibratsgfäller kann ich nicht erwarten, dass er mit dem Bus zur Arbeit nach Dornbirn fährt.“ Wenn Benedikt einkauft, dann wenn möglich fair gehandelte Kleidung oder Produkte aus der Region. Bekehrungsversuche bei anderen Leuten startet sie nicht mehr. „Ich frage bei Freunden nicht jedesmal nach, woher die Eier im Kuchen kommen. Sonst werde ich ja nicht mehr eingeladen. Jeder muss für sich entscheiden, wie er lebt“, sagt sie. Dafür freut sie sich umso mehr, dass ihre vier Kinder, von denen drei schon ausgezogen sind, aus eigener Entscheidung zu den richtigen Produkten greifen. Selbst ihr Sohn, der ihr einmal vorwarf, sie betreibe „Hardcore-Bio“.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Klima
  • Dornbirn
  • Klimaschutz ohne Zeigefinger
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen