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Interreligiöses Zusammenleben: Ohne Wissen gibt es kein Verstehen

Interkulturelles Zusammenleben ist immer auch interreligiöses Zusammenleben, denn Religion ist ein Teil von Kultur, auch in einer säkularisierten Gesellschaft.
Interkulturelles Zusammenleben ist immer auch interreligiöses Zusammenleben, denn Religion ist ein Teil von Kultur, auch in einer säkularisierten Gesellschaft. ©Beate Rhomberg
Ein Gastkommentar von PD Dr. Ursula Rapp über interkulturelles und interreligiöses Zusammenleben in Vorarlberg. Sie ist Leiterin des Instituts für Religionspädagogische Bildung der KPH Edith Stein in Feldkirch und neue Islambeauftragte der Diözese Feldkirch.
Rapp fordert mehr Verständnis für Islam
Neues Team für den interreligiösen Dialog
Neue Instituts-Leiterin für Religionspädagogische Bildung

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Seit über hundert Jahren kommen Menschen aus anderen Ländern nach Vorarlberg, um hier zu arbeiten: Von Schweizer Fabrikanten über Trentiner, Südtiroler, kroatische, slowenische, serbische und türkische Arbeitskräfte und Familien sind viele Menschen ins Ländle gekommen. Interkulturelles Zusammenleben gibt es in Vorarlberg schon lange. Die Einwanderer aus der Türkei haben Anfang Oktober mit einem wunderschönen Konzert in der Kirche des Klosters Mehrerau ihre 50-jährige Migration gefeiert. Diese Menschen sind Österreicher und fühlen sich als Vorarlberger. Sie sind integriert, aber nicht assimiliert, ihre Kultur ist also nicht in einer traditionell österreichischen aufgegangen. Trotzdem ist Vieles immer wieder fremd, haben wir „Bilder“ von den „Anderen“, die oft mehr durch Medien genährt werden als durch unseren Alltag. Dadurch wird „Fremdes“ fremder und das verunsichert. Einander zu kennen, zu wissen, warum Menschen aus anderen Kulturen so leben, nimmt diese Verunsicherung bzw. können wir lernen, mit ihr umzugehen und gemeinsam darüber zu reden, statt Fremdes einfach abzulehnen.

Interkulturelles Zusammenleben ist immer auch interreligiöses Zusammenleben, denn Religion ist ein Teil von Kultur, auch in einer säkularisierten Gesellschaft. Deshalb sieht die Kirche es als eine ihrer Aufgaben, sich in diesem Bereich für Verständigung und ein gutes, friedvolles Miteinander einzusetzen. Ein wesentlicher Teil dessen ist das genannte Wissen voneinander, das Reden miteinander. Ohne Wissen gibt es kein Verstehen. Deshalb wird die Organisation von Bildungsveranstaltungen eine wesentliche Aufgabe der beiden neuen Islambeauftragten der Diözese Feldkirch sein. Vorträge, Lehrgänge und interreligiöse Gesprächsrunden werden an verschiedenen Orten wie Bildungshäusern, Pfarren und Gemeinden stattfinden, ebenso werden im Bereich der Elternbildung und der Religionspädagogik für Kindergärten und Schulen weiterhin Fortbildungsveranstaltungen stattfinden. Und weil Religion ein Ausdruck der Erfahrung ist, dass es ein „Mehr“ gibt als das menschlich Verfügbare und Messbare, weil die unfassbare und vielfältige Wirklichkeit Gottes ein gemeinsamer Bezug ist, werden wir auch versuchen, mit Menschen anderer Religionen vermehrt interreligiöse Gebete anzubieten.

Es ist, besonders in der jetzigen weltpolitischen Situation, besonders wichtig, sich mit dem Islam auseinanderzusetzen und mit Menschen der muslimischen Religion zu sprechen, um zu merken, dass sich diese Religion nicht auf Gewalt und Terror reduzieren lässt, auch wenn sie dazu schändlich missbraucht wird. Die schwer zu verstehenden Seiten des „Anderen“ sind oft dann leichter verständlich, wenn man einen kritischen Blick auf sich selbst wirft. Das ist dann die „hohe Kunst“ ehrlichen, interreligiösen Dialogs, in dem wir alle Suchende sind. Gelingen kann das nur, wenn wir uns gleichberechtigt, gleichwertig und wohlwollend und offen begegnen.

Zur Person:
Ursula Rapp studierte in Wien und Jerusalem unter anderem. Katholische Theologie, Germanistik und Judaistik. Seit Oktober 2012 ist sie Leiterin des Instituts für Religionspädagogische Bildung in Feldkirch.

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