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Illspitz-Kraftwerk: Millionenschwere Mehrforderungen für Tiefbauarbeiten

Illspitz-Kraftwerk: i+R-Gruppe hat deutliche Mehrforderungen vorgelegt.
Illspitz-Kraftwerk: i+R-Gruppe hat deutliche Mehrforderungen vorgelegt. ©VN
Feldkirch. Bauarbeiten beim Illspitz-Kraftwerk in Feldkirch: Jetzt sind strittige Mehrforderungen in Millionenhöhe für Tiefbauarbeiten auf dem Tisch.

Tiefbauarbeiten sind in der Baubranche aufgrund des oft schwer einschätzbaren Untergrundes ein heißes und unberechenbares Pflaster – vor allem wenn es um die Kalkulation der Kosten im Rahmen von Angeboten geht. Davon kann derzeit insbesondere die Lauteracher Baufirmengruppe i+R (vormals Schertler-Alge) ein Lied singen. Denn deren Tiefbausparte ist in Vorarlberg in gleich drei Fällen in teils gerichtsanhängige Streitigkeiten beziehungsweise außergerichtliche Verhandlungen und Diskussionen rund um teilweise millionenschwere Mehrforderungen für erbrachte Tiefbauleistungen involviert.

Bislang waren insbesondere die Mehrforderungen von i+R rund um die Pilotier-Arbeiten beim Neubau des Firmensitzes von Salzmann Formblechtechnik in Hohenems bekannt. Diesbezüglich gibt es bekanntlich ein anhängiges Zivilgerichtsverfahren, wo i+R seine Mehrforderungen einklagt. Doch das Gebäudefundament von Salzmann ist nicht die einzige Baustelle, wo die Ansichten von i+R und jene des Bauherrn hinsichtlich der Rechnungshöhe gravierend voneinander abweichen. Denn auch beim im Herbst 2014 eröffneten Illspitz-Kraftwerk in Feldkirch, bei dem die i+R-Gruppe mit diversen Tiefbauarbeiten beauftragt war, stehen dem Bauherrn nach vorliegenden Informationen millionenschwere Mehrforderungen des Bauunternehmens ins Haus.

Stadtwerke bestätigen millionenschwere und strittige Mehrforderungen

In Auftrag gegeben wurden die (Tief-)Bauarbeiten für das Illspitz-Kraftwerk von den Stadtwerken Feldkirch. Das gesamte Bauvolumen für dieses Kraftwerk belief sich auf mehr als 35 Millionen Euro. Wie Manfred Trefalt, Geschäftsführer der Stadtwerke Feldkirch, auf Anfrage der Wirtschaftspresseagentur.com bestätigte, gebe es von der i+R-Gruppe strittige Mehrforderungen für Tiefbauarbeiten in Höhe von mehreren Millionen Euro gegenüber den ursprünglichen Angeboten oder vereinbarten Zusatzarbeiten. Hinweise aus Wirtschaftskreisen, wo von etwa zehn Millionen Euro an strittigen Mehrforderungen die Rede ist, wollte Trefalt nicht bestätigen. Nur so viel: “Es geht hier wirklich um sehr viel Geld.” Das ursprüngliche Tiefbau-Auftragsvolumen für i+R habe sich auf mehr als zwölf Millionen Euro belaufen.

>> Zahlen und Fakten zum Illspitz-Kraftwerk <<

Strittige Schlussrechnung mit anderen Mengengerüsten

Als Bauherrin haben die Stadtwerke Feldkirch nach Angaben von Trefalt während der Bauzeit je nach Baufortschritt bei den Tiefbauarbeiten pro Monat eine Teilabrechnung geprüft und bezahlt. “Das geschah immer im Einvernehmen mit dem Tiefbauunternehmen”, so Trefalt. Nach Abschluss der Bauarbeiten sei nunmehr überraschenderweise eine Schlussrechnung von i+R vorgelegt worden, die vom Mengengerüst her gegenüber den monatlichen Teilrechnungen völlig neu aufgestellt worden sei. “Das bedeutet für uns einen mehrmonatigen Prüfaufwand bis zum Sommer 2015, um überhaupt zu klären, ob sich das mit den Teilabrechnungen deckt und was genau eine strittige Mehrforderung ist.” So viel könne man allerdings von den Summen her schon jetzt sagen: “Die Mehrforderungen unter dem Strich belaufen sich auf mehrere Millionen Euro, wobei wir manche Mehrforderungen in Höhe von mehreren Millionen Euro bereits abgelehnt haben. Wenn die i+R-Gruppe auf diesem Geld besteht, dann muss die Baufirma das bei Gericht einklagen. Wir scheuen diese Konfrontation nicht”, sagte Trefalt.

