Facebook übernimmt WhatsApp: Was bedeutet das für die Nutzer?

"WhatsApp bleibt unabhängig und werbefrei" - Datenschützer warnen
"WhatsApp bleibt unabhängig und werbefrei" - Datenschützer warnen ©AP
Das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook hat 1,2 Milliarden Nutzer, der Kurznachrichten-Dienst WhatsApp fast eine halbe Milliarde. Künftig gehören die beiden Unternehmen zusammen.
Wie Zuckerberg den Deal einfädelte

Facebook kauft den Messaging-Dienst um 19 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 14 Mrd. Euro.

Was ändert sich für die Nutzer?

Rein gar nichts, betonen die Firmen. “WhatsApp wird autonom bleiben und unabhängig agieren”, schrieb WhatsApp-Gründer Jan Koum in einem Blogeintrag. Der Dienst soll günstig und werbefrei bleiben, versprach er. Datenschützer rechnen jedoch damit, dass Daten zusammengelegt werden könnten. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagte, wegen des hohen Kaufpreises für WhatsApp “kann man davon ausgehen, dass eine Kapitalisierung über die personenbezogenen Daten der Nutzer erfolgen muss”. Mit der Übernahme werde sich WhatsApp künftig an europäisches Datenschutzrecht halten müssen, sagte Caspar.

Datenschützer besorgt über Übernahme

Auch der heimische Datenschützer Hans Zeger, Obmann der Arge Daten, erwartet nach dem Kauf des Nachrichtendienstes WhatsApp durch Facebook “auf kurz oder lang” eine Verknüpfung von personenbezogenen Daten der beiden Dienste. “Bei Gratisdiensten wird man selbst zum Produkt, zur Handelsware”, sagte Zeger zur APA.

Je nach Ausgestaltung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) werde Facebook die Daten-Zusammenführung sofort oder erst später durchführen. Wenn in den AGB festgehalten, dürften Daten im Unternehmen auch für andere Zwecke verwendet werden. Google hat beispielsweise erst nach einigen Jahren nach dem Kauf des Youtube-Videoportals die Nutzerprofile zusammengeführt.

“Ist ja keine Wohltätigkeitsorganisation”

Auch Verbraucherschützer rechnen mit einem Zugriff von Facebook auf die WhatsApp-Informationen. “Wir gehen davon aus, dass diese Daten auch mit den Facebook-Daten verknüpft werden”, sagte Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. “Das ist für Facebook bares Geld wert.” Die Unternehmen betonten dagegen, dass WhatsApp weiterhin unabhängig agieren werde.

“Facebook ist ja nun keine Wohltätigkeitsorganisation, also hier stecken ganz klar auch wirtschaftliche Interessen dahinter”, sagte Carola Elbrecht, Digitalexpertin vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin.

Bankanalysten über Kaufpreis verwundert

Heimische Bankanalysten zeigten sich über den hohen Kaufpreis von 19 Mrd. Dollar verwundert. Der Preis sei “sehr hoch”, sagte Bank-Austria-Chefanalystin Monika Rosen zu “derStandard.at”. Raiffeisen-Analyst Leopold Salcher bezeichnete den Kaufpreis als “äußerst stolz”. Er sieht bereits eine Social-Media-“Blase”.

Warum ist WhatsApp so beliebt?

Die App ist eine Alternative zu SMS. Ein Jahresabo kostet nur einen Dollar. Außerdem können Nutzer auch Fotos und Videos versenden. Viele Handyverträge beschränken die Zahl der mit der Grundgebühr abgedeckten SMS, bei WhatsApp können Nutzer dagegen so viele Nachrichten verschicken wie sie wollen. Besonders bei Jugendlichen ist die konstante Kommunikation ein Hit. Fast drei Viertel aller Teenager in Deutschland haben ein Smartphone, zeigt die JIM-Studie. 70 Prozent von ihnen haben WhatsApp installiert. Weil WhatsApp-Nachrichten über das Internet verschickt werden, fallen auch keine zusätzlichen Gebühren für Nachrichten ins Ausland an.

Wie sicher ist WhatsApp?

Immer wieder hatte Berichte über Sicherheitslücken bei der App gegeben. Anfangs wurden die Kurznachrichten noch unverschlüsselt übertragen. “Jemand, der im selbem WLAN war, konnte alles mitlesen”, sagte c’t-Redakteur Johannes Bager der dpa. Diese Schwäche habe WhatsApp 2012 behoben. Allerdings: “Mittlerweile ist das Verschlüsselungsverfahren auch nicht mehr unbedingt auf dem Stand der Technik”, gab Bager zu Bedenken.

Was weiß WhatsApp über seine Nutzer?

Im Gegensatz zu Facebook sammelt WhatsApp keine Angaben zu Alter, Geschlecht oder Wohnort seiner Nutzer. Andere Daten braucht die App allerdings, etwa die Liste der eigenen Kontakte und ihre Telefonnummern. Auch auf die Kamera und das Mikrofon des Smartphones kann die App zugreifen. Das muss auch sein, wenn man über die App auch Fotos und Videos verschicken will. Doch es schürt teilweise Sorgen von Nutzern. “Wenn die Betreiber etwas Böses im Schilde führen würden, könnten sie mich belauschen”, sagte Bager. “Uns ist aber kein Fall bekannt, wo das tatsächlich passiert wäre.”

(APA/dpa/red)

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