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"Keine Schlitten für Juden" - Antisemitismus-Eklat in Davos

in Graubünden schwelt seit Jahren ein Konflikt zwischen dem Tourismus und orthodoxen Juden der jetzt um einen antisemitischen Eklat "reicher" ist.
in Graubünden schwelt seit Jahren ein Konflikt zwischen dem Tourismus und orthodoxen Juden der jetzt um einen antisemitischen Eklat "reicher" ist. ©AP, Screenshot twitter.com/JehudaSpielman
Die Bergbahn Pischa in Davos im Kanton Graubünden, sorgt mit einem antisemitischen Eklat für Aufruhr in der Schweiz.

Ein Foto des entsprechenden Aushanges wurde von Jehuda Spielman, einem Gemeinderat aus Zürich, am Sonntag auf der Social-Media-Plattform X geteilt. Demnach sind in dem auf Hebräisch formulierten Schreiben "verschiedene ärgerliche Vorfälle“ als Begründung für die antisemitische Aktion der Bergbahn angeführt.

Langjährige Spannungen

Reto Branschi, der Tourismus-CEO der Region, beschrieb die Situation bereits im vergangenen Herbst als besonders angespannt. In einem Interview mit der "Davoser Zeitung" brachte er die langjährigen Spannungen zwischen orthodoxen jüdischen Feriengästen und den Einheimischen mit den Worten "Es brodelt" zum Ausdruck, wie blick.ch berichtet.

Diese Handlung hat weitreichende Empörung ausgelöst, insbesondere beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG). Jonathan Kreutner. "Dass so ein Schreiben auf einem Schweizer Berg öffentlich aufgehängt wird, ist erschreckend", so der Generalsekretär des SIG gegenüber 20min.ch. Dieser jüngste Vorfall reiht sich allerdings in eine Serie ähnlicher Geschehnisse im Kanton Graubünden in den letzten Jahren ein.

Nicht der erste Fall in Graubünden

Im Jahr 2017 erregte ein besonderer Aushang im Appartementhaus Paradies in Arosa weltweit Aufsehen. Der Aushang richtete sich speziell an jüdische Gäste mit der Aufforderung, vor und nach der Benutzung des Schwimmbades zu duschen. Falls dieser Aufforderung nicht nachgekommen werde, drohte der Verfasser des Aushangs damit, das Schwimmbad speziell für jüdische Gäste zu schließen. "An unsere jüdischen Gäste: Bitte duschen Sie vor und nach dem Schwimmen in unserem Schwimmbad. Tun Sie das nicht, bin ich gezwungen, das Schwimmbad für Sie zu schliessen", zitierte blick.ch damals. Dieser Vorfall fand nicht nur in der lokalen, sondern auch in der internationalen Presse, einschließlich israelischer Medien, große Beachtung.

Im August 2019 fand in Davos ein bedeutendes Ereignis für die jüdische Gemeinschaft statt: die Einweihung einer Thora. Dieses feierliche Ereignis zog etwa 2000 Juden an und sorgte bei einigen Einheimischen für Unmut, insbesondere weil während der Zeremonie eine Hauptstraße versperrt wurde. Die Situation eskalierte, als Conrad Stiffler, ein Landrat der Schweizerischen Volkspartei (SVP), Aufnahmen der Prozession auf Facebook teilte und kommentierte: "Jetzt sind wir so weit. Unglaublich." Unter dem Post häufen sich üble Kommentare wie "Wir sind doch nicht in Israel. Wir sind in der Schweiz" oder "Unsere Heimat ist verloren".

Channah Feldinger plante im Sommer 2023, ein Familientreffen im malerischen Bündnerland zu organisieren. Ihre Hoffnungen wurden jedoch enttäuscht, als ihre Anfrage für ein Gruppenhaus in Parpan GR aufgrund der streng jüdisch-orthodoxen Glaubensausübung ihrer Familie abgelehnt wurde. "Leider erfüllen unsere Häuser nicht die Anforderungen von streng jüdisch-orthodoxen Gruppen und 'Abigruppen'. Da wir niemanden in der Ausübung seines/ihres Glaubens hindern möchten sowie aufgrund unserer Erfahrungen im Umgang mit unseren Häusern (Schäden und Beschwerden), können wir euch leider kein Mietangebot machen", so die offizielle Begründung. Gegenüber Blick.ch bestätigt die zuständige Firma den Fall und begründet die Absage mit negativen Erfahrungen aus der Vergangenheit: "Die Schäden sind oftmals dermassen, dass wir diese nicht für die Folgegruppe beheben können und somit der Folgegruppe nicht die gebuchte Qualität gewährleisten können."

Vermittlungsversuche abgelehnt

Im Jahr 2019 wurde das "Likrat Public" Projekt vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) ins Leben gerufen. Es kamen Vermittler nach Davos um zwischen Hoteliers und jüdisch-orthodoxen Feriengästen kulturell zu vermitteln. Davos Tourismus kündigte im Sommer des vergangenen Jahres aber die Zusammenarbeit mit dem "Likrat Public" Projekt.

(VOL.AT)

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