Trefalt: “Das ist nicht partnerschaftlich”

Manfred Trefalt zeigt sich über die Vorgehensweise von i+R wenig erfreut. Für Ärger sorgen vor allem die aufwändig zu überprüfende Schlussrechnung und die erwähnten Mehrforderungen. “Die Vorgehensweise ist alles andere als partnerschaftlich.” Trefalt verweist darauf, dass die Stadtwerke Feldkirch als öffentliches Unternehmen ohnehin nicht so einfach Mehrforderungen in Millionenhöhe bezahlen können, ohne dass die politischen Gremien damit befasst werden.

Kraftwerk Illspitz28
Kraftwerk Illspitz28 ©Illspitz-Kraftwerk: Endspurt im August 2014. (Bild: VOL.AT/Hofmeister)

i+R: “Wollen eine einvernehmliche Lösung der Mehrkosten”

Joachim Alge und Reinhard Schertler, beide geschäftsführende Gesellschafter der i+R-Gruppe, bestätigten auf Anfrage ebenfalls, dass es im Rahmen der Schlussrechnung größere Mehrforderungen beim Illspitz-Kraftwerk aufgrund erbrachter Mehrleistungen gebe. Diese seien unter anderem wegen geologischen Gegebenheiten und dem Hochwasser angefallen. Über die Höhe der Mehrforderungen wollten Alge und Schertler keine Angaben machen. Man habe die Stadtverantwortlichen über die Situation umfänglich informiert. “Wir wollen eine einvernehmliche Lösung. Die Stadtwerke sollen jetzt unsere Schlussrechnung überprüfen und dann werden wir eine Lösung finden.” Bis dahin würden allerdings sicherlich mehrere Monate vergehen.

Vergleichsgespräche im Fall Salzmann Formblechtechnik ausgesetzt

Bei der bislang bekanntesten Tiefbau-Baustelle mit strittigen Forderungen in Millionenhöhe, jener von Salzmann Formblechtechnik in Hohenems, stehen die Zeichen unterdessen derzeit eher wieder auf Sturm. Wie der geschäftsführende Gesellschafter Gerhard Salzmann auf Anfrage erklärte, seien die vor wenigen Monaten vereinbarten Vergleichsgespräche vor Gericht wieder beendet worden. Das wurde auch von Seiten des Gerichtes bestätigt. Jetzt werde in dieser Causa weiter prozessiert. Die i+R-Gruppe hat wie berichtet Mehrkosten für Pilotierarbeiten in Höhe von 5,9 Millionen Euro vor Gericht eingeklagt. Salzmann wiederum antwortete mit einer Gegenforderung unter anderem aufgrund der mehrmonatigen Bauverzögerung in Höhe von 4,7 Millionen Euro. Nach einer ersten Verhandlungsrunde im Spätherbst 2014 wurden Vergleichsgespräche vereinbart und die Verhandlungen vor Gericht ausgesetzt, um bis Februar 2015 einen Vergleich zu erzielen. Doch offensichtlich waren die Vergleichsgespräche nicht von Erfolg gekrönt.

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DSC_1030 ©Neubau der Firma Salzmann Formblechtechnik GmbH in Hohenems. (Bild: VOL.AT/Rhomberg)

Auch Reinhard Schertler und Joachim Alge bestätigten das Ende der außergerichtlichen Vergleichsgespräche rund um die Salzmann-Baustelle. “Wir haben in dieser Runde keine Lösung gefunden. Es wird also zumindest eine weitere Verhandlung geben und da werden auch diverse Gutachten zum Einsatz kommen.” Nach wie vor sei man aber daran interessiert, eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden.

