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Glorias Mutter: "Man fühlt sich allein gelassen"

Bei Kaffee und Tee sprach Glorias Mutter über die anhaltende Ungewissheit.
Bei Kaffee und Tee sprach Glorias Mutter über die anhaltende Ungewissheit. ©VOL.AT/Rauch
Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen im Fall Gloria auf Eis legt. Aus den Medien erfuhr die Familie davon. Die Mutter von Gloria fühlt sich von den Ermittlern allein gelassen.

Wir treffen Glorias Mutter in einem Lokal in Lustenau, sie bestellt einen Pfefferminztee. “Man fühlt sich im Stich gelassen”, erklärt sie. Sie will anonym bleiben, schließlich wird sie im Berufsleben Kundenkontakt haben, dies mache das dann nicht einfacher. Von der Einstellung der Ermittlungen erfuhr sie aus der Presse – schon wieder. Bereits von der Suchaktion im November und auch den Knochenfund musste die Familie aus den Medien erfahren. Dass man die Familie hätte informieren können und sollen, räumte im Februar das Innenministerium gegenüber der Volksanwaltschaft in einem Schreiben – das VOL.AT vorliegt – ein. Und nun wieder dasselbe.

Bangen um Suchaktion im Frühjahr

Die Kommunikation zwischen Familie und Ermittlern war von Anfang an schwierig, sagt die Mutter. Man habe zwar bei der Polizei in der Gemeinde eine Ansprechperson zur Verfügung gestellt bekommen. Dieser könne aber zu den Ermittlungen und den Entscheidungen anderer Abteilungen nur selten wirklich Auskunft geben – und vom LKA habe man nie eine Antwort erhalten.

Suchaktion im Frühling

Im aktuellen Fall erklärt die Polizei, dass die Staatsanwaltschaft den Fall mit Ende Dezember ruhend gestellt habe. Mit einer Suchaktion im Frühling habe dies jedoch nichts zu tun, diese sei weiterhin geplant. Das habe man der Familie in Person von Glorias Vater so auch persönlich im Jänner mitgeteilt. Daran habe sich seitdem nichts geändert, auch wenn die aktuelle Berichterstattung einen anderen Eindruck erweckt haben mag, heißt es auf VOL.AT-Anfrage.

Mysteriöses Verschwinden

Am 5. März 2018 verschwand die 26-jährige Gloria. Am Wochenende zuvor verlor sie ihre Jacke mit Handy und Bankomatkarte beim Ausgang in Dornbirn. Am darauffolgenden Montag organisierte die Lustenauerin noch eine neue SIM-Karte im Messepark, die nie aktiviert wurde. Am selben Mittag forderte sie in der Volksbank in Lustenau eine neue Bankomatkarte an und hob 40 Euro ab. Danach sei sie noch im Rheincenter gewesen. Hier verliert sich ihre Spur dann – bis im September ein Schädelknochen in der Nähe der Schuttannen gefunden wurde.

Viele Fragen bleiben offen

Auch über ein Jahr nach dem Verschwinden von Gloria bleiben viele Fragen offen. Wohin ist der rote Rucksack? Bei der Videoaufzeichnung aus der Volksbank ist er nicht zu sehen. Ein eigenes Auto hatte sie keines, verlegte sie ihn im Messepark? War sie mit jemandem unterwegs, der in einem Auto wartete? Wie kam sie zum Fundort, in Sneakers bei Schnee? Fuhr sie mit dem Bus nach Emsreute und legte die letzten 3,5 Kilometer zu Fuß zurück? War sie allein oder in Begleitung unterwegs? War es ein Unfall, Verbrechen oder hat sich die Frau selbst etwas angetan?

