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Fall Frastanz: Wie gerecht ist das Urteil?

Die fünf Angeklagten mussten sich am Montagabend vor dem Landesgericht Feldkirch verantworten. Die Verhandlung dauerte Stunden, das Urteil wurde erst gegen 22.30 Uhr gesprochen.
Die fünf Angeklagten mussten sich am Montagabend vor dem Landesgericht Feldkirch verantworten. Die Verhandlung dauerte Stunden, das Urteil wurde erst gegen 22.30 Uhr gesprochen. ©Dietmar Mathis, Sohm, handout/Neyer
Feldkirch - Im Prozess um den brutalen Überfall auf einen Jugendlichen in Frastanz im Jänner ist in der Nacht auf gestern das Urteil gefallen. W&W sprach darüber mit Experten.
Prozess um Brutalo-Raub in Frastanz
Brutaler Raub in Frastanz

Von Anja Förtsch (Wann&Wo)

Der Fall macht in ganz Vorarlberg Schlagzeilen: Fünf Jugendliche sollen im Jänner ihr Opfer für einen Drogendeal zur Frastanzer Kirche bestellt haben und es dann, als sie erkannten, dass es kein Cannabis bei sich hatte, in ein Auto gezerrt, nach Frastanz-Amerlügen gebracht und dort brutal zusammengeschlagen haben. Dabei sollen sie auch mit einem Korkenzieher auf den Jugendlichen eingestochen und ihn ins Gesicht getreten haben. Anschließend seien sie davongefahren und hätten ihr Opfer bei Minusgraden im Schnee und hunderte Meter vom nächsten Haus entfernt liegen lassen.

Insgesamt knapp fünf Jahre Haft für die Bande

Am Montagabend erging das Urteil gegen die Mitglieder der Gruppe: Der 17-jährige Haupttäter erhielt eine Zusatzstrafe von zwei Jahren zu einer Haftstrafe, die er bereits wegen eines versuchten Raubes kurz nach der nun verhandelten Tat verbüßt. Ein vorbestrafter 16-jähriger Mittäter erhielt 18 Monate Haft, davon sechs unbedingt, ein unbescholtener 17-jähriger 15 Monate Haft, davon fünf unbedingt. Der 18-jährige Unbescholtene, der das Auto fuhr, wurde zu einer teilbedingten Geldstrafe von 480 Euro verurteilt, der unbescholtene 17-jährige Beifahrer wurde freigesprochen. WANN & WO sprach mit Experten über die Urteile.

  • Die verhängten Strafen, gerade die Geldstrafe gegen den Fahrer, wirken verhältnismäßig mild. Entspricht das der Wahrheit?

Gerichtssprecher Dr. Norbert Stütler: „Man darf nicht außer Acht lassen, dass im vorliegenden Fall der Strafrahmen aus dem Jugendstrafrecht angewandt wurde. Dieser entspricht in etwa der Hälfte der normalen Vorgaben. Wäre der volle Strafrahmen wie für Erwachsene angewendet worden, befände man sich mit zwei Jahren Zusatzstrafe bereits am oberen Ende der üblichen Skala für diese Tat.“

  • Wie kommt ein Urteil zustande, woran orientieren sich Richterinnen und Richter?

Dr. Ingrid Neyer, Strafrechtsanwältin: „Beim Strafmaß orientieren sich die Richter-innen und Richter an Urteilen, die in gleichartig gelagerten Fällen ergangen sind – schließlich sollen gleichartige Fälle gleich behandelt werden. Letztendlich fließen in diese Vorgabe noch erschwerende oder mildernde Umstände ein.

  • Was sind etwa solche Umstände?

Dr. Ingrid Neyer, Strafrechtsanwältin: „Mildernd wirkte sich natürlich ein reumütiges Geständnis aus. Außerdem auch Unbescholtenheit und wenn die Tat im Widerspruch zum bisherigen Lebenswandel des oder der Angeklagten steht. Auch Minderjährigkeit und Mittäterschaft, insbesondere wenn der- oder diejenigen von anderen verleitet wurde, mildern. Erschwerend wirkt es hingegen, wenn gleich mehrere strafbare Handlungen zusammenkommen oder wenn die Tat als besonders heimtückisch zu beurteilen ist. Auch das Verhalten des oder der Angeklagten während der Verhandlung kann einen Einfluss auf das Strafmaß haben.“

  • Welche Faktoren wirkten sich im aktuellen Fall aus?

Gerichtssprecher Dr. Norbert Stütler: „Mildernd wirkte, dass die Angeklagten hinsichtlich ihrer Anklagepunkte geständig waren. Beim Haupttäter und dem 16-jährigen Mittäter verschärften deren Vorstrafen das Strafmaß. Im Fall des Haupttäters kamen die Vorgehensweise der Tat sowie die Anklage in gleich mehreren Punkten erschwerend hinzu.“

  • Waren auch das Gericht und die urteilende Richterin von der Schwere der Tat und dem geringen Alter der Angeklagten schockiert, so wie es auch die Vorarlberger Öffentlichkeit war?

Gerichtssprecher Dr. Norbert Stütler: „Das Landesgerricht Feldkirch und die Richterin in dem Fall, Sabrina Tagwercher, hatten in der Vergangenheit bereits mit geringeren aber auch mit schwereren Vergehen wie etwa Mord zu tun. Der Frastanzer Fall war also kein vollkommener Ausreißer. Allerdings ist die jugendliche Komponente dennoch auch für uns auffällig. Trotz dessen kann und werden sich Gericht und Richterin niemals von Emotionen leiten lassen, sondern sachlich und im Sinne der geltenden Gesetze urteilen – so wie sie es auch im aktuellen Fall um die Tat von Frastanz-Amerlügen getan haben.“

>>Hier die ganze WANN & WO-Ausgabe online lesen<<

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