Illwerke Zentrum Montafon: Auch hier Mehrkosten bei Tiefbauarbeiten

Aller guten Dinge sind drei. Denn auch beim im Oktober 2013 eröffneten Illwerke Zentrum Montafon (IZM) in Vandans gibt es Diskussionen rund um Mehrkosten bei den Tiefbauarbeiten. Hier geht es um einen angefallenen Mehraufwand bei der Errichtung von Spundwänden, die sich aufgrund der Bodenverhältnisse schwieriger als erwartet gestaltet haben soll. Die Rede ist von Mehrkosten von bis zu einer Million Euro. Generalübernehmer für die Bauarbeiten beim IZM der Illwerke-VKW-Gruppe war die zur Bregenzer Baufirmengruppe Rhomberg gehörende Firma Cree. Sie hat die Tiefbauarbeiten an die i+R-Gruppe im Subauftrag vergeben.

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illwerke ©Das Illwerke Zentrum Montafon wurde im November 2013 eröffnet. (Bild: Illwerke)

Mehrkosten von bis zu einer Million Euro

In der seit Monaten anhängigen Causa wurde zwischenzeitlich auch ein Gutachten eingeholt, wie Hubert Rhomberg, geschäftsführender Gesellschafter der Rhomberg-Gruppe, und Joachim Alge sowie Reinhard Schertler bestätigten. “Dieses Gutachten liegt vor und jetzt können wir mit der Rhomberg-Gruppe diese Sache klären. Das wird sicherlich nicht ausufern, wir wollen eine ordentliche Lösung für beide Seiten”, so Schertler und Alge. Rhomberg meinte diesbezüglich, dass das Gutachten hervorgebracht habe, dass gewisse Mehrforderungen von i+R zu Recht bestehen würden. Er beziffert die Mehrforderungen mit 300.000 bis zu einer Million Euro. Jetzt setze man sich zusammen und bespreche die angemessene Höhe. “Wir werden hier sicherlich nicht vor Gericht ziehen, denn es liegt ja eine genaue Überprüfung der Mehrkosten von externer Seite vor”, so Rhomberg.

Baugrundrisiko als unkalkulierbare Variable

Doch die Angelegenheit könnte noch spannend werden, denn schlussendlich geht es hier um die zentrale Frage bei Tiefbauarbeiten, bis zu welchem Ausmaß das Baugrundrisiko der Bauherr respektive Grundbesitzer – also die Illwerke-VKW-Gruppe – zu tragen hat. Reinhard Schertler und Joachim Alge sagten, dass dies beim IZM ein Thema zwischen i+R und der Rhomberg-Gruppe sei. Mit der Illwerke-VKW-Gruppe führe man keine Gespräche. Hubert Rhomberg sagte unterdessen, dass man schlussendlich sehr wohl mit dem Landesenergieversorger über die Mehrkosten sprechen und verhandeln werde. Der Landesenergieversorger hat unterdessen bereits im Dezember 2014 auf Anfrage durch Kommunikationsleiter Andreas Neuhauser mitgeteilt, dass die Illwerke-VKW-Gruppe davon ausgehe, dass diese Angelegenheit nur den beauftragten Generalübernehmer und den Subunternehmer betreffe.

i+R-Geschäftsführer: “Es entsteht ein falscher Eindruck”

Reinhard Schertler und Joachim Alge sind naturgemäß wenig erfreut darüber, dass die i+R-Gruppe wiederholt mit umstrittenen Mehrforderungen in Millionenhöhe Gegenstand medialer Berichterstattung wird. “Diese Diskussionen und Probleme sind nicht lustig, denn es entsteht der falsche Eindruck, als ob dies bei uns die Regel ist.” Alle drei genannten Baustellen seien jedoch vom Untergrund her sehr schwierig gewesen. Der tatsächliche Zustand eines Untergrundes sei nun einmal in seiner Gesamtheit von außen her nur schwer zu beurteilen. Ganz anders verlaufen sei diesbezüglich beispielsweise das 50-Millionen-Euro-Projekt Bahnhof Linz. “Dieses Großprojekt haben wir mängelfrei und ohne Pönale mit dem Bauherrn abgewickelt”, so die beiden i+R-Geschäftsführer. Die absolute Mehrheit der Aufträge werde ohne Streitereien oder gar Gerichtsverfahren erledigt, wird in der Lauteracher Firmenzentrale betont.

(WPA)

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