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Günter Rhomberg: Die Kultur-Ikone vom Bodensee

Günter Rhomberg: 76-jähriger Industrieller prägte 31 Jahre lang die Bregenzer Festspiele
Günter Rhomberg: 76-jähriger Industrieller prägte 31 Jahre lang die Bregenzer Festspiele ©APA/ Pfarrhofer
Bregenz, Wien - Aus der Kulturszene ist der designierte interimistische Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, Günter Rhomberg (76), kaum wegzudenken. 31 Jahre lang war er Präsident der Bregenzer Festspiele, übernommen hatte er dieses Amt 1981. Aus der "zweiten Pionierphase" des Festivals wurde eine "Ära Rhomberg". Seit 2005 steht er der Stiftung des Theaters in der Josefstadt in Wien vor.

Das kulturelle Engagement liegt bei Rhomberg in der Familie. Als der damals 43-Jährige das Präsidentenamt von Albert Fuchs übernahm, trat er damit in die Fußstapfen seines Vaters Walter Rhomberg, der den Bregenzer Festspielen von 1963 bis 1968 vorgestanden hatte.

Rhombergs Weg der Vernunft

Festes Ziel des jungen Präsidenten war 1981, ein Programm zu bieten, das den Interessen der Jugend “eher als bisher entspricht”. Auf keinen Fall wollte er mit Salzburg und Bayreuth in Konkurrenz treten. Außerdem vertrat Rhomberg einen Weg der Vernunft. Programmgestaltung und finanzielle Möglichkeiten sollten einen vertretbaren Ausgleich darstellen. Bis zu seinem Abschied 2012 prägte Rhomberg die Bregenzer Festspiele maßgebend.

Wegweisende Veränderungen

Bereits der Beginn seiner Amtszeit läutete wegweisende Veränderungen ein. Nach einem kritischen Rechnungshofbericht wurde 1982 der Vertrag mit Intendant Ernst Bär einvernehmlich aufgelöst und mit Franz Salzmann die Position des kaufmännischen Direktors eingeführt, der dem Intendanten gleichgestellt ist. Im Jahr darauf begann mit dem Engagement von Alfred Wopmann als künstlerischem Leiter eine neue Zeitrechnung der Bregenzer Festspiele. Der zuvor als Regisseur an der Wiener Staatsoper tätige gebürtige Welser verfolgte von Anfang an eine Öffnung des Programms und prägte die “Bregenzer Dramaturgie”, die bekannte Mischung aus publikumswirksamen Opern auf der Seebühne und Raritäten im Haus.

Festspiele mit gesunder finanzieller Basis

Mit den großen Publikumserfolgen ab Mitte der 1980er-Jahre ergab sich für Bregenzer Festspiele auch eine neue gesunde finanzielle Basis. “Die prägenden Jahre zwischen 1985 und 2003 brachten den Durchbruch zu wirklich internationalem Renommee”, sagte Rhomberg in seiner letzten Eröffnungsrede der Festspiele.

Vergrößerung des Festspielhauses

In die Amtszeit des gelernten Bauingenieurs Rhomberg fällt auch die wesentliche Vergrößerung des Festspielhauses: Aus dem zunächst bescheiden als “Probebühne” propagierten Zubau entstand die heute unverzichtbare “Werkstattbühne”. Auch die Zuschauerkapazität auf der Seebühne wurde in den 1990er-Jahren auf knapp 7.000 Plätze erweitert, die Generalsanierung des Hauses (2005/06) belief sich auf 38,5 Mio. Euro.

Vom Verein zur Bregenzer Festspiele Privatstiftung

Organisatorisch gab es 1989 den Wandel vom Verein “Festspielgemeinde Bregenz” hin zur “Bregenzer Festspiele GmbH”, da Rhomberg sich nicht mehr in der Lage sah, ehrenamtlich die Haftung für einen Betrieb mit einem Budget von mehr als hundert Millionen Schilling zu übernehmen. 2002 wurde die Bregenzer Festspiele GmbH in die Bregenzer Festspiele Privatstiftung umgewandelt.

Turbulente letzte Jahre als Präsident

Seine letzten Jahre als Präsident der Bregenzer Festspiele verliefen hingegen turbulent. Die Entscheidung über die Intendanz der Bregenzer Festspiele ab 2013 brachte viel Verwirrung und Misstöne mit sich. Dass David Pountney gehen musste, wurde von vielen Festspiel-Beobachtern zunächst wenig goutiert, das damit verbundene Hin und Her – Pountneys Vertrag sollte dann doch noch für ein Jahr verlängert werden – noch weniger. Mit der Präsentation von Roland Geyer als Nachfolger von Pountney glätteten sich die Wogen jedoch schnell. Geyer war Rhombergs Wunschkandidat gewesen, er sollte “eine dritte Pionierphase der Festspiele” begründen. Dass dieser dann doch nicht sein Amt antreten wollte, fällt bereits in die Zeit des neuen Festspielpräsidenten Hans-Peter Metzler.

Von Bregenz nach Josefstadt

Bei den Bregenzer Festspielen arbeitete Rhomberg seit 1974 offiziell mit, der Respekt vor seinem Schaffen im Kulturbereich spiegelte sich auch in seiner Berufung zum Stiftungsvorstand der damals neu gegründeten “Theater in der Josefstadt-Privatstiftung” im Jahr 2005 wider. Schuldenabbau und die Finanzierung umfangreicher baulicher Sanierungsprogramme waren seither die größten Herausforderungen dieser Aufgabe. Und auch im Künstlerischen mischte Rhomberg kräftig mit. Der Josefstadt-Direktor wird vom Stiftungsvorstand bestellt. An der Kür des Schauspielers und Regisseurs Herbert Föttinger zum Josefstadt-Direktor 2005 war er daher wesentlich beteiligt. Bei Spielplanpressekonferenzen tritt er seither stets gemeinsam mit Föttinger und dem kaufmännischen Leiter Alexander Götz vor die Medien.

Vom Bauingenieur zur Kultur-Ikone

Günter Rhomberg wurde am 10. Juni 1938 in Bregenz geboren. Da sein Vater Walter im Baugewerbe tätig war, wurde auch er zunächst Bauingenieur (Dipl.-Ing., TU Graz 1963). Einen Namen in der Geschäftswelt machte er sich aber als Geschäftsführer im Unternehmen seiner Gattin Elke, Josef Hubers Erben, der Gründungsfirma der heutigen Huber Holding AG, für die er ab 1993 mehrere Jahre Vorstandsvorsitzender war. Öffentlich engagierte sich Rhomberg u.a. als Vorsitzender der Sektion Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg sowie als langjähriger Präsident der Österreichischen Textilindustrie. Zu seinen zahlreichen öffentlichen Auszeichnungen zählen das Goldene Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg (1995), das Österreichische Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft 1. Klasse (2002) und das Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (2008).

(APA/red)

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