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Festspielpräsident Metzler: Ohne Festspiele "geht hier das Licht aus"

Bregenz - Der 52-jährige Vorarlberger Technologie-Unternehmer Hans-Peter Metzler hat am Montag nach Langzeit-Präsident Günter Rhomberg das oberste Ehrenamt bei den Bregenzer Festspielen übernommen.
Neuer Präsident für die Festspiele
Alles über die Festspiele
Metzler im VOL.AT-Interview

Er war seit 2006 neben Wilhelm Muzyczyn Vizepräsident im Vorstand der Bregenzer Festspiele Privatstiftung und seit 2002 Vorsitzender des Vereins der Freunde der Bregenzer Festspiele. Der Physiker machte bei Siemens Karriere, bevor er sich 1997 mit der Gründung des Chip-Herstellers NewLogic Technologies selbstständig machte. Diesen verkaufte er 2005, weitere Firmengründungen folgten. Seine erste Funktionsperiode als Festspielpräsident dauert bis 2017.

APA: Woher kommt bei Ihnen als diplomierter Physiker, Mathematiker und Unternehmer das Interesse an Kultur und Musik? Was fasziniert Sie daran?

Metzler: Ich bin in Lochau aufgewachsen, in optischem Kontakt zur Seebühne. Das war prägend. Schon sehr früh habe ich bei den Festspielen als Platzanweiser und Statist mitgearbeitet. Dieses Theaterleben, das hat sich damals eingebrannt. Ich habe mich immer für die grundlegenden Dinge interessiert, für Schönheit und die Gesetzmäßigkeit dahinter. So bin ich schließlich zur klassischen Musik gekommen. Nach mehreren Jahren im Ausland hab ich bei der Rückkehr nach Vorarlberg beim Verein der Freunde der Bregenzer Festspiele andocken können. Die Festspiele sind also ein Teil meines Heimatbegriffs. Als Unternehmer musste ich auf der Suche nach Fachleuten Menschen aus vielen Nationen, die ein städtisches Leben gewohnt waren, überzeugen, hierherzukommen. Dabei haben die Festspiele Vorarlberg ein urbanes Flair gegeben. Man nimmt das Festival als selbstverständlich, aber man sollte das nicht unterschätzen: Wenn das nicht da ist, geht hier schnell das Licht aus. Es wird auch Teil meiner Rolle sein, diese Bedeutung der Festspiele stärker herauszuarbeiten.

APA: Wie lassen sich Ihre Arbeit und die ehrenamtliche Tätigkeit als Festspielpräsident vereinbaren?

Metzler: Ich werde meine Aktivitäten entsprechend anpassen. Die Präsidentschaft wird viel Zeit kosten, aber die Festspiele haben für mich oberste Priorität, anders geht’s nicht. Ich möchte die Tradition weiterführen, damit Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen im Sinne einer good citizenship. Ich fühle die gesellschaftliche Pflicht, einen bescheidenen Beitrag zu leisten. Im Gegensatz zu anderen Dingen kann ich mich in der Funktion noch entwickeln, als sehr wissbegieriger Mensch motiviert mich das. Darum hab ich auch einen Horizont von zehn Jahren anvisiert, sonst kann man zu wenig wirken und umsetzen.

APA: Die Suche nach einem neuen Intendanten ist eines der wichtigsten Anliegen Ihrer beginnenden Präsidentschaft und des nunmehr auf fünf Personen erweiterten Stiftungsvorstands. Welche Voraussetzungen muss diese Persönlichkeit mitbringen?

Metzler: Ich bin die Intendantensuche angegangen, wie ich es aus der Wirtschaft gewohnt bin: Wir haben uns eine Agentur geholt, um sicherzugehen, dass wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, und erfahrene Experten (Anm.: Sir Peter Jonas und Klaus Zehelein). Erfahrene deshalb, weil ich nicht will, dass die Berater zu Kandidaten mutieren. Die Entscheidung fällt im Präsidium, aber es ist klar, dass ich dafür die Verantwortung tragen werde. In erster Linie muss diese Person die Emotion für den See haben und die Energie, die Risikobereitschaft und das Selbstbewusstsein, auf die Vorgänger Wopmann und Pountney aufbauend Weiterentwicklungen anzugehen, über Kreativität, Innovation, neue Formen. Wir suchen keinen Namen, wir suchen Inhalt. Darüber besteht Konsens. Ich will nicht, dass die Tradition abbricht, ich bin mehr ein Freund einer evolutionären Entwicklung. Das Publikum hat mit Recht bestimmte Erwartungen an uns.

APA: Soll die Bregenzer Dramaturgie mit einer breitenwirksamen Seebühnenoper und einer selteneren Hausoper beibehalten werden? Wie sieht es mit dem Zwei-Jahres-Rhythmus auf der Seebühne aus?

