Islam-Buch von Thilo Sarrazin sorgt für Kontroversen

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Der frühere Finanzsenator von Berlin Thilo Sarrazin hat in der deutschen Hauptstadt ein islamkritisches Buch vorgestellt.
Neues Islam-Buch von Sarrazin

Das Datum ist kein Zufall: Thilo Sarrazins neues Buch erscheint am 30. August. Auf den Tag genau acht Jahre nach seinem ersten und politisch höchst umstrittenen Bestseller “Deutschland schafft sich ab”. Nach dem Erscheinen seines ersten Buches hat Sarazzin nun in Berlin ein Buch vorgestellt, das mit Sicherheit wieder für Schlagzeilen sorgen wird. Dafür wird schon allein der provokante Titel sorgen: “Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht.”

Buch von Thilo Sarrazin
Buch von Thilo Sarrazin

Sarrazin: Kaum gelungene Integration

Darin schreibt Sarrazin, der Anteil der Muslime in Deutschland werde in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen. Gleichzeitig sorge der rückständige Islam, den die Mehrheit der Muslime praktiziere, dafür, dass es kaum gelungene Integration und zu wenig Deutschkenntnisse gebe. Die nachfolgenden Generationen der Muslime hätten im Durchschnitt eine schlechtere Schulbildung, wenig wirtschaftliche Erfolge und eine höhere Kriminalität. Zudem seien sie wenig aufgeschlossen für Demokratie und Gleichberechtigung.

Sarrazin für Einwanderungs-Regulierung

Sarrazins Fazit: Die “religiös gefärbte kulturelle Andersartigkeit der Mehrheit der Muslime” und deren steigende Geburtenzahlen gefährdeten die offene Gesellschaft, Demokratie und den Wohlstand. Er fordert, die Einwanderung von Muslimen streng zu regulieren.

sarrazin thilo
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Sarrazin ist ein “rotes Tuch”

Für viele renommierte Islamwissenschaftler ist der frühere Berliner Finanzsenator Sarrazin ein rotes Tuch. Mathias Rohe findet, mit seiner Sicht auf den Islam wäre Sarrazin “eine wunderbare Besetzung für’s Kuratorium des Salafisten-Verbandes”. Bestsellerautor Thilo Sarrazin malt in seinem neuen Islam-Buch das Schreckgespenst einer Islamisierungen der deutschen Gesellschaft an die Wand. Der Islamwissenschaftler Mathias Rohe hält diese Kernthese von “Feindliche Übernahme, Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht” (FinanzBuch Verlag) für nicht haltbar. Sarrazin gehe in seinem Buch, das an diesem Donnerstag erscheint, fälschlicherweise davon aus, dass muslimische Zuwanderer ihre Einstellungen nicht veränderten, “dass sie sich gar nicht auf die deutsche Gesellschaft einlassen”, sagte Rohe der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Untersuchung

Eine breit angelegte Untersuchung habe jedoch beispielsweise ergeben, dass die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften unter Türken in der Türkei höher sei als unter türkischstämmigen Migranten in Deutschland. Auch ignoriere Sarrazin in seinen Prognosen zum künftigen Anteil der Muslime an der Bevölkerung Daten, die zeigten, dass die Geburtenrate muslimischer Zuwanderer durch Zugang zum Bildungssystem in den Folgegenerationen sinke.

Nicht nachvollziehbar

Nicht nachvollziehbar findet Rohe folgende Aussage Sarrazins: “Vieles deutet darauf hin, dass im Islam eine Tendenz zum Beleidigtsein und zum Sich-angegriffen-Fühlen angelegt ist, die mit unseren Begriffen von Meinungsfreiheit und Demokratie schwer vereinbar ist.” Kritikwürdige Verhaltensweisen wie ein falsche Ehrbegriff und Elemente einer “Machokultur” würden hier auf die Religion zurückgeführt. Dabei finde man diese teilweise auch bei Nicht-Muslimen in Indien oder Russland.

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Koran-Auslegung der Terroristen

Sarrazin spannt in seinem Buch einen Bogen vom islamischen Propheten Mohammed bis hin zum Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Baghdadi. Er schreibt: “Den vom IS ausgeübten Terror sehen er (al-Baghdadi) und seine Anhänger als den neuen Dschihad. Historisch und religionsphilosophisch schließt sich hier ein Kreis.” Aus Sicht von Rohe übernimmt Sarrazin damit die Koran-Auslegung der Terroristen. Der Islamwissenschaftler kommentierte nicht ohne Ironie: “Herr Sarrazin wäre eine wunderbare Besetzung für’s Kuratorium des Salafisten-Verbandes.”

“Angstmache”

Das Buch sei auf “Angstmache” angelegt, erklärte der Rechts- und Islamwissenschaftler von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Einschätzungen zum Islam zeugten von einem für Sarrazin üblichen “Dilettantismus”. Sarrazin wirft Rohe in seinem Buch seinerseits vor, er verschleiere und verharmlose “Missstände im deutschen Islam”. Rohe hat unter anderem zum islamischen Recht (“Scharia”) und zur Paralleljustiz unter muslimischen Migranten geforscht. Er berät als Experte den Verfassungsschutz.

Zum Buch “Feindliche Übernahme”

Sarrazin im VOL.AT-Interview
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