Zwischen Unfall und Suizid

Es müsse ja nicht gleich eine Gewalttat gewesen sein, glaubt auch die Mutter. Der Knochenfund damals war auch eine Hilfe, da er zumindest eine Gewissheit brachte. Aber allein die unzähligen Möglichkeiten lassen ihr keine Ruhe. Jede neue Erkenntnis führte bisher weniger zu Antworten als wie zu neuen Fragen. Mit dem Fundort verbinde Gloria nichts, warum sollte sie für einen Suizid gerade da hin? Warum eine Bankomatkarte und SIM-Karte anfordern, wenn man nicht mehr leben wolle? Warum einen Ort wählen, der so abgelegen ist und zu dem sie so keinen Bezug habe, auch laut den Freundinnen nicht? Es hätte einfachere Möglichkeiten gegeben. Viele quälende Fragen, die für die Mutter offen bleiben.

Nichts sprach für Schuttannen

Ausschließen könne man natürlich nichts, trotz fehlendem Abschiedsbrief. Gleichzeitig wies für die Mutter nichts in diese Richtung. Gloria wollte nach einem abgebrochenen Studium und einem sozialen Jahr Sozialpädagogin werden, fühlte sich im Mädchencafé von Lustenau wohl und war bei den jungen Mädchen beliebt. Wandern war ebenfalls eigentlich kein Hobby der 26-Jährigen, niemand hat sie in den Schuttannen vermutet.

Suchaktion im November

Belastung für gesamte Familie

“Daher ist es für uns so unverständlich, warum man da jetzt einfach aufhört mit ‘das war es jetzt halt.’ Wir können nicht aufhören, wir als Familie können so nicht aufhören”, fasst die 56-Jährige im VOL.AT-Gespräch zusammen. Dennoch versucht die gesamte Familie, weiterzumachen. Vor allem sie als Mutter leidet weiter unter der Ungewissheit. Sie ist derzeit als arbeitsunfähig eingestuft, ist in psychischer Betreuung. Sie habe probiert, wieder zu arbeiten, war aber mehr Belastung als Unterstützung da man alles nachkontrollieren müsse, was sie tue. Aber wie solle sie abschließen, wenn noch so viel offen bleiben muss?

Versäumte Gelegenheiten

Dann noch die versäumten Gelegenheiten. Aufgrund eines Missverständnisses dachte man lange, dass Gloria am Montag nie im Messepark war. Daher wurde das Videomaterial von dem Tag damals nicht gesichtet, nun ist es verloren. Nach dem ersten Knochenfund im September hoffte die Familie auf umfassendere Suchaktionen und man ein größeres Gebiet durchkämmt. Unverständlich es für die Familie auch, warum man nicht schon im September mit einer Suche begann sondern erst im nasskalten November. Jede ungewollt versäumte Gelegenheit birgt mehr Ungewissheit für die Familie.

Zwischen Hoffnung und Hilflosigkeit

Bisher tröstete sich die Mutter und die Familie über den Winter hinweg mit der Hoffnung, dass im Frühjahr weitergesucht wird. Über die Volksanwaltschaft bat man die Behörden um Erklärungen für die Entscheidungen der Ermittler. Das Innenministerium kündigte im Februar noch an, dass man weitere Suchmaßnahmen nach dem Körper und Kleidung der 26-Jährigen plane. Nun die Nachricht vom scheinbaren Stopp aller Ermittlungen, der die Familie vollkommen unvorbereitet traf.

“Müssen selber suchen gehen”

Als sie auf VOL.AT vom scheinbar neuen Ende der Ermittlungen erfuhr, informierte sie als erstes Glorias Vater. “Und der hat dann gleich gesagt, in dem Fall müssen wir selber suchen gehen. Ja, was sollen wir sonst tun”, fasst sie die eigene Hilflosigkeit zusammen. Das sei einfach das erste, was einem in den Sinn komme. Denn ohne weitere Hinweise müsse natürlich jede offene Frage unbeantwortet bleiben. Nun blickt man den angekündigten Suchaktionen entgegen. (VOL.AT)

 

 

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