Metzler: Was die Dualität von Hausoper und Spiel auf dem See angeht, das sollte auf jeden Fall weitergeführt werden, vielleicht in anderer Form oder mit anderen Schwerpunkten. Ein Übergang zu einem einjährigen Wechsel auf der Seebühne wäre ja keine Neuerung, das gab es in Bregenz etwa 45 Jahre lang. Aber es hatte gute Gründe vom Markt her, nur alle zwei Jahre zu wechseln. Wir bieten ja bis zu 200.000 Menschen ein hochklassiges Produkt, es wäre schade, das Produkt sozusagen gleich wieder aus dem Regal zu nehmen, obwohl noch Nachfrage besteht. Ich würde den Zwei-Jahres-Rhythmus allerdings nicht in Stein meißeln wollen, das ist eher eine Frage der Programmierung. Genau da muss die neue Person ansetzen und Ideen haben. Die Sanierung der Seebühne wird uns mehr Optionen ermöglichen, aber dazu brauchen wir erst den neuen Intendanten. Wir werden uns jedenfalls nicht in künstlerische Entscheidungen einmischen, wir stehen als Team hinter dem künstlerischen Leiter.

APA: Präsident Rhomberg wünschte sich eine “dritte Pionierphase” für die Bregenzer Festspiele. Ist das auch unter Präsident Metzler noch aktuell?

Metzler: Natürlich brauchen wir eine neue Phase, aber der Weg entsteht im Gehen, und wie man das dann nennt, spielt keine Rolle – ein Quantensprung wäre aber schlecht, der ist nämlich winzig. Die neue Person soll ihre Handschrift zeigen können. Das braucht Zeit, daher streben wir eine mindestens zehnjährige Verbindung an. Das ist aber noch nicht festgelegt und hängt von der Persönlichkeit ab. Wenn es jemand ist, der die Energie hat, gleich zu Beginn Zeichen zu setzen – gut, aber wir wollen das Publikum nicht überfordern. Eine evolutionäre Entwicklung wäre da natürlicher. Qualität und Reichweite sind die beiden Triebfedern, an denen wir arbeiten wollen. In Bregenz ist künstlerisch und technisch immer an der Qualität gearbeitet worden, und nicht hinter dem Vorhang. Wir sind keine Leute, die stolz sind, dass keiner kommt. Wir freuen uns, wenn möglichst viele kommen. Darauf zu schauen, ist Teil unserer Aufgabe.

APA: Mit Intendant Alfred Wopmann begann eine Demokratisierung des Festivals, die von David Pountney weitergeführt wurde. Soll das ausgebaut werden?

Metzler: Das halte ich fast für den wichtigsten, eigentlich unformulierten Auftrag, ja. Die Bregenzer Festspiele waren demokratisch von der ersten Stunde an, sie begannen als Bürgerinitiative. Plötzlich konnten ganz normale Vorarlberger die Symphoniker nach dem Krieg in aller Schönheit hören. Das war möglich, ohne in die Oper zu gehen, ohne einen Anzug anzuziehen. Die Musiker waren auf einem Kahn auf dem See zu sehen und zu hören. Das ist eine wichtige Tradition: Wir ermöglichen Menschen, und immer mehr Menschen, Zugang zu großartigem Musiktheater. Rein quantitativ stoßen wir inzwischen an gewisse natürliche Grenzen, qualitativ noch nicht.

APA: Die Kulturfinanzierung ist auch für die Bregenzer Festspiele immer wieder Thema. Was für Erwartungen haben Sie dazu?

Metzler: Ich sehe das relativ nüchtern. Unsere Erwartung ist, dass leider nicht mehr Subventionen kommen. Wir freuen uns schon sehr, dass die Unterstützung bisher nicht infrage gestellt wurde. Der Vorteil ist aber, dass wir in den vergangenen 30 Jahren gelernt haben, hart zu wirtschaften, weil man sich nicht darauf verlassen kann, dass jedes finanzielle Loch gefüllt wird. An der Finanzierungszusage (Anm.: Die Subventionen belaufen sich auf rund 5,7 Mio. Euro) hat sich bisher nichts geändert. Die seit etwa 15 Jahren ausbleibende Valorisierung muss aus dem Programm reingespielt werden, das ist nicht schön, aber es macht auch unabhängiger im Denken und Handeln. Wir können den Künstlern dafür mit den Einnahmen eine solide Situation bieten – der Erfolg am See finanziert fast das ganze restliche Programm. So ist das in Bregenz: Kunst finanziert Kunst.

Hans-Peter Metzler im VOL.AT-Interview

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